Jahr für Jahr kommen mehr Prostituierte nach Basel. Die Zahl der Kunden bleibt aber gleich. Es herrscht ein Überangebot, die Preise zerfallen. Für die Aidshilfe beider Basel eine problematische Entwicklung. «Freier nutzen das aus», sagt Nicole Wehrle von der Aidshilfe, «sie können Sex ohne Kondom oder andere Sexpraktiken verlangen.» Die Frauen – die oft schlecht über Risiken oder Krankheiten aufgeklärt sind – machen mit. Sie müssen. «Ob sich eine Prostituierte darauf einlässt, ist letztlich eine Frage des Preises», kommentiert Wehrle nüchtern.

„Ein klares Nein"

Vor dem Weltaidstag am Sonntag nimmt die Aidshilfe an einer Pressekonferenz ein aktuell heiss diskutiertes Thema auf: Soll käuflicher Sex verboten werden? Trotz allen Risiken für die Gesundheit ist die Organisation klar der Meinung: Nein. «Ich war noch selten so überzeugt, dass etwas falsch ist, wie beim Prostitutionsverbot», meint Dani Stolz, Geschäftsführer der Aidshilfe und FDP-Nationalrat. Selbst wenn man nur die Freier bestrafen würde und nicht die Prostituierten – wie dies in Frankreich diskutiert wird und in Schweden bereits der Fall ist – falle dies letztlich auf die Prostituierten zurück.

Vielmehr plädiert die Aidshilfe beider Basel dafür, die Stellung der Sexarbeiterinnen zu stärken. Heute ist Prostitution zwar legal, gilt aber als sittenwidrig. Wenn also ein Freier eine Sexarbeiterin nicht bezahlt, kann diese den Lohn nicht einklagen. «Es ist Zeit, diese Doppelmoral zu beenden», fordert Stolz – im Wissen, dass er als Politiker selbst gefordert ist. Er habe einen entsprechenden Vorstoss an den Bundesrat unterschrieben, sagt der Nationalrat.

122 Prostituierte liessen sich testen

Bedenken hat die Aidshilfe vor allem auch wegen der eigenen Tätigkeit: Es werden grosse Anstrengungen unternommen, Prostituierte zu einem Aidstest zu bewegen. Solche werden von der Aidshilfe angeboten. Laut Katharina Lange, welche das HIV- und Beratungsangebot leitet, hätten sich dieses Jahr immerhin 122 Sexarbeiterinnen testen lassen.