Die Baselbieter Regierung nimmt einen neuen Anlauf ins 21. Jahrhundert: Zukünftig sollen alle Primarschulen Computerunterricht anbieten und die entsprechende Infrastruktur zur Verfügung stellen. Den Entwurf der Landratsvorlage zu den neuen IT-Richtlinien in Baselbieter Schulen hat der Regierungsrat am Mittwoch in die Vernehmlassung geschickt. «Rund 70 Prozent der Gemeinden erfüllen die Auflagen schon heute oder liegen bereits drüber. Sie müssen demzufolge nicht mehr Geld investieren», sagt Alberto Schneebeli, Projektleiter Bildungsharmonisierung beim Kanton Baselland. Für die anderen 30 Prozent heisst es dagegen: aufrüsten. Bisher waren die Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) im Baselbiet fakultativ. Das heisst: Will die Gemeinde keine Computer für ihre Primarschüler, dann gibt es eben keine. «Da der Kanton bisher die Entwicklung nicht gesteuert hat, sind die Unterschiede sehr gross», sagt Schneebeli. Dabei ist es keinesfalls so, dass die grösseren Gemeinden den kleineren voraus seien. «Die Gemeinde Blauen ist in diesem Bereich beispielsweise sehr fortschrittlich», so der Projektleiter.

4 Millionen Franken

Der Verpflichtungskredit über 1,4 Millionen Franken, um den der Kanton den Landrat ersucht, ist dabei nicht vorgesehen, um die Infrastruktur der Baselbieter Schulen auf Vordermann zu bringen. Stattdessen geht es hier um den so genannten pädagogischen ICT-Support, also die Beratung, Fortbildung und Unterstützung der Lehrer.

Stimmt das Baselbieter Parlament der Vorlage zu, dann stehen den Baselbieter Gemeinden zukünftig rund vier Millionen Franken wiederkehrende Kosten ins Haus. Die Minimalstandards sehen beispielsweise so aus: Auf Kindergartenstufe sowie 1. und 2. Klasse braucht es einen Arbeitsplatz pro Abteilung und in der 6. Klasse 3 bis 5. Zudem werden alle Schulen verpflichtet, ein Medienkonzept auszuarbeiten. In einer ersten Reaktion bezeichnet der Geschäftsführer des Verbands der Baselbieter Gemeinden (VBLG) die neuen Richtlinien als nachvollziehbar. «Vor ein paar Jahren waren die Argumente wohl noch begründet, die IT den Gemeinden zu überlassen», sagt Ueli Kräuchi, «aber heute kann man sich vor den neuen Entwicklungen nicht verschliessen.» Damit meint er das Nein des Landrats zur Einführung von ICT als Unterrichtshilfe vor fünf Jahren. Kurzum: Kräuchi glaubt nicht, dass sich der VBLG in der Vernehmlassung negativ dazu äussern wird.

Nicht nur Facebook kennen

Worte, die bei Schneebeli gut ankommen. Er sieht den IT-Unterricht an den Schulen heute aus drei Gründen als unumgänglich an. «Der Computer ist zum Lerngegenstand und Lernmedium geworden und ist Teil einer verändernden Umwelt, in welche die Lernenden hineinwachsen.» Er findet, dass es Aufgabe der Primarschule sei, den Kindern einen «mehrperspektivischen Blick» auf die Informatik zu ermöglichen und Erfahrungen der sinnvollen Nutzung beim Lernen und Arbeiten ermöglichen: «Es ist wichtig, dass die Schüler nicht nur Facebook kennen, wenn sie in die Sekundarschule kommen.» Noch zwei Jahre bleibt den Gemeinden Zeit: ICT soll an Baselbieter Schulen auf 2015/16 hin umgesetzt werden.