Es war kurz nach sieben Uhr abends, als ein Ehepaar im Alter von 70 und 71 Jahren im Januar 2014 in Füllinsdorf nach Hause kam. Sie trauten ihren Augen nicht: Soeben waren zwei Männer dabei, den 700 Kilo schweren Tresor des Hauses durch das Wohnzimmer zu wuchten.

Normalerweise fliehen Einbrecher, wenn sie auf frischer Tat ertappt werden, doch die beiden Männer bedrohten das Ehepaar mit einem Messer und verlangten die Öffnung des Tresors. Mit Gold, Uhren und Schmuck im Wert von über 15'000 Franken flüchteten die Männer schliesslich, nachdem sie das Ehepaar eingeschlossen hatten. Als Fluchtfahrzeug benutzten sie kurzerhand den BMW des Paars.

Die Alarmierung gelang später dennoch, und beim Basler Bachgraben entdeckte eine Polizeipatrouille gar das gestohlene Fahrzeug und nahm die Verfolgung auf. Die Flucht nach Frankreich gelang trotzdem, der verlassene BMW tauchte am nächsten Tag in St. Louis auf.

In den nächsten Wochen gab es sieben weitere Überfälle in Zwingen, Nenzlingen, Olsberg, Flüh, Hofstetten und Giebenach. Das Muster war identisch: Immer wurde in ein bewohntes Haus eingedrungen, die Besitzer zum Öffnen des Tresors gezwungen, Telefone zerstört, Bewohner eingeschlossen und dann meist ein erbeutetes Auto zur Flucht benutzt.

Mehrmals hielten die Männer dabei ihren Opfern eine Pistole an die Schläfe, um ihre Forderungen durchzusetzen. Meist waren es zwei Täter, manchmal aber auch drei oder vier.

Die beiden Verdächtigen wurden in Frankreich verhaftet und an die Schweiz ausgeliefert

Zwei Tage nach dem letzten Raubüberfall im Mai 2014 nahm die französische Polizei zwei Kosovaren fest, wegen Bildung einer kriminellen Gruppierung und Waffenbesitzes sassen sie in Frankreich zwei Jahre im Gefängnis und wurden danach ausgeliefert.

Nun sitzen die beiden Männer im Alter von 26 und 31 Jahren vor dem Strafgericht in Muttenz und müssen sich wegen schweren Raubes in acht Fällen sowie Freiheitsberaubung verantworten. Dazu kommen auch noch 30 «gewöhnliche» Einbrüche in der Region im Zeitraum vom November 2013 bis zum April 2014. Sachschaden und Beute haben die Grenze von einer Million Franken schon längst überschritten.

Die Beweislage gleicht allerdings einem komplizierten Puzzle: An manchen Orten hinterliessen die Männer ihre DNA, dazu passen teilweise die Antennenstandort-Randdaten der sichergestellten Mobiltelefone. Die Opfer konnten die Männer auf Fotos teilweise identifizieren, allerdings nicht immer klar und eindeutig. Auch fand man bei der Verhaftung im Auto der Männer eine in der Schweiz gestohlene Ordonnanzwaffe sowie Sturmmasken und Kabelbinder. Die Angeklagten antworteten auf diese Vorwürfe ausweichend und wiesen die Schuld auf andere Landsmänner, die von der französischen Polizei angeblich laufen gelassen wurden.

Der 26-Jährige hatte einen Einbruch in Breitenbach zugegeben, ansonsten bestritten die beiden Männer aber sämtliche Vorwürfe. In Frankreich gingen sie nie einer Arbeit nach, hatten aber mehrmals hohe Summen in den Kosovo überwiesen. «Ich habe damals Geld im Casino gewonnen», sagte einer der Männer dazu. Staatsanwältin Stephanie Eymann betonte, die Einbruchserie habe bezeichnenderweise nach der Verhaftung sofort aufgehört. Sie forderte für beide Männer eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren. Das Urteil fällt am Donnerstag.