Seit die Aargauer Regierung vergangenen Freitag offiziell verkündete, «auf Bemühungen für ein Bundesasylzentrum zu verzichten», steht sie im Kreuzfeuer der Kritik. Überraschend deutliche Worte fand Nachbar Baselland, der in der Asylregion Nordwestschweiz zusammen mit Basel-Stadt und Solothurn Partner des Aargaus ist und an dem die Suche nach einem dritten Bundeszentrums-Standort nun hängenbleibt. Regierungsrat Anton Lauber bemängelte in der «Schweiz am Wochenende», dass er nicht vorgängig informiert worden sei und dass «dieses Verhalten nicht dem regionalen Gedanken entspricht».

Im «Talk täglich» auf Tele M1 verteidigte sich die Aargauer Asyldirektorin Franziska Roth nun gestern Abend. Dass sich der Aargau zurückziehe, sei bereits im vergangenen März an gemeinsamen Gesprächen diskutiert worden. Zudem habe Lauber Ende Oktober den Regierungsbeschluss erhalten. Gleichwohl krebst Roth leicht zurück, wenn sie sagt: «Wir haben nie gesagt, dass wir auf keinen Fall ein Bundesasylzentrum bei uns wollen. Wir suchen nur im Moment nicht aktiv einen Standort.» Sollte Baselland auf den Aargau zukommen und sagen, dass man beim besten Willen kein geeignetes Areal habe, dann werde man die Suche wieder aufnehmen. «Für uns besteht jetzt kein Handlungsbedarf, da Baselland ja Interesse bekundet hat. Aber wenn es sich aufdrängt, sind wir selbstverständlich gesprächsbereit», so Roth.

Roth öffnet die Türe freilich bloss einen Spalt, da sie weiss, dass der Kanton Baselland bei der Suche nach einem Standort für ein neues Ausreisezentrum mit 250 Plätzen schon weit fortgeschritten ist. Schliesslich machte die bz just heute Dienstag publik, dass Baselland und der Bund «in Schlussverhandlungen mit einem Grundbesitzer» stehen. Dies bestätigte der Baselbieter Asylkoordinator Rolf Rossi. Recherchen zeigen, dass es sich dabei um ein Areal in Pratteln handelt.

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Asyl-Grossunterkünfte sorgen für Ärger

Asyl-Grossunterkünfte sorgen für Ärger

Asyl-Grossunterkünfte sorgen im Aargau für Ärger. Nachdem Regierungsrätin Franziska Roth acht mögliche Standorte für eine kantonale Grossunterkunft kommuniziert hat, hagelt es Kritik aus den Gemeinden.