«Das macht mich traurig. Ich kann das fast nicht glauben.» Stephan Spicher kommt gerade von einer Ausstellung aus Japan zurück, als ihm die bz die traurige Nachricht überbringt. Die Kunst-Installation «Dialog» in der Schulanlage Spiegelfeld in Binningen wurde zerstört. Maler Spicher hatte das Ensemble zusammen mit Bildhauer Jörg Schneider extra für die Aula erschaffen. Spicher malte Bilder – Schneider modellierte zwei stattliche Balken. Diese wurden entsorgt. Dass seine Gemälde noch vorhanden sind, mag Spicher nicht trösten.

Verschwunden sind die Holzstäbe während der ersten Sanierungsetappe der Schule. Bauarbeiter hätten sie weggeschafft, teilte der Gemeinderat am Montag mit. Zuvor hatte sich ein Einwohnerrat erkundigt, was mit dem Werk geschehen sei – er vermutete einen Raub.

Aus Lagerraum verschwunden

Einen Entsorgungsauftrag habe es keinen gegeben, sagte Gemeinderat Daniel Nyffenegger am Montag. Wahrscheinlich sei die Kunst nicht als solche erkannt worden. Binningen kaufte die Installation im Jahr 1996. Dafür legte die Gemeinde immerhin 16'000 Franken auf den Tisch.

Der Sanierung der Schulanlage Spiegelfeld fiel eine Holz-Skulptur zum Opfer.

Der Sanierung der Schulanlage Spiegelfeld fiel eine Holz-Skulptur zum Opfer.

Kunst ist in Baselbieter Schulgebäuden offensichtlich gefährdet. Schneiders Holz-Skulptur ist bereits der vierte innerhalb eines Jahres publik gewordene Fall, bei dem Objekte verschwinden. Zuvor hatte es Mosaike des Oberbaselbieter Künstlers Walter Eglin erwischt. Drei davon wurden zugegipst. Sie sind heute teilweise wieder freigelegt – die Binninger Balken jedoch dürften auf einer Müllkippe gelandet sein.

«Es handelt sich um ein Missgeschick», sagt Roland Borer von der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion. Borer leitet die Sanierung der Sekundarschulanlage. Diese ging 2011 in Kantonsbesitz über; die erste Tranche der Gebäude wurde 2013 saniert – darunter besagte Aula. «Die Stäbe waren in einem Lagerraum untergebracht. Zu diesem hatten Handwerker Zugang», sagt Borer. «Jemand muss sie im Eifer des Gefechts wegtransportiert haben.» Im August 2013 habe man bemerkt, dass die Objekte nicht mehr da waren. Wer dafür verantwortlich sei, könne man nicht mehr rekonstruieren, sagt Borer. Vorgesehen war, dass «Dialog» nach der Renovation wieder an den angestammten Platz zurück kehrt. Die Bilder der Installation sind laut Borer unversehrt.

Wem das Werk nach dem Verkauf der Schule an den Kanton gehören sollte, wurde gemäss Gemeinde nie festgehalten. Die beiden regionalen Künstler schufen die Installation für eine Ausstellung des Kunstvereins Binningen im Jahr 1996.

Gemeinde wollte Kunst nicht mehr

Der Kunstverein habe schon öfters Werke vor der Zerstörung gerettet, sagt dessen Präsident Philippe Meerwein. «Von den Holzskulpturen haben wir erst erfahren, als es schon zu spät war.» Er kritisiert, dass generell zu wenig Sorge getragen würde zu Kunst im Eigentum der öffentlichen Hand .

Diesen Eindruck bekräftigt eine Aussage von Roland Borer vom Kanton. Der Spiegelfeld-Abwart habe sich vor der Sanierung bei der Gemeinde erkundigt, ob diese die Kunst zurück wolle. Es habe geheissen, man könne damit machen, was man wolle.