Im stillen Kämmerlein hat Baselland technische Abklärungen von vier möglichen Universitätsstandorten im Landkanton abgeschlossen, welche die Regierungen beider Basel im Juni 2016 in Auftrag gegeben hatten. Resultat: Der Standort Muttenz ist aus dem Rennen. Die Gemeinde hat dem Kanton schriftlich eine Absage erteilt. Die Bau- und Umweltschutzdirektion bestätigt entsprechende Informationen der bz.

Die Stadt Liestal treibt ihre Ambitionen für einen Uni-Campus am Bahnhof mit unverminderter Energie voran, Münchenstein und die Grundeigentümerin Christoph Merian Stiftung (CMS) zeigen ebenfalls grosses Interesse an einer Ansiedlung von Teilen der Uni im Dreispitz. Und in Allschwil steht man der Idee, das wirtschaftlich florierende Bachgraben-Gebiet mit Studenten zu durchmischen, positiver gegenüber als noch vor Jahresfrist.

Die Gemeinde Allschwil hat sich im Gegensatz zu Liestal und Münchenstein nicht als Uni-Standort beworben. Die Ergebnisse sind kürzlich den Regierungen der Trägerkantone Basel-Stadt und Baselland unterbreitet worden. Nun liegt der Ball beim Universitätsrat: Dieser wird gemäss Ratssekretär Joakim Rüegger bis Ende Jahr Stellung zu den Dossiers nehmen und allenfalls einen Antrag für einen Baselbieter Standort stellen. Der finale Entscheid obliegt wiederum den beiden Kantonsregierungen.

Kanton prüfte Feldreben-Areal

Abgesagt hat Muttenz wegen des hohen Flächenbedarfs: Es seien Szenarien geprüft worden, wie die Uni ins bestehende Schulgeviert mit Fachhochschule, Gymnasium und Gewerbeschulen im Gebiet Kriegacker- und Gründenstrasse integriert werden könnte, erläutert Gemeinderat Thomi Jourdan. Dies habe sich als nicht praktikabel erwiesen. Der Kanton hat gleichzeitig in der Nachbarschaft weitere Standorte untersucht – unter anderem das Areal des Bildungszentrums Muttenz inklusive Erweiterung auf das in seinem Eigentum befindliche Feldrebenareal. Muttenz wäre so zum grossen Bildungs-Cluster des Kantons ausgebaut worden.

Dass in Muttenz zusätzliche Flächen für die Schulnutzung frei gegeben werden, ist für den Gemeinderat «keine Option», wie Jourdan klarstellt. Dies aus zwei Gründen: Erstens sei für die Gemeinde wichtig, dass sich das Quartier wirtschaftlich entwickeln könne. Deshalb sollen fürs Gewerbe Flächen freigehalten werden. Zweitens bedinge die Ansiedlung der Uni eine entsprechende Erschliessung. In Muttenz wird es aber bereits zur Herkulesaufgabe, die mit dem Neubau der Fachhochschule einhergehenden zusätzlichen Schülerzahlen zu bewältigen. Ein Uni-Standort wäre nochmals eine andere Schuhnummer.

Zur interessanten Option entwickelt sich hingegen der Allschwiler Bachgraben. Als die Regierungen beider Basel den Startschuss zur Evaluation gaben, sagte Gemeindepräsident Nicole Nüssli noch, die Gemeinde sei nicht Feuer und Flamme für einen Uni-Standort. Mittlerweile sagt sie, dass dies eine «gute Sache werden könnte». Dies auch deshalb, weil sich die Pläne konkretisiert haben. So steht im Fall von Allschwil nicht die Idee im Vordergrund, Hörsäle zu bauen. Diese befinden sich in Velodistanz am Basler Petersplatz.

Mit einem Standort Bachgraben-Gebiet – etwa auf dem Baselink-Areal, das sich grösstenteils im Besitz des Basler Bürgerspitals befindet, würde anderes bezweckt: nämlich die Uni näher an die Wirtschaft zu bringen. Genau das ist das bereits erklärte Ziel von Rektorin Andrea Schenker-Wicki. Demnach will die Uni mit einer Innovations-Initiative junge Leute dazu motivieren, mit ihren Forschungsresultaten und Ideen Unternehmen zu gründen. Schenker-Wicki stellte in einem bz-Interview im Februar vage in Aussicht, dass davon das Baselbiet profitieren könnte.

Liestal droht Bedeutungsverlust

Anders ist die Ausgangslage in Münchenstein und Liestal: Hier ist explizit von einer Ansiedlung der Wirtschaftswissenschaften und/oder der Juristischen Fakultät die Rede; also von einem Campus mit entsprechender Infrastruktur und Hörsälen. Münchensteins Gemeindepräsident Giorgio Lüthi sagt in Übereinkunft mit der CMS, dass man sich eine Erweiterung des Quartierplans Kunstfreilager zur Unterbringung von zwei Fakultäten «sehr gut vorstellen» könne. Im Dreispitz sei alles da, wirbt Lüthi: eine sehr gute und weiter ausbaufähige öV-Anbindung, 800 Veloparkplätze, ein bestehendes Parkhaus, die unmittelbare Nähe zu Erholungsräumen, zum Einkaufen und zu kulturellen Nutzungen.

Für Liestal liege eine «fixfertige Machbarkeitsstudie» und eine «vollständige Offerte» auf dem Tisch, sagt Stadtpräsident Lukas Ott. Für ihn steht in der Frage des Uni-Standorts auch auf dem Prüfstand, wie der Kanton mit seiner Hauptstadt umgeht: Ein regionales Zentrum wie Liestal werde wesentlich durch Angebote im Gesundheits- und Bildungsbereich konstituiert.

Der Status als Bildungshauptort wackelt wegen des beschlossenen Wegzugs der Pädagogischen Hochschule und des drohenden der Gewerbeschule aber. Die Kantonsregierung stehe in der Pflicht, sich für eine attraktive Hauptstadt einzusetzen, fordert Ott und fügt an: «Mit dem neuen Bahnhof wird Liestal immens aufgewertet. Diese Entwicklung gilt es weiterzuführen, indem eine oder zwei Fakultäten nach Liestal an eine bestens erschlossene Lage ziehen.»