Mit einer halben Million Franken will der Kanton Aargau sein Staatssäckel füllen, indem er 130 vier- und fünfstellige Autonummern von seinen Staatskarossen abmontieren lässt und diese im Internet an den meistbietenden Privathalter versteigert. Das hat die Aargauer Kantonsregierung gestern bekannt gegeben.

Pascal Donati, den Leiter der Baselbieter Motorfahrzeugkontrolle, kostet diese Meldung ein müdes Lächeln. Was die Versteigerung von attraktiven Kontrollschildern angeht, so scheint in Baselland die Spanne der Möglichkeiten langsam ausgereizt zu sein. Bereits vor über einem Jahr änderte die Regierung die Verordnung über die Zuteilung von Kontrollschildern und gab alle verfügbaren Schilder bis BL 20 000 zur Versteigerung frei.

Kontrollschilder mit höheren Zahlenkombinationen locken ohnehin kaum einen Autofreak hinter dem Ofen hervor. Jedoch können seit Mai 2013 auch Privatleute ihre nicht mehr benötigten Kontrollschilder auf der Online-Auktionsplattform der MFK versteigern und den Erlös selber einstreichen.

Ein Angebot, das gemäss Auskunft gut genutzt wird, und ohne das die Kontrollschilder mit den begehrten tiefen Nummern nicht in den Kreislauf zurückkehren würden, da zuvor deren Besitzer diese mit allerlei Tricks und Gags in der eigenen Familie hielten - selbst wenn sie kein eigenes Fahrzeug mehr besassen. Der Kanton streicht an jeder derartigen Kontrollschild-Übertragung immerhin 200 Franken an Gebühren ein, wobei die eigentliche Auktion für den Anbieter kostenlos ist.

Alle lukrativen Nummern sind weg

Ebenso wenig wird MFK-Leiter Donati mit dem Schraubenzieher auf Baselbieter Staatskarossen losgehen, um sie von lukrativen tiefen Nummern zu befreien. Im Gegensatz zum Kanton Aargau befinden sich solche grösstenteils gar nicht mehr in Kantonsbesitz. Auf mögliche Beispiele angesprochen fällt Donati auf Anhieb nur gerade ein Sanitätsauto des Kantonsspitals Baselland ein, das noch mit einer 300er-Nummer herumfährt. Doch für einen Nummernentzug bestehe keine rechtliche Grundlage, selbst wenn das Schild dem Kanton gehört. Zudem würde sich für die wenigen Einzelfälle schlicht der Aufwand nicht lohnen, den öffentlichen Haltern ähnlich tiefer Nummern einen Austausch anzubieten.

Mehr als 3000 Franken Versteigerungs-Erlös liessen sich mit einer BL-300er-Nummer sowieso nicht generieren. Und sonstige Fahrzeuge des Kantons oder staatlicher Betriebe mit weissen Kontrollschildern - wie beispielsweise die Polizeiautos - sind in der Regel mit regulären fünf- oder sechsstelligen Ziffern unterwegs. Eine der wenigen Extravaganzen, die sich Baselland in dieser Hinsicht noch leistet, ist die Beschilderung der eigentlichen Staatskarosse, mit der etwa Regierungsräte zu offiziellen Anlässen chauffiert werden: Der Mercedes der S-Klasse ist mit dem Kontrollschild BL 1833 versehen, also dem Gründungsjahr des Kantons.

Eine nette Anekdote ist hingegen, wie es im Dezember 2013 zur Versteigerung der bisher letzten einstelligen Nummer im Kanton kam. Die Witwe eines ehemaligen Staatsangestellten bei der Motorfahrzeug-Prüfstation gab Donati das Kontrollschild BL 9 umsonst zurück, damit dieser «Geld für den Kanton» mache. «Die Frau war einfach dankbar dafür, dass ihr Mann so einen guten Job beim Staat gehabt hatte und er so lange mit einer so tollen Autonummer hatte herumfahren können», erinnert sich Donati. Letzten Endes spülte die Versteigerung rund 30 000 Franken in die Staatskasse, womit die beiden bisherigen Rekordergebnisse - rund 33 000 Franken für BL 7 und rund 32 000 Franken für BL 5 - nur knapp verfehlt wurden.

Was derzeit auf der MFK-Versteigerungsplattform www.auktion-bl.ch abgeht, ist dagegen geradezu bescheiden: Das aktuelle Höchstgebot hält mit schlappen 2000 Franken das Auto-Kontrollschild BL 1440. Da erhofft sich der Autokanton Aargau von seinen künftigen Auktionen ganz andere Beträge.