Die Suche ist beendet. Seit feststand, dass das temporäre Empfangszentrum für Asylbewerber in der Prattler Zivilschutzanlage Lachmatt per Ostern schliessen muss, war unklar, ob eine Folgelösung in der Region gefunden wird. Der Allschwiler Gemeindepräsident Anton Lauber bestätigt nun Recherchen der bz, wonach Bund, Kanton und Gemeinde sich einigen konnten.

Gestern Abend gab der Gemeinderat endgültig grünes Licht: Die heutige Asylunterkunft Atlas am Vogesenweg9 wird mit ihren 150 Plätzen ab dem 1.Oktober zur offiziellen Aussenstelle des Bundesempfangs- und Verfahrenszentrums Basel (EVZ) – und dies nicht bloss temporär wie Pratteln, sondern gemäss Mietvertrag mindestens für die kommenden drei Jahre.

Mittelfristige Bindung einzigartig

«Wir wollen dem Bund helfen – und ein Signal an andere Gemeinden senden», sagt ein hörbar zufriedener Lauber zur bz. «Das ist ein wegweisender Entscheid – auch für den Bund», fügt Rolf Rossi an. Der Baselbieter Asylkoordinator hebt besonders den Dreijahresvertrag hervor: «Das ist schweizweit einzigartig.» Bisher wurden Verträge nur für sechs Monate abgeschlossen. Dies auch, weil es sich stets um Militärunterkünfte handelte.

Als «Win-win-win-Situation» bezeichnet EVZ-Leiter Roger Lang vom Bundesamt für Migration die Einigung. Der Bund könne dank der neuen Kapazität während des Aufenthalts der Asylbewerber im EVZ mehr Verfahren zum Abschluss bringen und muss diese nicht auf die Kantone verteilen. Davon profitiere auch Baselland. Allschwil schliesslich liess sich das Angebot ebenfalls versüssen: «Wir werden von der kantonalen Aufnahmequote befreit», sagt Lauber. Kommt hinzu, dass die Gemeinde vom Bund nun Mieteinnahmen für das Wohnheim erhält.

Lauber will Firmen beruhigen

Und auch von Betreuungspflichten ist Allschwil entbunden – so werden etwa Kinder der Asylsuchenden nicht mehr in die Schule geschickt. Dies hängt mit der stärkeren Fluktuation eines Empfangszentrums zusammen. Ansonsten – das betonen sowohl Lauber wie Lang – werde sich im Atlas nicht viel ändern. Sowohl die Zahl der Klienten wie deren Zusammensetzung soll ähnlich sein. «Es wurde uns versichert, dass keine Leute mit höherem Gefahrenpotenzial zu uns kommen», sagt Lauber. Dennoch soll es neu einen 24-Stunden-Sicherheitsdienst geben, wahrscheinlich durch Securitas.

Für Lang ist der Standort ideal: Das Wohnheim liegt im Gegensatz zur Prattler Zivilschutzanlage oberirdisch und näher beim EVZ. Dies ist von Belang, da zwischen Empfangszentrum und Aussenstelle eine Shuttleverbindung betrieben wird. «Wichtig ist auch, dass der Ort von der Öffentlichkeit dank der bisherigen Nutzung bereits akzeptiert ist», betont Lang. Etwas kritischer sieht das Lauber: «Die Nähe zum Gewerbegebiet Bachgraben ist nicht gut.» Man werde mit den Firmen das Gespräch suchen.

Allschwil ist kein Bettwil

Bis Oktober müssen die Asylsuchenden umverteilt und das Atlas hergerichtet werden. Für die Betreuung ist die Zürcher ORS Service AG zuständig. Sie koordiniert seit 1993 das Asylwesen von Allschwil und führt bereits das Wohnheim. ORS leitet im Auftrag des Bundes auch alle sieben Empfangs- und Verfahrenszentren der Schweiz. Damit hat die Prattler Konkurrenzfirma ABS vorerst das Nachsehen, die noch die Unterkunft in Pratteln geleitet hatte.

Dass das Empfangszentrum in Allschwil am Widerstand der Bevölkerung scheitern könnte, wie es im Aargauischen Bettwil passiert ist, glaubt Asylkoordinator Rossi nicht: «Das ist nicht vergleichbar, schliesslich hat Allschwil 20000 Einwohner, während Bettwil bloss ein kleines Dörfchen ist. Dort fiel es mehr ins Gewicht.»