Die von der Privatisierung der beiden gemeindeeigenen Tagesheime Sonnenmatt und Unterwart betroffenen Eltern mobilisierten kräftig für die Gemeindeversammlung und liessen in mehreren Voten kein gutes Haar am neuen Reglement zur familienergänzenden Kinderbetreuung. Dieses sieht die Einführung von Betreuungsgutscheinen und die Auslagerung der beiden Tagesheime vor. Nicht mehr die beiden Tagesheime, sondern alle bedürftigen Eltern von Kindern in allen Muttenzer Tagesheimen sollen finanziell unterstützt werden. Dies hätte für gewisse Eltern tiefere Kosten, für die meisten Eltern, die aktuell ihre Kinder in den gemeindeeigenen Tagesheimen betreuen lassen, aber höhere Kosten zur Folge.

Die Berechnung von Gemeinderätin Kathrin Schweizer (SP), wonach die Kosten für Eltern aus dem Mittelstand pro Kind um bis zu 17 Prozent steigen, stimme nicht. «Es sind bis zu 40 Prozent. Gerade auch, wenn man mehrere Kinder betreuen lässt», stellte Barbara Lorenzetti klar. Ins Gewicht falle der wegfallende Geschwisterrabatt, der bisher überaus grosszügig ausgestaltet war, entgegnete Schweizer. In der Kritik stand vor allem die Auslagerung der beiden Tagesheime. «Die Einführung der Betreuungsgutscheine finde ich grundsätzlich eine gute Sache. Aber ich störe mich an der Privatisierung der Tagesheime», betonte Barbara Lorenzetti. Mit der Privatisierung werden sinkende Löhne für das Tagesheimpersonal befürchtet. «Mitarbeiterinnen werden künden. Die beiden Tagesheime werden nicht mehr so bestehen wie zuvor», glaubt Filiz Pinar. Die Kiana Group, welche die beiden Tagesheime übernehmen soll, wolle nach eigenen Angaben der grösste Anbieter für Kinderbetreuung in der Schweiz werden und habe nur den Profit im Kopf, kritisierte eine weitere Mutter. Sie schlug eine Mischform zwischen Objekt- und Subjektfinanzierung vor, wie es auch SP-Co-Präsident Jonas Eggmann forderte. «Die Betreuungsgutscheine können eingeführt werden. Die Auslagerung und die Subventionen können getrennt betrachtet werden.»

Das Reglement zur Kinderbetreuung hatte am Ende keine Chance und wurde klar mit 160 zu 50 Stimmen an den Gemeinderat zurückgewiesen. Da half auch nicht, dass Gemeinderat Alain Bai (FDP) an die finanzielle Verantwortung der Gemeinde erinnerte.

Ärger wegen Nachtragskredit

Zähneknirschend stimmte die Gemeindeversammlung dem Nachtragskredit über 1,32 Millionen Franken für die zu teuer gewordene Trinkwasseraufbereitungsanlage zu. Der zuständige Gemeinderat Joachim Hausammann (Grüne) erntete sowohl für die Kostenüberschreitung wie auch für die mangelnde Informationspolitik Kritik.

Sowohl die Gemeindekommission, die FDP, die schon im Abstimmungskampf 2010 wegen den hohen Kosten warnte, wie auch einzelne Stimmen aus dem Publikum liessen an Hausammann kein gutes Haar. Eine Wahl, dem Nachtragskredit nicht zuzustimmen, hatte die Gemeindeversammlung nicht wirklich: Die Mehrkosten sind bereits angefallen.