«Ich war nicht jedes Wochenende so drauf», meinte der 31-jährige Beschuldigte am Donnerstag im Strafgericht etwas trotzig. In jener Nacht im Februar 2015 allerdings war sein Zustand nicht sonderlich gut: Die Kombination von Antidepressiva und Alkohol wirkten, ein Test ergab einen Blutalkoholgehalt von 1,3 Promille.

Wenige Minuten nach Mitternacht hinderte er beim Bahnhof in Pratteln die S3 nach Olten an der Abfahrt, indem er seinen Fuss in die Türe stellte.

Offenbar wollte er ein paar Kumpeln die Mitfahrt ermöglichen, die auf dem falschen Perron gewartet hatten. Der Lokführer spielte mehrmals freundliche Ansagen ab, schliesslich kam er aus dem Führerstand heraus und stellte den Mann zur Rede. 

Das kam nicht gut: Der heute 31-jährige Mann erwiderte zuerst ein «Halt d'Schnure, Du Arschloch» und donnerte dem Lokführer dann die Faust in dessen Wange, gefolgt von einem Fusstritt gegen den Oberschenkel. 

Es war nicht der erste derartige Ausraster: Erst im Oktober 2014 hatte der Mann in Basel einen Strafbefehl wegen Gewalt gegen Beamte kassiert, weil er in aggressivem Zustand auf der Strasse von der Polizei aufgegriffen worden war und sich gegen die Festnahme wehrte. Danach wurde er in die Universitäre Psychiatrische Klinik gebracht, offenbar leidet er an Panikattacken. «Ich weiss, die Kombination von Alkohol und Medikamenten ist nicht gut. Aber ich hatte damals eine schwere Zeit», betonte der Mann.

Angriff war Tätlichkeit, Vorstrafe wird nun fällig.

Was Februar 2015 in der S-Bahn genau passiert ist, wusste er gestern im Gerichtssaal nicht mehr. «Ich habe die Türe blockiert, danach ist jemand gekommen. Aber ich glaube nicht, dass das so passiert ist, wie es der Lokführer ausgesagt hat. Zwei meiner Kollegen hatten ja eine gebrochene Nase», meinte er.

Einzelrichterin Monika Roth kam jedoch zu einem anderen Schluss: Zeugen hätten klar ausgesagt, dass er auf den Lokführer losgegangen sei. Auch habe die Polizei hinterher alle Personen im Umfeld des Angriffs fotografiert, nirgends seien gebrochene Nasen zu sehen gewesen.

Verteidiger Markus Trottmann hatte vergeblich argumentiert, sein Mandant sei damals vermindert schuldfähig gewesen.

Eigentlich sind die Triebzüge der S-Bahn videoüberwacht, doch wegen eines technischen Defekts waren die Aufnahmen jener Nacht nicht verfügbar. Zeugen bestätigen aber, dass sich der 31-Jährige nach dem Angriff durch einen Sturz am Mülleimer selbst im Gesicht verletzt hatte.

Monika Roth wertete den Angriff als Tätlichkeit, zumal der Lokführer nur vorübergehend beeinträchtigt gewesen sei. Sie verhängte eine bedingte Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu 130 Franken, allerdings mit einer langen Probezeit von vier Jahren. Die Verfahrenskosten betragen

2000 Franken, dazu kam eine Busse von 1500 Franken wegen der Beschimpfung und des Verstosses gegen das Personenbeförderungsgesetz.

Die damals bedingt verhängte Vorstrafe aus Basel wird wegen des Rückfalls nun aber fällig: 48 Stunden gemeinnützige Arbeit sowie 2400 Franken unbedingte Geldstrafe. Das Urteil kann der Mann noch weiterziehen.