Der Frust ist gross bei der SP. «Es ist absolut unverständlich. Pratteln ist eine grosse Gemeinde. Der Schalter wird rege genutzt», betont Vorstandsmitglied Tobias Schaub. Er glaubt daran, dass ein Protest aus der Bevölkerung die Basellandschaftliche Kantonalbank (BLKB) umstimmen könnte. Eine Beratungsbank wie in Pratteln vorgesehen ist für ihn keine Lösung. «Es ist ein Leistungsabbau, wenn die Kunden alles selber am Automat erledigen müssen.» Vorher einfache Aufgaben wie Geld wechseln würden damit verkompliziert.

Am Samstag wird die SP deshalb damit beginnen, Unterschriften gegen den geplanten Umbau der BLKB zu sammeln. Das schreibt die SP in einer Medienmitteilung. Schaub ist überzeugt, dass die Aktion bei der Bevölkerung auf Zustimmung stossen wird. Und er glaubt daran, dass die Unterschriften bei der BLKB ein Umdenken bewirken können. «In Aesch ist es dank einer Petition gelungen, die Postfiliale zu retten. Dann ist das in Pratteln auch möglich.» Momentan kämpft die SP noch allein um die Unterschriften der Bevölkerung. «Aber wenn eine andere Partei mithelfen will, sind wir offen.»

BLKB: "Kein Leistungsabbau"

Die BLKB hat Kenntnis von dem Vorhaben der SP. Sie ist aber unnachgiebig: «Aus Sicht der BLKB steht in Pratteln kein Leistungsabbau bevor», betont Katja Epple von der Kommunikation. «Es werden die gleichen Dienstleistungen angeboten wie jetzt. Auch die Öffnungszeiten werden nicht verkürzt. Die bis anhin vom Schalter abgedeckten Funktionen werden in anderer Form angeboten». Kunden können beispielsweise noch immer Bargeld beziehen und einzahlen, dafür steht rund um die Uhr ein Automat zu Verfügung. Bei Fragen steht Personal bereit, um die Kunden zu unterstützen und zu beraten. Aussagen der SP seien falsch: «Es stimmt nicht, dass es nur noch Private Banking und Termine auf Voranmeldungen geben wird», so Epple. Zu den üblichen Öffnungszeiten der Bank stehe Personal für Beratungen aller Art zur Verfügung. Die Bank werde deshalb das Gespräch suchen, um Unklarheiten zu beseitigen.

Dass sich die Bank nicht durch eine Petition beeinflussen lässt, hat sie bereits in Füllinsdorf und in Reigoldswil bewiesen. In Reigoldswil wurde der Schalter trotz Unterschriftensammlung ganz geschlossen, mittlerweile fährt zweimal pro Woche eine Mobile Bank ins Dorf. In Füllinsdorf wurde der Schalter in eine Selbstbedienungsbank ohne beratendes Personal vor Ort umgebaut. Damals wies Epple auf das veränderte Kundenverhalten hin: «Die Kundinnen und Kunden bewegen sich mehr und mehr in der Selbstbedienung», sagte Epple im vergangenen Sommer gegenüber der bz.

Gemeinderat sorgt sich um KMU

Der Gemeinderat Pratteln hat sich inzwischen mit dem Umbau der Filiale arrangiert, so CVP-Gemeinderat und Vizegemeindepräsident Emanuel Trueb. Der Gemeinderat sei bei der BLKB vorstellig geworden und habe sich die Pläne erklären lassen. «So, wie wir das verstanden haben, gibt es für Privatkunden in Pratteln tatsächlich keinen Leistungsabbau.» Natürlich bedaure der Gemeinderat, dass Pratteln nicht den gleichen Status erhalten habe wie Liestal oder Muttenz. Denn für KMU entsteht tatsächlich ein Nachteil: Sie können hohe Barbeträge in Pratteln nicht mehr direkt an das Bankpersonal übergeben und müssen in andere Filialen ausweichen. «Das ist schade. Wir glauben daran, dass Pratteln gerade bei KMU noch viel Wachstumspotenzial hat.» Die Petition der SP sieht Trueb insofern positiv, als dass sich Bürger so engagieren können. Aber: «Es gibt hier einen klaren Unterschied zwischen Bürgern und Kunden. Die BLKB muss sich nach ihren Kunden ausrichten.»