Es riecht wieder nach Schokolade, Marzipan und Zuckerguss in der Aula der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Muttenz. Am Mittwoch massen sich Bäcker-Konditor-Confiseur-Auszubildende der Region mit ihren Tortendekors, Broten und Schaustücken.

Bis Freitagabend kann an der Ausstellung «Artificia» in der FHNW-Aula die essbare Kunst bestaunt werden. Leider darf man nicht naschen.

Der Wettbewerb wird von der Gewerblich-Industriellen Berufsfachschule Muttenz (GIBM) und dem Berufsverband Bäcker-Confiseure Regio Basel organisiert.

Stefan Kern (42) leitet heuer die «Artificia» zum ersten Mal. Kern ist Vorstandsmitglied im Verband Bäcker-Confiseure Regio Basel, selbstständiger Konditor Confiseur und Fachlehrer an der GIBM.

Obwohl er als Juror schon seit zirka zehn Jahren dabei sei, erstaune ihn immer wieder die Kreativität und Detailtreue, mit der die Lehrlinge ihre Arbeiten herstellen.

Insgesamt wurden 130 Arbeiten beurteilt. Erstmals mussten die Auszubildenden im 3. Lehrjahr ein Tortendekor zum Thema Hochzeit gestalten. Eine anspruchsvolle Aufgabe, findet Kern.

Doch: Die Lernenden freuten sich darauf. Endlich könnten sie einmal in die Höhe und dreidimensional arbeiten, meinten sie. Es wurden 30 Hochzeitstorten erstellt. «Man kommt sich ein bisschen vor wie an einer Hochzeitsmesse», schmunzelt Kern. Das Thema erfahren die Wettbewerbsteilnehmer drei Wochen vor der Präsentation.

Keine Gesellenstücke mehr

Ein Highlight sind die Schaustücke. Das sind die freien Arbeiten der Bäcker und Confiseure im 3. Lehrjahr. Das Thema ist wählbar und die Stücke werden in der Freizeit hergestellt. Bis vor Kurzem wurden sie als Gesellenstück für die Lehrabschlussprüfung hergestellt und erhielten eine Bewertung. Heute ist dies freiwillig und soll den Berufsstolz fördern und der Technikeinübung dienen. Das Werk darf nicht grösser als ein Würfel von einem Meter sein.

Oberstes Gebot dabei: Alles muss essbar sein. Hilfsmittel wie Holzgerüst oder Drahtgeflecht sind verboten.

Schaustücke: Drei Gold-Diplome

Dieses Jahr gewannen gleich drei Lernende ein Gold-Diplom. «Die Entscheidung war äusserst knapp», erzählt Kern. Speziell angetan hat es ihm das Basler Spalentor von Dominique Buchmann (19), Lehrling bei der Confiserie Brändli. Er ist einer der Gold-Diplom-Sieger. «Ich hatte es nicht erwartet, nachdem ich die anderen Arbeiten sah», so Buchmann.

Das Spalentor wählte er, da er etwas wollte, das mit der Stadt verbindet. Herausfordernd seien die Türme und besonders das Dach gewesen. «Letzte Woche arbeitete ich etwa 20 Stunden nur am Dach.» Das Werk besteht aus etwa 20 Kilo Schoggi und benötigte rund 200 Arbeitsstunden.

Zwar reichte es bei Buchmanns Maturaarbeit nicht für einen Preis. Doch er wählte ein Schaustück, «da ich etwas brauchte, das mich zusätzlich motiviert.» Dies hat er mit seinem ersten Rang erreicht.

Öffentliche Ausstellung Freitag von 9:30 bis 16:30 Uhr, Aula FHNW, Gründenstrasse 40, Muttenz.