Ein paar Tränen werden sie vergiessen, die Männer der Dampfgruppe des Vereins Dampfzug Waldenburgerbahn. Diesen Sonntag nach 17.25 Uhr, wenn die legendäre Dampflok «Gedeon Thommen», Baujahr 1902, letztmals im Waldenburger Bahnhof einfährt. Danach kommt sie mit einem historischen Personenwagen und einem Güterwagen ins Museum, in die neue Remise beim Talhaus in Bubendorf.

Für Toni Huwyler, seit bald 20 Jahren bei der Dampfgruppe und Lokomotivführer, überwiegt jedoch «eine ganz grosse Freude». Sie hätten ein halbes Jahr gearbeitet, um den Dampfzug wieder fahrtüchtig zu machen und die Abschiedsfahrten zu organisieren. Dafür investierte das Team 200 bis 250 Stunden, alles ehrenamtliche Arbeit. «Auch wir Lokführer mussten uns auf Vordermann bringen – unter anderem mit ärztlichen Tests –, damit wir wieder fahren dürfen. Jetzt sind wir parat.» 

100 Plätze wurden verlost

Wird er die Lokomotive küssen, wenn er ihr am Sonntagabend zum letzten Mal entstiegen sein wird? Huwyler lacht laut und meint: «Ich bin nicht sicher. Aber es wird ein gutes Gefühl sein.» Die Komposition mit «Gedeon Thommen» fährt zu ihrem Abgesang diesen Sonntag sechsmal zwischen Bad Bubendorf und Waldenburg – je dreimal in jede Richtung. An sämtlichen Stationen wird kurz gestoppt, an den beiden Endpunkten sowie beim Talhaus ein wenig länger – «gebührlich», wie sich Toni Huwyler ausdrückt. «Beim Talhaus werden wir Gäste aufnehmen und ausladen. Und uns natürlich an Haltestellen und auf der Strecke mit dem Pfeifsignal bemerkbar machen», verspricht er mit leuchtenden Augen.

Als Passagiere dürfen bloss geladene Gäste mitfahren, öffentliche Fahrten gibt es keine. Um die verfügbare Kapazität auszuschöpfen, fand unter der Einwohnerschaft des Waldenburgertals eine Verlosung statt. 100 Glückliche von 1100 Teilnehmenden haben es geschafft. Somit kommen insgesamt gut 200 Personen nochmals in den Dampfgenuss.

Mit diesem Abschied schlägt die Waldenburgerbahn (WB) gleich ein neues Kapitel auf. Ebenfalls morgen Sonntag wird die neu gestaltete WB-Station Talhaus in Bubendorf eingeweiht. Diese Kombination verspricht Volksfeststimmung. Die Haltestelle ist das erste Projekt im Rahmen des Neubaus der Bahn. Beendet werden die ganzen Arbeiten 2022, wenn auf die Ein-Meter-Spur gewechselt wird.

Nach ihrem letzten Einsatz muss die Dampflok abgerüstet, gereinigt und konserviert werden, um sie an ihrem letzten Bestimmungsort ausstellungswürdig präsentieren zu können. Die Zügelaktion mit der historischen Zugkomposition vom Depot in Waldenburg in die Remise beim Talhaus erfolgt mit einem Strassentransport. Das wird spätestens im Januar 2019 der Fall sein. Die restlichen Wagen gehen bald an eine Bahn im rumänischen Siebenbürgen. Diese nostalgische Schmalspurbahn verkehrt zwischen Sibiu und Agnita.

Auch wenn der 2012 gegründete Verein Dampfzug Waldenburgerbahn (VDWB) mit der endgültigen Einstellung des Dampfbetriebs seinen Hauptzweck verliert, wird er mit einem reduzierten Aufgabenbereich dennoch aktiv bleiben. Laut Vizepräsident Toni Huwyler wirkt der VDWB mit, wenn der Dampfzug in die Remise überführt wird und dann bei der Gestaltung des Ausstellungsraums. «Wir haben bereits ein kleines Betriebskonzept mit der Talhaus AG ausgearbeitet.» Führungen sind geplant, die Talhaus AG hat selber gewisse Vorstellungen, wie sie die Remise und den ausgestellten Dampfzug für Anlässe und Events nutzen könnte.

Immer mehr gebremst

Von einer Auflösung des Vereins will Huwyler noch nicht reden. Er verrät aber, «dass wir schon längere Zeit in intensivem Kontakt sind mit dem Industriemuseum Waldenburgertal. Es könnte sein, dass wir uns dereinst zusammenschliessen oder unser Verein ins Industriemuseum übergeht.» Diese Institution ist mit einer Stiftung gut aufgestellt und betreibt ein schönes Museum in Niederdorf.

Tony Huwyler bedauert, dass die Dampfgruppe und später der VDWB von der damaligen WB-Geschäftsleitung immer mehr gebremst worden sind. Umso grösser ist nun seine Genugtuung, dass sie von den Verantwortlichen der Baselland Transport AG (BLT), welche die WB auf Anfang 2016 übernommen hat, stark unterstützt werden.

Der VDWB zählt 90 Mitglieder. Die Dampfgruppe hatte, als noch aktiv gefahren wurde und der Dampfbetrieb sichergestellt werden musste, rund 35 Leute. Sind es vor zwei Jahrzehnten noch sieben Lokführer gewesen, so gibt es heute nur noch einen sowie zwei Heizer. «Das hat damit zu tun, dass wir aktiv daran gehindert worden sind, weitere Leute auszubilden», deutet Huwyler die Schattenseite an.

Der Münchensteiner feiert Ende November seinen 70. Geburtstag. Mit dieser Altersgrenze läuft seine Lizenz als Dampflokomotivführer ohnehin ab. Das ist in der Schweiz Usus. Erleichtert dies den Abschied? Huwyler antwortet lapidar: «Es fällt schön zusammen.»

www.blt.ch