Irgendwann konnte er nicht mehr wegschauen. Es war im letzten Herbst, als Marco Agostini beschloss, etwas zu unternehmen. Auf einem Spaziergang war dem Pfeffinger wieder einmal aufgefallen, wie viel Abfall im Wald herumliegt. Der Grünen-Politiker begann damit, den Gerümpel einzusammeln, seither unternimmt er regelmässig Sammeltouren in den Wäldern im Gebiet Angenstein. Nun kann er einen ersten grossen Erfolg verbuchen.

Im Gebiet Lätte in Duggingen entdeckte Agostini an einem Abschnitt im Wald gröbere Gegenstände als üblich: etwa Metallstangen, die fast einen Meter weit aus dem Boden ragten, aber auch Plastikteile, Autoreifen und einen alten Ski. Dem 53-Jährigen war rasch klar: Er war auf eine ehemalige Abfalldeponie gestossen. Die schützende Deckschicht war offensichtlich brüchig geworden, gleich an mehreren Stellen. Seither gibt der Wald den Müll wieder frei, Stück für Stück.

Früher war das ganz legal

Agostini meldete seine Funde den Behörden – die wurden hellhörig. Dominic Utinger vom Baselbieter Amt für Umweltschutz und Energie (AUE) teilt der bz mit, man werde eine Besprechung organisieren, um die weiteren Massnahmen zu besprechen, vor Ort und mit allen Beteiligten, also auch mit der Waldbesitzerin, der Bürgergemeinde Aesch. Wahrscheinlich ist laut Utinger, dass der Abfall abgetragen und fachgerecht entsorgt wird, zumindest die oberen Schichten.

So störend die Gegenstände im Wald sind – die Deponie wurde ganz legal angelegt. Das Verfahren, Siedlungsabfälle, Sperrgut und Bauschutt einfach irgendwo in der freien Natur zu verscharren, war früher völlig üblich. Bis in die 1980er-Jahre gingen viele Gemeinden so vor. Sie füllten mit ihrem Güsel ein Täli oder eine Grube auf, in manchen Fällen sogar Höhlen und Erdspalten. War der «Behälter» voll, wurde das abgeladene Material verdichtet und überdeckt. Danach ging man zu einer neuen Ablagerungsstelle über. Bis auch diese voll war.

Wenn die Deckschicht bröselt

Weil die Deponien meist mit Erdreich bedeckt sind, kann man sie von blossem Auge kaum mehr erkennen. Dominic Utinger vom AUE schreibt: «Die entsprechenden Standorte sind heute wieder bewaldet oder überwachsen und ohne detaillierte Kenntnisse im Gelände nicht erkennbar.» Ausser, die Hinterlassenschaft findet von selber wieder den Weg an die Oberfläche. So wie in Duggingen am Länzberg.

In diesem Fall geht die Sauerei auf die Zeit vor dem Kantonswechsel des Laufentals zurück. Der Kanton Bern bewilligte 1968 den Ablagerungsstandort Länzberg/Lätte. Bis 1980 wurde Abfall in die Grube gekippt, danach holte sich die Natur das Gelände zurück. Wer genau die Verursacher sind und was sie im Wald deponierten, das wird derzeit abgeklärt.

Noch immer werden Abfälle in Deponien gelagert – dann, wenn die zu entsorgenden Materialien weder rezykliert, noch verbrannt werden können. Doch diese Areale werden überwacht. Sämtliche dieser Ablagerungsstellen im Kanton Baselland sind laut AUE bekannt, sie werden im Kataster der belasteten Standorte erfasst. Solche gibt es nicht wenige: Der Kanton schätzt ihre Zahl auf rund 1400.

Im Kantonsgebiet sei derzeit ein anderer Fall bekannt, der mit jenem in Duggingen vergleichbar sei, schreibt Dominic Utinger. Es könne aber nicht ausgeschlossen werden, dass bei weiteren früheren Deponien Kehricht an die Oberfläche gelange – etwa dann, wenn ein umgefallener Baum die Deckschicht aufreisst. Trotzdem schränkt Utinger ein: «Schlechte Rekultivierungen sind sicherlich nicht die Regel.»

«Keine konkrete Gefahr»

Bei der Alt-Deponie Länzberg/Lätte besteht ganz klar Handlungsbedarf – das ist auch die Sicht des Kantons. Zwar stelle der Müll keine konkrete Gefahr für die Umwelt dar, allerdings bestehe «eine gewisse Verletzungsgefahr für Mensch und Tier», schreibt Utinger, das habe ein Augenschein gezeigt. «Der vorliegende Zustand ist nicht akzeptabel.»

Dieser Meinung ist auch der unfreiwillige «Entdecker» der lecken Grube, Marco Agostini. «Die Deponie liegt etwa 150 Meter von einem Spielort und von diversen Feuerstellen entfernt. Auch eine Waldspielgruppe hält sich regelmässig in diesem Waldstück auf.»

Agostini bezeichnet die Situation als «beunruhigend». Der Pfeffinger hofft, dass die Grube rasch und umfassend saniert wird. «Wenn Material austritt, dann ist das wohl mehr als nur lästig.»