Es ist entwaffnend ehrlich, was Robert-Jan Bumbacher sagt: «Wir sind bereits mitten am Erarbeiten des Universitätsspitals Nordwest. Wir können nicht warten, bis das Stimmvolk Ja gesagt hat, schliesslich wollen wir 2020 starten.» Der Verwaltungsratspräsident des Universitätsspitals Basel (USB) ist genau wie sein Pendant beim Kantonsspital Baselland (KSBL), Werner Widmer, überzeugt, dass die gemeinsame Spitalgruppe nicht mehr gestoppt wird – weder von den beiden Parlamenten, noch von der Bevölkerung. Das wurde an den Präsentationen der Jahresberichte 2017, welche die beiden Spitäler am Donnerstag absichtlich direkt hintereinander abhielten, offensichtlich. «Ich glaube an die Vision des Universitätsspitals Nordwest», sagte Widmer.

Natürlich beteuerten beide, dass man sich auf «konzeptionelle Vorarbeiten» beschränke (Bumbacher) und «mit vielen Sachen bis nach der Volksabstimmung warten» müsse (Widmer). Diese findet, Stand jetzt, im Februar 2019 statt. Doch was bereits läuft, ist nicht wenig: Das KSBL beziffert die im vergangenen Jahr aufgewendeten Projektkosten für das Universitätsspital Nordwest (USNW) mit 3,3 Millionen Franken. Finanzchef Remo Anceschi geht davon aus, dass auch 2018 für die Fusion mindestens nochmals so viele Ressourcen gebraucht werden.

Claraspital mit ins Boot geholt

Explizit erwähnte er das Infrastrukturprojekt am Standort Bruderholz, das weiter vorangetrieben werden solle. Sprich: der Aufbau der Zentren für Orthopädie und Rehabilitation. Schon seit vergangenem Juni würden viele Orthopädie-Fälle vom Spital Liestal ins Bruderholz verschoben, sagte KSBL-CEO Jürg Aebi. Unter das Stichwort «vorgezogene Kooperationen» fällt auch die Zusammenarbeit von KSBL und USB im Bereich der hochspezialisierten Bauchchirurgie, die seit Anfang 2017 läuft. Vier von fünf Eingriffen der Viszeralchirurgie im Bereich der hochspezialisierten Medizin (HSM) werden seither am USB durchgeführt, einer am KSBL in Liestal. So sollen die national vorgegebenen Mindest-Fallzahlen leichter erreicht werden.

Diese Aufteilung könnte sich allerdings bald schon wieder ändern. Erst Anfang März kündigte das USB an, bei der HSM-Viszeralchirurgie eine Zusammenarbeit mit dem dort führenden privaten Claraspital zu prüfen. Bumbacher nennt es «eine einmalige Chance», um auch bei einer Erhöhung der Mindest-Fallzahlen diese Eingriffe in der Region zu halten. Bis Ende Jahr soll der definitive Entscheid vorliegen, doch zweifelt kaum mehr jemand daran.

Widmer mit Kampfansage

Auch Widmer sagt: «Die Idee ist bestechend.» Auf Nachfrage der bz stellt er die Bestrebungen in den Kontext der Spitalgruppe und des Wettbewerbs mit den Privatspitälern – und es klingt fast wie eine Kampfansage: «Wenn die Privatspitäler in gewissen Bereichen wie hier in der HSM langfristig in der Topliga weiterspielen wollen, müssen sie mit der Spitalgruppe zusammenarbeiten.» Ansonsten dürfte es für sie auch schwieriger werden, «Topshots» zu rekrutieren. Bumbacher wählt dazu diplomatischere Worte: «Die Spitalgruppe will sich nicht von der Konkurrenz abgrenzen. Die Zeiten der Alleingänge sind vorbei. Die Zukunft liegt in der Vernetzung.»

Auf die Geschäftszahlen 2017 wirkt sich die fortgeschrittene Planung der Spitalgruppe nicht nur bei den reinen Projektkosten aus. Im vergangenen Jahr behandelte das KSBL ganze 1041 Patienten weniger stationär als 2016 (siehe auch die beiden Zahlen-Kasten). «Wir mussten damit rechnen, dass sich die Transformationsphase zur Spitalgruppe auch auf die Patienten- und Leistungszahlen auswirkt», sagte Finanzchef Anceschi. Tatsächlich dürfte ein gewichtiger Teil dieser stationären Patienten direkt ans Unispital gewandert sein. Dort nahm die Zahl nämlich um 998 zu. Nicht weniger als 515 davon wohnen in Baselland. Mittlerweile sind 28 Prozent aller stationären USB-Patienten Baselbieter. Tendenz steigend.

Verhält sich also die Bevölkerung als Stimmbürger so wie als Patient, dürften die Spitalchefs für ihr Vorauseilen im Februar 2019 nicht bestraft, sondern belohnt werden.