Wenn der Sohnemann an ein Geburtstagsfest geht, wird das Kindertagesheim teurer. So liesse sich grob zusammenfassen, was das in Allschwil genau vor einem Jahr verabschiedete Reglement zur familienergänzenden Betreuung (FEB) für Eltern bedeutet. «Das ist doch absurd», findet Roland Lamprecht.

Zusammen mit anderen verärgerten Eltern hat der Allschwiler deshalb eine Petition lanciert, welche die Überarbeitung des Reglements fordert. Dieses sei «ein Schnellschuss, der gut gemeint war, aber völlig am Ziel vorbeischoss», steht in der Petition, für die am vergangenen Wochenende rund 100 Unterschriften zusammengekommen sind. Auch auf der Online-Plattform petitio.ch hat die Petition erste Unterstützer.

Aber zurück zum teuren Geburtstagsfest: Allschwil berechnet die Subventionen auf Stundenbasis – und zwar so, dass nur wirklich bezogene Betreuungsstunden vergütet werden. «In der Kita bucht man jedoch Tage oder Halbtage und schliesst Pauschal-Verträge ab», so die Petitionäre. Wenn ein Kind an einem Tag jeweils die Kita besucht, zahlen Eltern diesen Tag per Pauschale. Ist das Kind ausnahmsweise für ein paar Stunden abwesend, etwa am erwähnten Geburtstagsfest, zahlen die Eltern trotzdem den gesamten Tag. Die Gemeinde aber subventioniert nur diejenigen Stunden, in denen das Kind auch wirklich im Tagesheim war.

Eltern versus Steuerzahler

Was die Petitionäre als «kuriose Situation» bezeichnen, ist für Gemeindepräsidentin Nicole Nüssli einfach zu erklären. «Ich kann nachvollziehen, dass sich Eltern daran stören», sagt sie. «Aber unser Augenmerk muss auf dem Steuerzahler liegen. Und für diesen ist nicht verständlich, wieso er für Leistungen zahlen soll, die nicht einmal bezogen werden.»

Renato Burget, interimistischer Leiter der Hauptabteilung Bildung – Erziehung – Kultur, fügt an: «Früher hatten wir die Situation, dass alle Eltern die gleichen Subventionsgelder beanspruchten, egal ob die Kinder vier oder acht Stunden betreut wurden.» Er bedauert, dass viele Betreuungsinstitutionen nur starre Halbtages-Tarife anbieten, obwohl die Eltern andere Bedürfnisse hätten. Für diese seien Tageseltern eine mögliche Lösung. «Uns ist es wichtig, den Kindern und Eltern eine Betreuung anzubieten, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglicht.»

Genau das bezweifeln die Petitionäre, die auch Stimmen von Allschwiler Eltern sammeln, um deren Anliegen anonym weiterzutragen. «Wenn die Betreuungskosten überhandnehmen, können sich Familien gar nicht mehr frei entscheiden», sagt etwa Mitpetitionärin Manuela Schwaller. «Dann wird man automatisch in ein traditionelles Familienmodell gedrängt.»

Zahlreiche Eltern hätten seit der Umstellung ihre Kinder aus der Kita nehmen müssen, weil sie sich diese nicht mehr leisten konnten. Das falle früher oder später auch auf die Gemeinde zurück. «Wenn Eltern ihre Pensen reduzieren oder ganz aufhören zu arbeiten, gehen auch die Steuereinnahmen zurück. Ausserdem belasten Personen, die für ihre Kinder aus dem Berufsleben ausgestiegen sind, häufig die Sozialsysteme – auch längerfristig.»

Auch Nüssli glaubt, dass familienergänzende Kinderbetreuung volkswirtschaftlich Sinn macht, aber nicht so wie von den Petitionären behauptet. Die Gemeinde habe eine Erhebung durchgeführt, die zeige, dass diese Argumentation auf Allschwil nicht zutreffe. «Die zusätzlichen Steuereinnahmen wiegen niemals auf, was für die Gemeinde an Kosten für die Kinderbetreuung anfällt. Zudem profitiert die Gemeinde nur zu 58 Prozent von den Steuereinnahmen, zu 100 Prozent profitiert der Kanton, der sich an den Kinderbetreuungsaufwendungen nicht beteiligt.»

Dass es viele Kündigungen gegeben habe, bestätigt man aber bei der Gemeinde. Allerdings gebe es laut Burget unterschiedliche Gründe dafür. Ausserdem hätten viele Eltern «von der bisherigen Subventionspraxis übermässig profitiert und sich deshalb bisher eine grosszügigere Fremdbetreuung leisten können». Zahlen über die Anzahl Austritte sind bei der Gemeinde nicht vorhanden. Langfristig habe aber keine Abnahme der Betreuungsnachfrage festgestellt werden können. «Die freien Plätze wurden wieder belegt.»

Kritik an Mindestpensum

Die Petitionäre kritisieren auch, dass erst ab einem gemeinsamen Arbeitspensum von über 100 Prozent subventioniert werde. «Denn auch Teilzeitstellen können sich überschneiden», so Lamprecht. Weiter stören sie sich daran, dass bei der Berechnung der Subventionen zwischen Kindern im Vorschulalter und Kindern im Kindergarten- und Primarschulalter unterschieden wird. Wer voll subventioniert wird, erhält für Erstere eine Subvention von zwölf Franken pro Stunde, für Letztere eine von acht Franken. «Die von der Kita in Rechnung gestellten Kosten sind jedoch für beide Altersgruppen dieselben», moniert Lamprecht.

«Für Kinder im Vorschulalter verlangt der Kanton einen Betreuungsschlüssel von mindestens 1:4, für ältere Kinder einen von mindestens 1:8», erklärt Nüssli. Weil das Personal den Grossteil der Kosten in einer Kita ausmache, sei die Betreuung von Vorschulkindern deshalb teurer. Die Unterscheidung mache also durchaus Sinn. Welche Kosten die Betreuungsinstitution in Rechnung stelle, sei nicht Sache der Gemeinde.

Für die Petitionäre steht fest: Das FEB-Reglement gehört überarbeitet. Es dürfe nicht sein, dass die Gemeinde auf dem Rücken von Kindern spart. Nüssli räumt ein, dass das Reglement in einigen kleinen Punkten nochmals angeschaut werden müsse. «Das ist aber bei jedem Reglement so.» Grundsätze wie die Subvention nur für bezogene Stunden, die Unterscheidung nach Alter oder das geforderte Mindestarbeitspensum seien nicht bestritten.