Im prunkvollen Roggenbachsaal im Stadthaus hält der Laufner Stadtrat einmal wöchentlich seine Sitzungen ab. Hinter Alex Imhof an der Wand hängt dabei jeweils ein Gemälde, das Joseph Sigismund von Roggenbach zeigt.

So einflussreich wie der vorletzte Bischof des Fürstbistums Basel ist der CVP-Politiker zwar nicht. Mit dem Städtchen Laufen und dessen gut 5500 Einwohnerinnen und Einwohnern regiert er aber immerhin das Zentrum eines ganzen Bezirks.

Alex Imhof, seit 2012 sind Sie Stadtpräsident von Laufen. Sie sind hier aufgewachsen und kennen den Ort sehr gut. Wo halten Sie sich persönlich am liebsten auf?

Alex Imhof: Ich bin sehr gerne an der Birs und in der Altstadt. Dort mag ich vor allem die kleinen Gässchen. Orte in der Natur, an denen ich mich gerne aufhalte, sind die Reben und der Stürmechopf. Sie beide sind in kurzer Zeit zu erreichen. Das ist einer der grossen Vorzüge von Laufen: In wenigen Minuten ist man im Grünen. Sich im Städtchen selber zu erholen ist aufgrund des Durchgangsverkehrs jedoch nicht so einfach.

Sie sprechen eine Problematik an, mit der Laufen schon lange zu kämpfen hat. Wie wollen Sie dem Durchgangsverkehr Herr werden?
Wir verfolgen mehrere Lösungsansätze. Ich denke hierbei an die Zentrumsentlastung, die Kernumfahrung sowie die Aufwertung der Strassenräume. Wir haben Tempo-30-Zonen in einigen Quartieren eingeführt, welche bereits zu einer spürbaren Entlastung geführt haben. Wir haben deshalb vor, diese Massnahme auch auf andere Quartiere auszudehnen.

Wo wünschen Sie sich, abgesehen vom Verkehr, Verbesserungen für Laufen?

Obwohl Laufen grundsätzlich viele Einkaufsmöglichkeiten hat, wünsche ich mir eine Verbreiterung des Angebots. Man muss in Zeiten der Digitalisierung und der Eurokrise aber auch froh sein, wenn man den Status quo halten kann. Mir ist es ein Anliegen, dass Laufen als Dienstleistungszentrum attraktiv bleibt. Es wäre vermessen, einen grossen Ausbau zu verlangen.

Sie sprechen von einer Verbreiterung des Verkaufs-Angebots. Was fehlt denn in Laufen?
Was fehlt, um grösser zu werden, sind bekannte Kleiderketten und Modelabels.

Ist Laufen für solche Unternehmen nicht viel zu klein?

Sie haben mich gefragt, was ich mir wünsche. Laufen ist das Zentrum einer Region mit rund 30 000 Einwohnern. Es ist jedoch oftmals nicht so einfach, den Leuten diese Bedeutung vor Augen zu führen.

Die Konkurrenz von Basel und Delémont ist gross. Trotzdem glaube ich, dass es möglich wäre. Ich denke, dass davon auch die einheimischen Geschäfte profitieren könnten.

Ein Projekt, mit dem Sie Laufen vorwärts bringen möchten, ist die Arealentwicklung Nau. Diese wurde Ende September an der Urne ziemlich deutlich abgelehnt. Glauben Sie, die Laufnerinnen und Laufner wollen gar keine Weiterentwicklung?

Nein, das denke ich nicht. Grosse Würfe haben es nicht leicht. Das ist ein globales Phänomen. Es ist heute überall schwer, Neues umzusetzen. Man darf aber nicht vergessen, dass wir in den letzten Jahren zahlreiche Projekte verwirklichen konnten. Das neue Seniorenzentrum Rosengarten, das Primarschulhaus Serafin und der Bushof sind einige davon. Diesen Einrichtungen hat das Volk zugestimmt.

Bei diesen Projekten ist auf den ersten Blick ersichtlich, dass die Allgemeinheit etwas davon hat. Die Arealentwicklung Nau wurde hingegen als Prestigeprojekt des Stadtrats kritisiert, mit dem vor allem reiche Steuerzahler angelockt werden sollen.

Es scheint, dass es uns nicht gut genug gelungen ist, die Vorteile des Projektes für die Öffentlichkeit hervorzuheben. Zudem waren viele überzeugt, dass das Projekt auch umgesetzt werden kann ohne die Naubrücke zu verlegen. Das Nein der Bevölkerung heisst nicht, dass wir die Entwicklung stoppen.

Einerseits soll die dort geplante Birsausweitung mit Promenade dereinst ein Naherholungsgebiet für alle sein. Andererseits verlangen unsere Finanzen eine bauliche Entwicklung in diesem Gebiet.

An einer Verbesserung des Steuersubstrats führt kein Weg vorbei. Die Einkommensbasis ist aufgrund der industriellen Prägung des Laufentals tiefer als in der Agglomeration. Der Bezirk Laufen hat heute jedoch das grösste Wirtschaftswachstum und das zweithöchste Bevölkerungswachstum im Kanton Baselland.

Wie geht es mit der Arealentwicklung Nau weiter?

Wir stecken momentan in den Abklärungen. Es gibt verschiedene denkbare Varianten des Projektes. Diese sollen sorgfältig gegeneinander abgewogen werden.

Welche Lehren ziehen Sie aus dem negativen Entscheid der Bevölkerung?
Die Vorlage war zugegebenermassen sehr komplex und für viele schwer nachvollziehbar. Die Fragestellung muss künftig leichter verständlich sein. Es ist denkbar, der Bevölkerung das Projekt in Tranchen vorzulegen.

Aus dem Laufental hört man häufig, dass der Kanton seinen jüngsten Bezirk stiefmütterlich behandle. Sind Sie auch dieser Ansicht?

Das kann man so nicht sagen. Es wird immer wieder geschimpft. In solchen Situationen erinnere ich daran, dass man sich im Kanton vernetzen muss. Das Laufental muss selber etwas dazu beitragen, dass es mehr als 20 Jahre nach dem Kantonswechsel wirklich verstanden und wahrgenommen wird.

Die staatspolitischen Dimensionen seiner Entscheide hat der Kanton jedoch hin und wieder nicht ganz im Griff. Es hilft nicht, wenn man im ohnehin schon kritisch eingestellten Laufental das Bezirksgericht schliesst und droht, das Spital Laufen zu schliessen. Dieses hat für das gesamte Laufental und Schwarzbubenland eine riesige Bedeutung.

Ein Gebäude, in dem bald neues Leben einkehren wird, ist das Amtshaus in der Laufner Altstadt. Welche Nutzung stellen Sie sich vor?

Das ist Sache der Burgergemeinde Laufen-Stadt, welche die Liegenschaft erworben hat und sie vermieten wird. Die Diskussionen über öffentliche Einrichtungen, die dort untergebracht sollten, sind deshalb vorübergehend vorbei. Ich muss ehrlich sagen: Für mich ist das Wichtigste, dass das Gebäude nicht mehr leer steht.