«Ich kann Ihnen bestätigen, dass es die BVS2 auch nächstes Jahr noch gibt», bekräftigt der Baselbieter Bildungsdirektor Urs Wüthrich. Damit nimmt er jenen die Angst, die sich vor einer neuerlichen Vorlage zur Abschaffung der Berufsvorbereitenden Schule 2 (BVS2) fürchten. Etwa dem Rektor des Bildungszentrums KVBL, Rolf Schweizer. «Es gibt ja immer wieder dunkle Gerüchte, dass die BVS2 wieder vors Volk kommt», klagt er.

Zuletzt war die Angst geschürt worden, indem die Baselbieter Regierung wieder einzelne Sparvorlagen aus dem 2012 gescheiterten Entlastungsrahmengesetz vorgelegt hatte. Zwar wird die Bildungsdirektion das Brückenangebot nicht unangetastet lassen. «Zur BVS 2 wird ebenfalls eine Landratsvorlage ausgearbeitet», räumt Wüthrich ein.

Gegenstand dieser Vorlage wird indes nicht deren Abschaffung sein, sondern die Umsetzung eines parlamentarischen Vorstosses des Grünen-Landrats Jürg Wiedemann sowie das neue Projekt «Koordiniertes Angebot an Brückenangeboten», welches der Landkanton zusammen mit Basel-Stadt ins Leben gerufen hat.

Ziel ist die bessere Abstimmung der Brückenangebote in den beiden Kantonen. Grund dafür ist die eidgenössische Schulharmonisierung Harmos. «2018 haben die Sekundarschulabgänger einen anderen Rucksack und andere Bedürfnisse. Auf diese Bedürfnisse müssen wir unser Angebot ausrichten», sagt Dagmar Voith, Rektorin an der Basler Schule für Brückenangebote.

Die fünfköpfige Steuergruppe um Hans Georg Signer, Leiter Bildung Basel-Stadt, und Alberto Schneebeli, Leiter Stabsstelle Bildung Baselland, hat gerade erst die Arbeit aufgenommen und «eine Auslegeordnung vorgenommen», wie Voith sagt.

Mehr Flexibilität

An Reformideen mangelt es nicht. Rolf Schweizer schwebt etwa ein grosses Bildungszentrum für schulische Brückenangebote vor. «Heute sind die Brückenangebote nicht sehr übersichtlich. Es gibt sehr viele kleinere Angebote - und kaum jemand weiss, wo er sie findet», bemängelt er. Tatsächlich hat die Qual der Wahl, wer nach der Sekundarschule nicht auf Anhieb eine Lehrstelle findet oder sich über die Berufswahl erst im Klaren werden muss.

Neben Vorlehren, etwa für den angehenden Detailhändler, die Hauswirtschaftslehrerin oder den Polymechaniker, gibt es auch die rein schulischen Brückenangebote wie SBA Basis und SBA plus modular oder etwa die einjährige Kaufmännische Vorbereitungsschule KVS. «Die Devise muss lauten: weg von der Spezialisierung», so die Überzeugung Schweizers. Denn die Schüler, die nach der Sekundarschule ein Brückenangebot in Anspruch nähmen, wüssten meist noch nicht, welchen beruflichen Weg sie einschlagen wollten.

Die verschiedenen Angebote unter einem Dach zu vereinen, würde die Möglichkeit eröffnen, mit Modulen zu arbeiten und den schnell wechselnden Bedürfnissen der Lernenden besser gerecht zu werden. «Ein Zentrum mit 400 Schülern und 50 bis 60 Lehrern würde zudem die Flexibilität erhöhen und helfen, Leerläufe zu vermeiden», ist Schweizer überzeugt. Gleichzeitig glaubt er, dass seine Schule in Muttenz sich - nicht zuletzt aus Platzgründen - als Zentrum eignen würde.

Es wäre nach 1999 ein weiterer grosser Schritt in der bikantonalen Zusammenarbeit bei den Brückenangeboten. Damals wurde ein Vertrag unterzeichnet, der Baselbietern den Besuch der basel-städtischen Brückenangebote ermöglichte und umgekehrt. Schweizers Idee käme einer Fusion gleich. Die hält Voith «nicht für undenkbar» - aber letztendlich sei sie eine Ressourcenfrage.