Ursula Renold hatte sich eingelesen. Deshalb wusste die Präsidentin des Fachhochschulrats der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) am Mittwoch auch, dass im Neubau in Muttenz nicht wie angekündigt eine Aufrichte gefeiert wurde. Denn diese erfolgt eigentlich, wenn der Dachstuhl eines Gebäudes aufgestellt wird. «Da der Kubuk aber keinen eigentlichen Dachstuhl haben wird, müsste man von einem Deckenfest sprechen», brachte sie den zahlreichen anwesenden Gästen bei.

Aber an der korrekten Wortwahl hängte sich am Mittwoch niemand auf. Es überwog die Freude über einen weiteren Meilenstein beim Bau des FHNW-Neubaus mit Namen Kubuk. Die Regierungsrätinnen Sabine Pegoraro und Monica Gschwind überbrachten Dankesworte vom Kanton für die anwesenden Handwerker, Bauarbeiter und Planer. Wenn sie sich in ein paar Jahren in Muttenz wiederfinden sollten, dürften sie den Kubuk mit Stolz betrachten, sagte etwa Gschwind. «Sie haben dazu beigetragen, dass künftig viele, viele junge Menschen hier eine zukunftsorientierte Ausbildung in modernen und funktionalen Räumlichkeiten absolvieren werden.»

Der Neubau der Fachhochschule Nordwestschweiz in Muttenz kostet rund 300 Millionen und ist 65 Meter hoch.

Nicht als einzige Rednerin an der Feier dankte Gschwind den Arbeitern auch für ihr Bemühen, den Bau termingerecht fertigzustellen. Denn noch ist der Kubuk eine grosse Baustelle. Dabei sollen die ersten Studenten im September 2018 dort anfangen. Dieser Terminplan sei ambitioniert, sagen die Verantwortlichen, zurzeit sei man aber auf Kurs.

Mosaikstein mit Strahlkraft

Der FHNW-Neubau sei «ein ganz wesentlicher und in seiner räumlichen Ausstrahlung mit Abstand der grösste Mosaikstein im Polyfeld Muttenz, aber auch darüber hinaus», sagte der Muttenzer Gemeindepräsident Peter Vogt am Richtfest über das 300 Millionen teure Bauwerk im sich wandelnden Muttenzer Ortsteil zwischen Bahnhof, Birsfelderstrasse, Bahnlinie und Gründenstrasse. Noch zählt Muttenz rund 500 Fachhochschul-Studenten. Im 65 Meter hohen Kubuk sollen es dereinst 3700 sein, wovon Studierende der Pädagogischen Hochschule den grössten Teil ausmachen sollen. Dazu kommen 680 Mitarbeitende.

Der Neubau in Muttenz ist der vierte und letzte neue Standort, den die FHNW in den vergangenen zehn Jahren einweihen durfte. Zurzeit ist sie in den Kantonen
Basel-Stadt und Baselland noch auf etliche Standorte verteilt. Im neuen Gebäude sollen nun deren 36 räumlich zusammengeführt werden. Fünf Hochschulen kommen unter einem Dach zusammen: Architektur, Bau und Geomatik, Life Sciences, Pädagogik und Soziale Arbeit.

Noch ist es im 14-geschossigen Fachhochschul-Neubau eher düster. Das liegt allerdings bloss daran, dass die beiden Lichthöfe, die später Sonnenlicht bis ganz unten ins Atrium transportieren sollen, noch abgedeckt sind. Zwischen ihnen steigt ab dem 4. Stock ein Mittelreiter empor, in dem Platz für Labors und Büros ist. Schluss ist im 11. Stock. Darüber befindet sich auf Höhe des 12. Stocks nämlich ein Dachgarten. Das 13. Obergeschoss ist dann für die Haustechnik reserviert. Auch das Dach selber wird nicht öffentlich zugänglich sein. Aber Anlass zum Feiern war es am Mittwoch allemal – ob nun mit einer Aufrichte oder einem Deckenfest.