Die Gewitterwolken über Binningen sind noch nicht verflogen. Nach dem Schlossdebakel zieht schon der nächste Sturm auf. Zwei der vier Gemeindepolizisten haben auf Ende Januar gekündigt. Und auch die restlichen zwei Polizisten sind angeblich bereits auf dem Absprung.

«Leute werden eingeschüchtert»

SVP Fraktionspräsident Urs-Peter Moos hat diesbezüglich eine dringliche Interpellation an der letzten Sitzung des Einwohnerrates eingereicht. Die Dringlichkeit wurde jedoch abgewiesen. Eine Antwort ist der Gemeinderat frühestens am 19. März schuldig.

Moos sieht die Kündigungen der Polizisten im Zusammenhang mit der gesamten Personalsituation in der Verwaltung. Gemeindeverwalter Olivier Kungler sei fürs Personal verantwortlich. Dieser habe aber zur Mehrheit des Personals keinen guten Draht und es gäbe einen Clan von Chefbeamten, die sich gegenseitig schützen. Das Resultat laut Moos: «Berechtigte Anliegen werden ignoriert, die Probleme kleingeredet, Leute eingeschüchtert und schikaniert.»

Darum hätten auch die beiden Gemeindepolizisten gekündigt. Diese gehen nach Therwil – bleiben also auf ihrem Job. «Das zeigt, dass sie ihren Beruf mögen. Die beiden verbleibenden Gemeindepolizisten sind aber ebenfalls auf dem Absprung», weiss Moos. Kündigungen kommen nicht einfach aus dem nichts. Für Moos ist klar: «In Binningen stinkt der Fisch vom Kopf her. Ich meine damit Gemeindeverwalter Kungler.»

Gemeindepräsident Charles Simon bestätigt die Kündigungen, will sich dazu aber nicht weiter äussern. Er verweist darauf, dass Moos’ Interpellation voraussichtlich an der nächsten Sitzung des Einwohnerrates behandelt wird.

«Dass Simon nicht Stellung nimmt, ist bezeichnend», sagt Moos. Simon wolle Kungler schützen, der die Kündigungen der Polizisten mit seinem Führungsstil zu verantworten habe. Die Kritik des SVPlers an Kungler ist massiv: «Die Sozialkompetenz von Kungler erweist sich als ungenügend, er ist ein Zahlenmensch.» Auf sachliche Argumente gehe er zu wenig ein.

Kungler weist Vorwürfe zurück

«Die Interpellation enthält reine Unterstellungen, die nicht den Tatsachen entsprechen», betont Gemeindeverwalter Olivier Kungler, und er fügt an: «Die Vorwürfe von Herrn Moos an meiner Person und meinem Führungsstil weise ich in aller Entschiedenheit zurück.»

CVP Co-Präsidentin Katrin Bartels bedauert den Know-how-Verlust, der mit dem Abgang der Polizisten anfällt, eine Sicherheitslücke befürchtet sie jedoch nicht. Die Stimmung bei der Polizei sei aber schon seit Jahren schlecht.

Für die SVP liegt eine personell reduzierte Gemeindepolizei nicht drin. «Bei der Binninger Ortspolizei herrscht akuter Handlungsbedarf», betont Moos.