Die Liestaler Bäckerfamilie Finkbeiner steht mitten im Endspurt. Am Montag galt es, den völlig umgebauten Laden an der Rathausstrasse einzuräumen, heute ist die Vernissage für Bauarbeiter, Mitarbeiter, Wiederverkäufer und Kollegen angesagt, am Freitag öffnet die neue Bäckerei sozusagen als Probelauf, am Samstag dann offiziell mit unter anderem einem Holzofen vor dem Laden, aus dem es Gratispizzas gibt.

Produktionsleiter Florian Finkbeiner sagt nicht ohne Stolz: «Bei uns ist alles neu von der Theke aus Alteichenholz, der Café-Ecke, den Regalen, dem Boden, den Wänden und der Beleuchtung.» Und das alles in einem gelb-braun-grauen Farbton. Zudem ist die über hundertjährige Liestaler Traditionsbäckerei jetzt erstmals rollstuhlgängig.

Für Finkbeiners war die noch bis in den November hinein laufende Sanierung und Neugestaltung der Rathausstrasse die grosse Chance, ihr vor
28 Jahren letztmals umgebautes Geschäft einer radikalen Verjüngungskur zu unterziehen. Und Florian Finkbeiner sieht sich bestätigt, den richtigen Zeitpunkt erwischt zu haben: Der Ersatzladen während der fünfwöchigen Umbauzeit am unteren Stedtlieingang habe etwa 40 Prozent weniger Umsatz gemacht als in dieser Jahreszeit üblich.

Finkbeiner ist zuversichtlich: «Ich erwarte dank der Kombination von neuem Laden an neuer Rathausstrasse eine Umsatzsteigerung von 10 bis 15 Prozent. Nachdem wir vor zehn Jahren unsern zweiten Laden in Pratteln umgebaut hatten, ging es auch aufwärts.»

Damit setzt Finkbeiner auf eine andere Strategie als Konkurrent Ziegler Brot, der seinen Laden an der Rathausstrasse unangetastet lässt und dafür im Boom-Gebiet Liestaler Bahnhof mit grossem Erfolg eine neue Filiale eröffnete.

Was läuft ohne Coop?

Finkbeiner will aber nicht nur auf den baulichen Neuerungen abstellen, sondern den erwarteten Aufschwung aktiv befeuern. Dies mit einem kleinen Outdoor-Café mit drei Tischen, mehr Patisserie und zusätzlichen Saison-Broten. Denn der Brotverkauf ist immer noch das Hauptstandbein – mit dem alle Geschmacksmoden überlebenden Finkbeiner-Ruchbrot als Dauerbrenner.

Nebst seinen beiden Läden in Liestal und Pratteln beliefert Finkbeiner noch acht Volg-Läden sowie vier andere Dorfläden in der Region und betreibt in Frenkendorf und Pratteln je einen «Znüniwagen», der diverse Firmen anfährt. Insgesamt zählt der Betrieb
32 Mitarbeiter.

Einen grösseren Unsicherheitsfaktor in der Zukunftsrechnung der Finkbeiners stellen die nächsten Monate dar: Wie viele Leute kommen trotz Bauarbeiten ins Stedtli? Und wie viele in ihren Laden, wenn die Rathausstrasse im Herbst unmittelbar davor aufgerissen wird? Und wie wirkt sich die vorübergehende Coop-Schliessung aus?

Die letzte Frage stellen sich in diesen Tagen noch zahlreiche Liestaler Gewerbler, denn seit heute gibt es im Kantonshauptort ein Novum: Der Stabhof, wie die hiesige Coop-Filiale heisst, ist geschlossen und das für sieben Wochen; am 21. September ist die Wiedereröffnung geplant.

Damit fehlt dem Stedtli der weitaus wichtigste Frequenzerbringer. Dies, weil auch Coop die Arbeiten an der Rathausstrasse nutzt, um sein auf eine Etage zurückgestutztes Liestaler Geschäft komplett umzubauen.