Jetzt im Mai sind wieder viele Jungtiere unterwegs. In gewissen Gemeinden stellen aufmerksame Einwohner Plakate mit der Aufschrift «Achtung junge Füchse» auf. Wie das in der Gemeinde Blauen der Fall ist. Trotzdem gibt es viele Wildtierunfälle mit Autos.
Im vergangenen Jagdjahr von April 2018 bis März 2019 wurden im Baselbiet 584 Wildtiere im Autoverkehr getötet, darunter 181 Füchse, 203 Rehe und 116 Dachse.

Die Fallwildzahlen sind im Vergleich zum Vorjahr konstant hoch geblieben. Erfreulich ist, dass ein leichter Rückgang beim Unfallwild durch den Autoverkehr zu erkennen ist. Dieser Rückgang begründet sich auf etwas geringere Unfallwildzahlen bei Fuchs und Wildschwein. Die rückläufige Zahl der Fuchsunfälle sei nicht genau erklärbar, sagt der Baselbieter Jagdverwalter Holger Stockhaus.

In der vorgängigen Jagdsaison 2017/18 wurden 634 Wildtiere durch den Autoverkehr getötet. In dieser Saison wurden 204 Füchse, 197 Rehe und 116 Dachse getötet. Laut dem Bundesamt für Statistik werden schweizweit jährlich rund 20'000 Wildtier-Unfälle durch den Autoverkehr gemeldet.

Hauptsetz- und Brutzeit

«Viele Tiere sind momentan im ganzen Kanton unterwegs», weiss Stockhaus. Die Hauptsetz- und Brutzeit bei Wildtieren ist vom 1. Mai bis 30. Juni. Insgesamt dauert die Setz- und Brutzeit vom 1. April bis 31. Juli. Während dieser Zeit gilt im ganzen Kanton im Wald und in Waldesnähe eine Leinenpflicht für Hunde. Im Frühjahr ist Aufzuchtzeit der Jungen, und die Wildtiere sind auf der Suche nach neuen Revieren. Beim Autofahren ist höchste Vorsicht geboten. Sollte dann doch ein Unfall passieren, ist es entscheidend, wie man sich in diesem Fall richtig verhält.

Gemäss Gesetz sind bei Unfällen mit jagdbarem Wild wie Hirsch, Reh, Wildschwein, Fuchs, Dachs oder Marder unverzüglich die Polizei zu benachrichtigen. Das Gleiche gilt für geschützte Tierarten wie Luchs, Wolf oder Greifvögel. Bei Haustieren ist der Tierbesitzer zu benachrichtigen, sofern dieser bekannt ist oder beispielsweise durch das Halsband eruiert werden kann. Werde der Unfall der Polizei gemeldet, habe dies keine Konsequenzen, sagt Roland Walter von der Baselbieter Polizei. Falls der Unfall nicht gemeldet werde und der Lenker ermittelt werden muss, mache dieser sich strafbar. Der Person drohe eine Verzeigung wegen pflichtwidrigem Verhalten bei Unfall.

Warten bis Hilfe kommt

Im Falle einer Kollision mit einem Wildtier oder Haustier müsse zwingend angehalten werden. Nachdem die Polizei gerufen wurde, müsse der Autolenker vor Ort bleiben und warten, bis die Polizei oder der zuständige Jagdaufseher eintreffe. «Einerseits aus Tierschutzgründen, aber auch wegen des Unfallprotokolls, falls ein Schaden am Fahrzeug durch die Kollision entstanden ist», erklärt Holger Stockhaus. Zudem muss die Unfallstelle mit Warnblinkern und Pannendreieck gesichert werden, um die eigene Sicherheit und jene der anderen Verkehrsteilnehmer nicht zu gefährden.

Ist das Wildtier bei der Kollision getötet worden, sollte es an den Hinterläufen an den Strassenrand gezogen werden. Lebt das Tier noch und ist schwer verletzt, sollte Abstand gehalten werden. Das Tier könnte zubeissen. Ist das verletzte Tier nach der Kollision geflohen, muss der Vorfall ebenso der Polizei gemeldet werden. Auch in diesem Fall muss der Lenker an Ort und Stelle bleiben, um beim Eintreffen der Polizei oder des Jagdaufsehers den Fluchtweg des Tieres zu beschreiben.

So kann das Tier mithilfe eines Spürhundes aufgesucht werden, um es allenfalls zu versorgen. Meist gilt es, das Tier von seinem Leiden zu erlösen. Bei kleineren Tieren wie Igel, Krähen und anderen Vögeln oder Amphibien und Reptilien ist nicht genau geregelt, wie vorzugehen ist.

Verantwortungsvolle Fahrerinnen und Fahrer schauen, wenn irgend möglich auch bei diesen Tieren nach, ob das Tier noch lebt und gegebenenfalls die Polizei benachrichtigt werden muss, um ein schwer verletztes Tier fachmännisch zu erlösen. «Im Zweifelsfalle den gesunden Menschenverstand walten lassen und die Polizei anrufen. Lieber einmal mehr als gar nicht», legt Roland Walter den Autofahrern ans Herz.