Die Hühner schienen Sonderschichten eingelegt zu haben, damit auch ja genügend Eier bereit standen für die Eierläset. Dutzende davon schön aufgereiht in zwei Reihen auf einem Nestchen aus Sägemehl bei der Mehrzweckhalle Wintersingen. Nur jedes zehnte davon war ein gekochtes. Deshalb war für die Teilnehmenden der zwei Teams besondere Sorgfalt gefragt, wollte man sie heil in der grünen Gärtnerschürze der Fängerinnen landen sehen.

Ungeduldig warteten die Kinder auf den Beginn des Anlasses. «Noch zehn Minuten», vertröstete eine Mutter ihre fünfjährige Tochter, für die das eine halbe Ewigkeit zu sein schien. Dann aber ging es Schlag auf Schlag. Die Kinder spurteten zum Ei, hoben es auf, spurteten zum Start, wo ein Slalom auf sie wartete. Es folgte ein Purzelbaum und eine Holzwippe, bevor ein Holzring über den Kopf zu den Füssen gezogen werden musste. Kurz vor dem Ziel war ein Holzbänkli zu überqueren – und das alles mit einem Ei in der Hand.

Das Publikum rundum munterte die Eiersportler auf: «Hopp, hopp» tönte es aus allen Kehlen. Selbst die Kleinsten wollten teilnehmen, natürlich an der Hand von Papi oder Mami. Vor dem Purzelbaum wurde das Ei sorgfältig an die Matte gelegt und erst nach vollbrachter Rolle wieder in die Hand genommen. Die Kinder erwiesen sich als sehr treffsicher; die meisten von ihnen hätten mit ihren Eiern Tells Walterli garantiert den Apfel vom Kopf geholt. Verfehlte ein Ei das Ziel, war es ein besonderes Gaudi.

«Die Fängerinnen scheinen nicht so begabt», stellte ein Zaungast amüsiert fest, als gleich mehrere Eier hintereinander nicht in der Schürze landeten. So schlecht waren die Fängerinnen aber gar nicht, denn manches Ei wurde mit einer bemerkenswerten Reaktion mit der Hand aufgefangen, was auch mitApplaus belohnt wurde.

Im Huckepack auf dem Parcours

Der Parcours war mehrfach zu absolvieren: mal Huckepack, mal war das Ei auf einem Esslöffel zu transportieren, mal in einem umgedrehten Frisbee. Das stellte besondere Anforderungen an die Konzentration. Noch einen Zack schwieriger war der Parcours zu zweit, wobei die Läufer und Läuferinnen jeweils an einem Bein mit dem andern zusammengekettet waren. «Die haben eine hervorragende Lauftechnik entwickelt», stellte ein Zaungast mit Kennerblick fest, als zwei Buben im Marschschritt synchron zügig dem Ziel zueilten. Zwei Mädchen taten es erfolgreich hüpfend.

Besonderen Spass bereitete der Parcours in der Schubkarre – zumindest für den, der in der Karrette sass. Bevor der nächste im Team starten durfte, reichte ein einfaches Handklatschen nicht, um die Stafette zu überreichen. Am Start sass nämlich ein Mitglied des Turnvereins, das nach jedem Lauf ersetzt wurde. Dieser Turner musste erst ein Ei schälen, es verzehren und dann ein kleines Bier trinken. Waren diese Aufgaben erfüllt, konnte der nächste Teilnehmer starten.

Der Turnverein Wintersingen organisiert die Eierläset im Dorf «seit Menschengedenken», sagte Gemeindepräsident Michael Schaffner. Dazu gehört die liebevolle Tischdekoration mit mit Frühlingsblumen und Zuckereili ebenso wie die Sägemehlnestli auf dem Parcours. Am Ende des Wettbewerbs wurden die Eier zu Spiegeleier und Eiersalat verarbeitet, an denen sich Teilnehmende wie Publikum stärkten.

Um eine Erinnerung an den schönen Dorfanlass zu haben, schwebte auch eine kleine Drohne über Anlass - selbstverständlich ausser Reichweite der fliegenden Eier. Am Schluss war die Freude über den absolvierten Anlass so gross, dass fast unterging, welches Team eigentlich gewonnen hatte.