Es wäre der erste öffentliche Auftritt von Mit-Eigentümer Tito Tettamanti in der Region Basel seit dem Kauf der Basler Zeitung letzten Februar gewesen. Der Tessiner Financier wollte in der Aula der Uni über ein – angesichts der jüngsten Entwicklungen bei der BaZ – höchst aktuelles Thema reden: «Die Macht der Medien – eingebildet oder real?»

Zum Auftritt gestern Abend kam es nicht: Die Veranstalterin, die Statistisch-Volkswirtschaftliche Gesellschaft Basel, blies den Vortrag in letzter Minute ab. Begründung: «Es ist nicht mit ausreichender Gewissheit gewährleistet, dass dieser in genügend geordneter Weise ablaufen würde.» Reagierte die Gesellschaft damit auf die Ankündigung der Linkspartei Basta, die kurz vor dem Vortrag vor der Uni mit Trillerpfeifen und roten Karten gegen Christoph Blochers Beratungsmandat bei der BaZ protestieren wollte? Und falls die Veranstalter tatsächlich Angst vor Randale hatten: Weshalb stockten sie dann nicht das Sicherheits-Dispositiv auf? Antworten darauf erhielt die Basellandschaftliche Zeitung von der Veranstalterin trotz wiederholter Anfrage nicht.

Erhielt Tettamanti ein Redeverbot?

«Das ist doch eine fadenscheinige Begründung für die Absage», schüttelt Basta-Sekretär Martin Flückiger den Kopf. Die Partei – keine extreme Splittergruppe, sondern eine etablierte Partei mit mehreren Sitzen im Grossen Rat – habe Tettamanti nicht am Reden hindern wollen, sagt Flückiger. «Schliesslich stehen wir selber für Meinungs- und Redefreiheit ein.» Er könne nicht ausschliessen, dass es Ausfälligkeiten gegeben hätte. «Das wäre aber nicht in unserem Sinn gewesen», stellt Flückiger klar. Da es nicht zum Treffen kam, verschickte die Basta später einen offenen Brief, in dem Tettamanti auf seine demokratiepolitische Verantwortung aufmerksam gemacht wird.

Aufschlussreich, was Tettamanti gegenüber dem Online-Portal des «Tages Anzeigers» schrieb: Die Veranstalter hätten beschlossen, auf seinen Vortrag zu verzichten. «Eine neue Erfahrung für mich: Redeverbot.» Dies lässt darauf schliessen, dass der Tessiner reden wollte. Gelegenheit dazu hat er heute beim Treffen mit der BaZ-Redaktion.

Sabotage betraf nicht «nur» die BaZ

Neben der Vortrag-Absage sorgte in der BaZ-Affäre eine nächtliche Störaktion für Schlagzeilen: Zahlreiche Zeitungsverträger konnten ihre Tour nicht starten, weil Unbekannte die Handwagen anketteten. Zudem wurden im grossen Stil bereitgestellte Zeitungen gestohlen. Deshalb wurden in Basel und Muttenz 4000 Exemplare der Montags-BaZ nicht verteilt. Kurioserweise führte der Sabotage-Akt an der BaZ dazu, dass andere Zeitungen wie Blick, Tagesanzeiger, NZZ und die Basellandschaftliche Zeitung teilweise ebenfalls zu spät oder gar nicht ausgeliefert wurden.