«Wow! Aha!» So schallt es durchs museum.bl. Die Teilnehmerinnen des Anlernkurses für Weberinnen zeigen sich beeindruckt von den Webstühlen und den Aufgaben einer Weberin. In drei Gruppen eingeteilt lernen sie nicht nur die Geräte kennen, sondern müssen auch gleich selber Hand anlegen: Fäden in die Litze einziehen, Weberknöpfe machen oder den über 100-jährigen Webstuhl «einschalten». «Dafür braucht es Gschpüri», sagt Bernhard Goossen.

Der pensionierte Bandweberei-Experte hat zusammen mit Bruder Jan und Hansruedi Wahl auch schon die Absolventinnen und Absolventen der Webstuhltechnik-Ausbildung unterrichtet. An sechs Samstagen erhielten die 22 Männer und Frauen im vergangenen Jahr das Rüstzeug für Unterhalts- und Wartungsarbeiten von Webstühlen. Niemand von ihnen würde sich aber nun als Webstuhltechniker bezeichnen. «Dafür war der Kurs viel zu kurz», blickt Martin Schweizer zurück, «doch ich kam mit null Kenntnissen und nahm viel Wissen mit.»

Es ging in der Ausbildung vor allem um die Technik, doch auch Historisches hatte Platz. Beeindruckt war Schweizer von den Teilnehmenden, deren grosser Begeisterung und den vielen guten Fragen, die sie stellten. Annekäthi Dürrenberger sagt: «Durch Diskussionen in der Gruppe und mit Hilfe der Experten kam man dem Verständnis einen Schritt näher. Ich fühle mich durch den Kursbesuch auf jeden Fall sicherer in der Fehlererkennung- und -behebung.» Sie ist schon lange in der Museumswelt als Weberin unterwegs und konnte nun im Kurs die Mechanik der Webstühle besser verstehen lernen. Auch Schweizer wird sein Wissen anwenden können: Er engagiert sich im Dorfmuseum Frenkendorf, wo ein Webstuhl steht.

«Einfach logisch denken»

Sonja Stump wird sich vielleicht bald des Reigoldswiler Webstuhls annehmen. Das Ortsmuseum sucht Helferinnen und deshalb hat sich die junge Frau zum Anlernkurs angemeldet. «Er ist super», schwärmt sie. Als erstes habe sie gelernt, wie man einen Weberknopf macht und wie das «Spüli» ins «Schiffli» kommt. Als nächstes ist das Einziehen der Fäden dran. Dafür braucht es ein Häkchen, gute Augen und sehr viel Geduld.

Mina de Francesco meistert diese schwierige Aufgabe erstaunlich flink. «Mich interessiert altes Handwerk, ich bin in der Basler Papiermühle tätig», sagt sie. Sie will so viel Hintergrundwissen wie möglich sammeln. Ein grosses Lob spricht sie Goossen und dessen Einführung am Bandwebstuhl aus. «Das Gerät ist der Wahnsinn, so komplex.» Eines der Ziele des Experten ist es an diesem Samstagmorgen, den Kursteilnehmerinnen den Respekt vor den «Ungetümen» zu nehmen. Er erklärt, es sei alles überschaubar, man sehe alles: «Kommt etwas zu früh oder zu spät, könnt ihr es richten. Ihr müsst einfach logisch denken.»

Engagierten Nachwuchs finden

Auch in diesem Kurs wird sehr viel gefragt. Die Frauen zeigen sich an allem höchst interessiert. «Es soll sie packen, damit sie sich hoffentlich in Museen engagieren», erläutert Céline Steiner den Sinn des Kurses. Sie leitet das Projekt «Webstuhlrattern», in dessen Rahmen die Ausbildungen angeboten werden. Um die Zukunft muss sie sich wohl keine Sorgen machen, bei dieser offensichtlichen Begeisterung der Teilnehmerinnen. Und angesichts der sofort ausgebuchten Kurse.

Ende Monat wird es 60 potenzielle Nachwuchsweberinnen geben und die
22 Technikerinnen und Techniker stehen ebenfalls bereit. Das Projekt «Webstuhlrattern» wird sogar weitergeführt: Schweizer und zwei seiner TechnikerKolleginnen, Kristin Grimbichler und Sigi Signorelli, haben dafür die Koordinationsstelle Webstuhlrattern gegründet. Ihnen hat es den Ärmel wirklich reingenommen.