Jeder Einwohner beider Basel soll eine Gebühr von 20 Franken pro Jahr bezahlen, um die Hege und Pflege des Waldes finanziell zu unterstützen. Dies fordert Georges Thüring, SVP-Landrat aus Grellingen und Präsident der Basellandschaftlichen Bürgergemeinden. Thüring hatte seinen Vorschlag im November bereits in einem Interview mit der bz skizziert, nun hat er den entsprechenden Vorstoss im Baselbieter Landrat eingereicht. Mittlerweile ist Thüring mit der Idee für einen Waldbatzen nicht mehr alleine: Sein Basler Parteikollege und Grossrat Heinrich Ueberwasser will die städtische Regierung anfragen, wie sie zu einer solchen Gebühr für Basler Wälder steht und wie diese über Kantons- und Landesgrenzen hinaus umgesetzt werden könnte.

Tiefer Holzpreis ist Ursache

Mit der pro Einwohner erhobenen Gebühr soll ein Fonds geäufnet werden, der den Waldeigentümern bei der aufwendigen Bewirtschaftung des Waldes finanziell unter die Arme greift. Die Gelder sollen laut Thüring entsprechend der Grösse der Waldfläche an die jeweiligen Waldeigentümer fliessen – an Bürgergemeinden, Einwohnergemeinden und Private. Die Idee hat bereits einigen Wirbel ausgelöst: Der Autor und Kulturschaffende Christoph Meury kritisierte in der bz die «Waldnutzungsgebühr». Damit werde suggeriert, dass die Zugänglichkeit zum Wald eine geldwerte Dienstleistung darstelle.

Für die beiden SVP-Politiker ist das alles ein Missverständnis: «Es geht nicht um ein Eintrittsgeld», stellt Ueberwasser klar. Sondern darum, die Finanzierung der Leistungen der Waldeigentümer zugunsten der Allgemeinheit sicherzustellen. Das Problem: Wegen des sinkenden Holzpreises seien die Waldeigentümer kaum mehr in der Lage, den Wald kostendeckend in Schuss zu halten, veranschaulicht Thüring. Die Bewirtschaftung sei aber nötig: nicht «nur», um Holz zu verkaufen, sondern um ökologische Funktionen und die Erholung der Menschen im Wald sicherzustellen.

Heinrich Ueberwasser doppelt nach: «Wenn die Bewirtschaftung des Waldes nicht mehr funktioniert, dann haben wir Probleme». Er könnte sich vorstellen, dass mit der Entrichtung der Gelder ein klar definierter Leistungsauftrag seitens der Kantone an die Waldeigentümer verbunden ist. Ein System, das sich etwa mit den Direktzahlungen an die Bauern für ökologische Leistungen vergleichen lässt.

Keine Baselbieter Retourkutsche

Ein zweites Missverständnis orten die beiden im Vorwurf, die Waldgebühr sei in der Partnerschafts-Debatte die Baselbieter Retourkutsche zur städtischen Forderung nach höheren Theatersubventionen. Es gehe nicht darum, den Städtern das Geld aus der Tasche zu ziehen und dieses ins Baselbiet umzuleiten, betont Thüring: «Der Waldbatzen ist auch dann nötig und sinnvoll, wenn ‹nur› der Kanton Baselland mitmacht.»

Wird die Gebühr im Kanton Baselland eingeführt, so hätten die Waldeigentümer künftig rund 5,6 Millionen Franken pro Jahr zusätzlich für gemeinwirtschaftliche Leistungen zur Verfügung. Macht der Stadtkanton im selben Umfang mit, wäre der Fonds knapp 10 Millionen Franken schwer. Laut Thüring wären die Waldeigentümer in beiden Basel damit auf der sicheren Seite. «Wir müssen den Wald als funktionalen Raum für die gesamte Region begreifen. Es liegt im Interesse von Stadt und Land, dass dieser Raum geschützt wird und seine positiven Wirkungen entfalten kann», fügt Ueberwasser an.