Mitglieder eines Abstimmungskomitees nutzen normalerweise jede Gelegenheit, ihre Meinung zu äussern. Nicht so das Komitee der Initiative «Abtreibungsfinanzierung ist Privatsache», über die in einem Monat abgestimmt wird. An die Front werden die drei Politiker Peter Föhn (SVP, SZ), Elvira Bader (CVP, SO) und Valérie Kasteler-Budde (EVP, GE) geschickt. Der Rest des Komitees hält sich im Hintergrund.

Die Zurückhaltung ist eine Lehre aus dem erfolglosen Kampf für die erste Abtreibungsinitiative. Vor der Abstimmung im Jahr 2002 traten Exponenten von christlich-fundamentalistischen Organisationen nach aussen auf. Sie bekämpften die Fristenregelung, wonach eine Abtreibung innerhalb der ersten drei Monate straffrei ist. An der Urne waren sie chancenlos. Im zweiten Anlauf wird nun eine moderatere Forderung gestellt: Die Abtreibungsfinanzierung soll nicht mehr Teil der Grundversicherung sein.

In den Abstimmungskampf werden diesmal mehr oder weniger bekannte Politiker geschickt, die sich um einen gemässigten Auftritt bemühen. Bei der ersten Initiative trat der Arlesheimer Dominik Müggler als Kopf der Abtreibungsgegner auf. Er hält die Fäden immer noch in der Hand. Öffentliche Auftritte meidet er nun aber. Müggler, der sich wegen eines 1983 an der Hochschule St. Gallen erworbenen Lizenziats als Staatswissenschafter vorstellt, betreut Postfach und Telefon des Komitees in Münchenstein.

In Münchenstein liegt auch der Sitz der Stiftung Schweizerische Hilfe für Mutter und Kind (SHMK), im Gewerbegebiet bei der Motorfahrzeugkontrolle. Müggler ist Gründer und Stiftungsratspräsident. Damit verdient er nach eigenen Angaben keinen Lohn. Es ist seine Mission. Die Stiftung betreibt die Babyklappen in Einsiedeln, Olten, Bern und Davos. Frauen können ihre Babys dort anonym abgeben, anstatt sie abzutreiben. Die SHMK bietet Schwangeren zudem kostenlose Beratung und finanzielle Hilfe.

Eine «Zeit»-Journalistin testete die Beratung vor wenigen Monaten, indem sie eine verzweifelte, verwahrloste Frau spielte. Eine Abtreibung wurde ihr ausgeredet. Sie erhielt eine Hunderternote für einen Coiffeurbesuch, damit sie sich wieder besser fühle. Versprochen wurden ihr zudem 600 Franken monatlich für mindestens drei Jahre als Unterstützung für das erwartete Kind.

In einer Stellungnahme bestätigte Müggler, dass seine Stiftung eine «ergebnisoffene» Beratung ablehne, da «Kindstötungen» verhindert werden sollen. Die Stiftung sei aber nicht politisch tätig, betont Müggler. Der politische Teil der Arbeit ist ausgelagert im Verein Mamma. Dieser hat seinen Sitz wie die Stiftung an der Jurastrasse 2 in Münchenstein. Präsident ist ebenfalls Müggler. Auch der Geschäftsführer und ein weiteres Vorstandsmitglied sitzen sowohl der Stiftung wie auch dem Verein vor. Der Verein zahlt gemäss Müggler einen Beitrag an den aktuellen Abstimmungskampf. Wie viel, will er nicht sagen. Der Verein Mamma und sein Netzwerk engagieren sich zudem gegen Sexualaufklärung an der Volksschule. Müggler ist etwa im Initiativkomitee gegen Aufklärungsunterricht an Kindergärten und Primarschule.

Politiker, welche die Anliegen des Vereins unterstützen, werden im Gegenzug von diesem zur Wahl empfohlen. In Basel kam diese Ehre bei den letzten Nationalratswahlen den beiden SVP-Politikern Sebastian Frehner und Patrick Hafner sowie dem Riehener CVP-Gemeinderat Daniel Albietz zu.

Albietz war früher mit Müggler im Stiftungsrat der SHMK und sitzt im aktuellen Initiativkomitee. Im Abstimmungskampf halte er sich nicht nur zurück, weil er inzwischen Exekutivpolitiker sei, sondern auch aus Angst vor Stigmatisierung. «Man muss sich heute fast entschuldigen, wenn man ungeborenes Leben schützen will», sagt Albietz. In besonders schlechter Erinnerung hat er einen «Facts»-Bericht zum Abstimmungskampf gegen die Fristenregelung: «Wir wurden als Extremisten verunglimpft und regelrecht an den Pranger gestellt.»

Doch der neue Kurs ist ebenfalls nicht erfolgversprechend, nicht einmal in christlichen Kreisen. Die abtretende Baselbieter CVP-Präsidentin Sabrina Corvini-Mohn gehört zu den wenigen, die Sympathien gegenüber der Initiative zeigen. Sie sei aber noch unschlüssig, sagt sie. Ihr designierter Nachfolger Marc Scherrer hingegen distanziert sich auf Anfrage vom «konservativen Inhalt» der Initiative, ebenso der Basler CVP-Präsident Lukas Engelberger: «Wir sollten nicht beginnen, moralische Wertungen über die Krankenversicherung durchzusetzen.» Auch Christian Griss, Präsident der Riehener CVP und römisch-katholischer Kirchenratspräsident, sagt auf Anfrage, dass er die Initiative persönlich ablehne.

Von Münchenstein aus werden zwar die nationalen Aktivitäten des Komitees koordiniert. In der Region findet das Anliegen aber kaum Gehör.