125 Kilogramm Kunststoff verbraucht der Durchschnittsschweizer im Jahr. Dort wäre also viel Potenzial für Recycling zu finden. Trotzdem rät das Bundesamt für Umwelt (Bafu) den Gemeinden erst einmal davon ab, eine Kunststoffsammlung einzurichten. Der Aufwand wäre zu gross und teuer, Abnehmer kaum vorhanden. Die Gemeinden sollen abwarten.

Vom Abwarten hat man in Allschwil genug. «Die Bevölkerung wartet auf so ein Angebot», ist Gemeinderat Robert Vogt überzeugt. Als erste Gemeinde in der Nordwestschweiz bietet Allschwil deshalb genau das an: Seit Montag können Einwohner einen separaten Abfallsack für Kunststoff kaufen. Im Februar wird er dann das erste Mal vor der Haustüre abgeholt, ab dann alle zwei Wochen.

Die Sammlung organisiert im Auftrag der Gemeinde die Lottner AG, die den Kunststoff von Hand sortiert, shreddert, zu transportfähigen Ballen presst und an interessierte Betriebe liefert. Diese seien im Gegensatz zu den Aussagen des Bafu reichlich vorhanden, wie Lottner-Geschäftsführer Philippe Moser betont. «Es geht hier um einen wertvollen Rohstoff, für den es diverse Abnehmer im In- und Ausland gibt.» Die Lottner AG recycelt schon länger Kunststoff für Industrie und Gewerbe. «Dies auch auf Haushalte auszuweiten, ist schon länger ein Thema», so Moser. Daher rannte Allschwil bei ihm offene Türen ein. Während rund einem Jahr arbeitete die Lottner AG mit der Gemeinde das entsprechende Projekt aus.

Vorerst läuft dieses auf zwei Jahre begrenzt als Pilotversuch. Die Gemeinde hat sich zum Ziel gesetzt, 200 Tonnen Kunststoff jährlich einzusammeln. Erste Zwischenergebnisse sollen schon im Sommer vorliegen. Einige Gemeinden warten bereits gespannt darauf. Sie stehen mit Allschwil in Kontakt und haben Interesse an einer eigenen Kunststoffsammlung bekundet, sollte das Projekt erfolgreich sein. Erreichen die Allschwiler ihr Ziel von 200 Tonnen Kunststoff im Jahr nicht, wird der Gemeinderat prüfen, ob und wie es mit dem Projekt weitergeht. «Der Aufwand für die Sammlung bleibt gleich gross, ob wir viel Kunststoff einsammeln oder wenig», begründet Vogt. «Nur wenn wir die Zielgrösse erreichen, macht die Sammlung ökonomisch und ökologisch Sinn.»

Bioabfall als Vorbild

Sowohl Allschwil als auch die Lottner AG zeigen sich optimistisch, dass die Zielgrösse erreicht wird. Bekräftigt wird die Gemeinde dabei durch ihre Erfahrungen mit der 2010 eingeführten Bioabfuhr, die Vogt als «überwältigenden Erfolg» bezeichnet. Vor deren Einführung wurden in Allschwil jährlich 280 Tonnen Bioabfälle rezykliert. 2014, nach der Einführung der Sammlung, waren es 1195 Tonnen.

Einen ähnlich Erfolg erhofft sich Allschwil bei der Kunststoffsammlung. «Es gibt viele Leute, die das Angebot aufgrund ihres ökologischen Bewusstseins nutzen werden», glaubt Andreas Dill, Umweltbeauftragter der Gemeinde Allschwil. Für die anderen sei neben der bequemen Abholung vor dem Haus auch der finanzielle Aspekt attraktiv: Für einen 35-Liter-Sack zahlen Allschwiler gerade einmal 72 Rappen, für einen gleichgrossen Kehrichtsack ab 1. Februar Fr. 1.70. Bei einem 60-Liter-Sack sind es Fr. 1.28 statt Fr. 3.40.

Allschwil rechnet damit, mit der Kunststoffsammlung jährlich 360 000 Liter Erdöl einsparen zu können. Da die nicht rezyklierbaren eingesammelten Kunststoffe als Ersatzbrennstoff für Kohle verwendet werden, könnten davon zudem 72 Tonnen eingespart werden. «Zusammen entspricht dies einer Energiemenge, mit welcher 300 Einfamilienhäuser beheizt und mit Warmwasser versorgt werden können», rechnet die Gemeinde vor. Der CO2-Ausstoss der Gemeinde soll so um 340 Tonnen pro Jahr reduziert werden.

Weitere Informationen finden Sie unter diesem Link.