Es ist wohl der bekannteste Slogan in der Region, ohne dass er aus der Feder einer Werbefirma stammt. Selbst Neuzuzüger von weit her kennen ihn. Die Rede ist von «vo Aesch-bigott». «Für uns ist dies ein Merkmal, das uns von den anderen vier Aesch, die es noch in der Schweiz gibt, unterscheidet», sagt Gemeindepräsidentin Marianne Hollinger. Eine Umfrage zeigte vor fünf Jahren, dass die Bevölkerung den alten Merkspruch noch lange nicht für altmodisch hält. «Er fand noch immer eine hohe Zustimmung.»

Laut Hollinger geht der Ursprung wahrscheinlich auf den Weinbau in Aesch zurück. Wenn der Wein wie Essig schmeckte, hiess es in früheren Zeiten, «Oh jehregott - vo Aesch.» Gab es hin und wieder mal einen guten Jahrgang, so sagte man: «Dä isch vo Aesch-bigott.» «Bigott» ist dabei als Zeichen des Erstaunens zu interpretieren.

Tradtion bei Slogan

Auf eine so lange Tradition bei ihrem Slogan kann keine Gemeinde zurückblicken. Die meisten haben erst in den letzten Jahren einen Claim entwickelt, wie die Merksprüche in der Werbebranche auch noch genannt werden, um im Standortmarketing die Nase vor der Nachbargemeinde zu haben. Ganz professionell gingen etwa Breitenbach oder Laufen vor. Der Thiersteiner Bezirkshauptort beauftragte eine Werbeagentur mit der Logo- und Sloganentwicklung. Laufen nahm die Hilfe von der Fachhochschule Nordwestschweiz in Anspruch, um ihre Slogans auszuarbeiten. In Münchenstein lancierte die Gemeinde eine Umfrage in der Bevölkerung, die schliesslich zu ihrem Claim führte.

Etwas einfacher gestaltete sich die Suche bei Grindel und Büsserach. Im ersten Fall sei der Slogan aus einem «Gefühl» heraus entstanden, wie Gemeindepräsident Karl Borer berichtet. «Jeder im Gemeinderat machte ein paar Vorschläge, und wir wählten den besten aus.» Büsserachs «Mein Dorf im Lüsseltal» geht auf eine Idee des früheren Gemeindepräsidenten zurück, erklärt Finanzverwalter Roger Strohmeier.

Doch aufschlussreich ist nicht nur die Entstehung der verschiedenen Slogans, sondern auch deren Verbreitung. Die wenigsten Gemeinden im Baselbiet und im Solothurner Schwarzbubenland schmücken sich nämlich zusätzlich zum Wappen mit einem Werbespruch und eventuell einem Logo. Im Baselbiet haben 16 von insgesamt 86 Gemeinden auf ihrer Homepage einen erkennbaren Slogan platziert, in den Solothurner Bezirken Dorneck und Thierstein sind es 7 von 23 Gemeinden. Das macht im Baselbiet knapp 19 Prozent, im Solothurnischen ist es mit 30 Prozent fast ein Drittel aller Gemeinden.

Bezug auf Stadt Basel

Bei den Slogans fällt vor allem eines auf: Viele nehmen Bezug auf die Stadt Basel und streichen gleichzeitig die ländliche Umgebung mit der Natur als Erholungsraum heraus. «Stadtnah und ländlich - das ist Bottmingen», Frenkendorfs «Stadtnah, naturnah, lebenswert», «Seewen im Dorneckberg, stadt- und naturnah» oder «Zwingen - Näher an der Stadt, als Sie denken!». Auch die Gemeinde Reinach, die sich bis vor kurzem noch «mit Pfiff» charakterisierte, will sich mit «die Stadt vor der Stadt» gegen Basel stärker abgrenzen.

Andere, besonders kleinere Gemeinden kokettieren mit ihrer Grösse. Blauen will «ein kleines Paradies im Laufental» sein, Itingen ist «nicht zu klein, um gross zu sein» und Wintersingen ist «klein, aber fein!». Nur mit der landschaftlichen Schönheit preisen sich etwa Grindel an mit «das wunderschöne Dorf im Schwarzbubenland» oder Zullwil mit «sympathisch ländlich». Daneben gibt es auch einfallslose Slogans wie der von Arlesheim - «Wo Menschen sich begegnen» - oder von Münchenstein, das sich als «e guets Pflaschter» sieht. Letzteres hat sogar noch den Nachteil, dass der Spruch für Besucher, die des Schweizerdeutschen nicht mächtig sind, gar nicht verständlich ist. Gemeindepräsident Walter Banga dazu: «Ich habe zwei Visitenkarten: Einmal für Schweizer mit Slogan, einmal für ausländische Verhandlungspartner ohne Slogan.»

Für Simon Haener, Geschäftsführer vom Laufner Werbeagenturbüro Amipeon, ergeben Slogans nur Sinn, wenn sie eine gewisse Aussagekraft und Verbundenheit ausdrücken. «Wenn ein Slogan nicht richtig sitzt, sollte man ihn lieber weglassen», empfiehlt der Werber (siehe Interview unten). Auch von mehreren Slogans, wie Laufen sie hat, rät er ab. Das Städtchen macht mit «d Stadt zum Läbe», «d Stadt mit Läbe», «am Puls vo dr Zit» und «macht sich fit für d'Zuekunft» gleich mit vier Werbesprüchen auf sich aufmerksam. Das lässt die Schlussfolgerung zu: Vielleicht sind die Gemeinden, die sich auf der Website nur mit einem Grusswort à la «Herzlich Willkommen» begnügen, sogar gescheiter.