Im Rahmen der Climate Games möchten Aktivisten auf Umweltprobleme und soziale Ungerechtigkeit aufmerksam machen. Unter dem Slogan «System change, not climate change» finden am Freitag und Samstag Aktionen in der Region statt, mit denen auf Missstände aufmerksam gemacht werden soll.

Die grösste Aktion findet am Ölhafen statt. Die Aktivisten prangern an, dass über 30 Prozent des Ölbedarfs der Schweiz via Basler Hafen ins Land gelangt. Da sie unter anderem den Ausstieg aus fossilen Energien fordern, steht der Ölhafen besonders im Fokus.

Zentrale Zufahrt blockiert

Seit Freitagmorgen um fünf Uhr blockieren rund 30 Aktivisten der Climate Games den Haupteingang des Muttenzer Auhafens. Laut eigenen Aussagen wurden allein in den frühen Morgenstunden 40 Lastwagen an der Durchfahrt gehindert. Bisher sei die Lage entspannt. «Die Polizei hat uns noch nicht gesagt, dass wir gehen sollen», sagt jemand lachend.

Dies bestätigt auch der Sprecher der Baselbieter Polizei, Adrian Gaugler. Aktuell nehme die Polizei eine beobachtende Rolle ein. Solange niemand eine Strafanzeige gegen die Blockierenden einreiche, bleibe das auch so, da es sich um ein Privatgrundstück handle. Man sei aber in laufendem Austausch mit den Hafenbehörden. Bisher seien lediglich Einzelpersonen kontrolliert worden. 

Die Sitzblockade beim Auhafen besteht nicht nur aus Menschen, sondern auch aus E-Bikes, die untereinander und mit den Aktivisten verkettet sind. Diese haben die Aktivisten günstig dem Velo-Verleih O-Bike in Zürich abkaufen können, da sich dieser aus der Limmatstadt zurückzieht. Die Velos wären ansonsten verschrottet worden, erklärt eine Aktivistin.

Ausgelassene Stimmung

Auch im Birsfelder Hafen wird blockiert: Seit kurz nach sechs Uhr morgens sind die Aktivisten hier. Sie haben ihr Lager auf der zentralen Kreuzung des Hafens aufgeschlagen. Die Stimmung ist ausgelassen, es werden Parolen skandiert, Gesichter bemalt, Karten gespielt, vorgelesen, jongliert, diskutiert, getanzt und gesungen.

Protest im Ölhafen

Protest im Ölhafen

Hier erfahren die Aktivisten auch externe Unterstützung: Die nahegelegene Kaffeerösterei Bertschi-Cafe stellt ihnen ihr WC zur Verfügung. Im Verlauf des Tages sollen allerdings noch Toi-Toi-WCs zur Blockade gebracht werden. Hans-Jürg Reber, Inhaber der Rösterei, sympathisiert mit den Aktivisten «Solange alles friedlich bleibt, haben wir damit kein Problem. Ich finde die Aktion unterstützenswert.» Deswegen gibt es für die Aktivisten im Hafen auch Gratis-Kaffee.

Betroffene Unternehmen reagieren gelassen

Die anderen Unternehmen vor Ort reagieren auf die Aktion weitestgehend gelassen. Dank der Vorbereitungszeit kann mit der Blockade umgegangen werden. 

Florence Lebeau, Mediensprecherin des Mineralölunternehmens Varo, bestätigt, dass im Vorfeld entsprechend umdisponiert werden konnte. Ansonsten gibt sie sich gelassen «Die Meinungsäusserungsfreiheit soll gewährleistet werden. Aus Gründen der Sicherheit ist es jedoch wichtig, dass die Aktivisten unseren Grund nicht betreten.» 

Öltransport komplett lahmgelegt

Gemäss Aussagen der Aktivisten konnte seit Freitagmorgen kein Öl-Laster mehr den Hafen verlassen. Die Schweizerischen Rheinhäfen wollten dies weder bestätigen noch dementieren. 

Die Aktivisten wollen die Blockade bis Samstagabend 18 Uhr aufrechterhalten.

«Wir wollen eine schöne Zukunft auf einem gesunden Planeten. Auf einem toten Planeten helfen uns auch soziale Fortschritte nichts mehr. Ich setze mich auch für meine zukünftigen Kinder ein. Sie sollen kein Überlebenstraining absolvieren müssen. Es ist unsere Verantwortung und wir müssen sie wahrnehmen. Wichtig ist auch, dass die Schweizer Konzerne endlich handeln. Wir sind die letzte Generation, die die Klimakrise lösen kann!» erklärt eine Aktivistin ihre Motivation.

Eine eigene Versorgungstruppe pendelt zwischen den beiden Blockaden hin und her. Sie versorgt die Aktivisten mit Essen und Musik. Auch eine eigene Sanitätsgruppe stünde bei Bedarf bereit.