In Allschwil kann es ziemlich laut werden. Die Gemeinde liegt direkt unter der Haupt-Abflugschneise des Euro-Airports. Trotzdem war der Privatgebrauch von Drohnen im Vorort von Basel bisher nicht explizit untersagt. Das ändert sich nun mit der Revision des kommunalen Polizei-Reglements. Künftig ist es innerhalb des Siedlungsgebiets verboten, unbemannte Modellflugzeuge und Luftfahrzeuge zu betreiben, zumindest über öffentlichem Grund. Der Einwohnerrat hat das revidierte Reglement an seiner Sitzung vom Mittwochabend gut geheissen. Es muss nun noch vom Kanton genehmigt werden.

Damit sind Flüge mit privaten Drohnen bald in drei Baselbieter Gemeinden stark eingeschränkt. Reinach beschloss im Sommer das Flugverbot über Allmend im Siedlungsgebiet, Aesch zog im Dezember nach. In allen drei Gemeinden gibt es jedoch Ausnahmen. So ist es innerhalb der Luftsäule über Privatgrundstücken weiterhin erlaubt, Drohnen aufsteigen zu lassen. Ausserdem kann der Gemeinderat Ausnahmen bewilligen, ebenso das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl). Schon bisher waren Flüge mit unbemannten Fluggeräten mit einem Gewicht von 30 Kilogramm und mehr bewilligungspflichtig.

Die neue Regelung in Allschwil betrifft nur einen kleinen Teil des Gemeindegebiets. Dies, weil in unmittelbarer Nähe zu Pisten bereits heute für Modellfluggeräte eine Flugverbotszone gilt. Deren Radius beträgt fünf Kilometer. Auch Basel fällt zu einem grossen Teil darunter. An die Flugverbotszone schliesst ein weitaus grösserer Bereich an, in welchem das Fliegen mit Modellfluggeräten eingeschränkt ist. So dürfen die Flugobjekte maximal 150 Meter hoch steigen. Diese Zone umfasst ganz Basel-Stadt und den grössten Teil des Unterbaselbiets.

Heikle Begegnungen in der Luft

Zwar ist es bisher in der Schweiz noch nie zu einer Kollision zwischen Flugzeugen und ferngesteuerten Flugobjekten gekommen. Doch es wurde bereits mehrere Male äusserst knapp – auch in der Region Basel, zuletzt am 14. Juli: Über Binningen tauchte eine Drohne plötzlich vor einem Easy-Jet-Aribus auf. Dieser war in Amsterdam gestartet und befand sich im Landeanflug in Richtung Euro-Airport. Im Untersuchungsbericht hiess es, die Drohne sei im kritischsten Moment nur noch zehn Meter vom Flugzeug entfernt gewesen. Und bereits im März zuvor war eine Fast-Kollision registriert worden, damals über französischem Gebiet.

Brandgefahr fürs Triebwerk

Das Problem wird sich laut Experten verschärften, weil sich immer mehr Drohnen im Umlauf befinden. Das Bazl bezifferte ihren Bestand für den kommerziellen und privaten Einsatz alleine für die Schweiz auf rund 20 000 Geräte. Gerade die Quadrocopter, also die Maschinen, die mit vier Rotoren betrieben werden, sind sehr leistungsfähig. Laut Bazl erreichen sie Höhen von gegen 2500 Meter. Weil sie auch sehr schwer sind, könnten sie an einem Triebwerk beträchtlichen Schaden anrichten. Es könnte sogar zu brennen beginnen, nachdem es eine Drohne eingesaugt hat.

Laut der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) ist es «nur eine Frage der Zeit», bis es zu einer Kollision zwischen Flugzeug und Drohne komme. Sie schlägt deshalb, neben den Flugeinschränkungen und -verbotszonen, weitere Massnahmen vor. Sie nennt etwa das Geofencing. Dabei wird bei Überschreiten einer bestimmten Begrenzung ein Alarm ausgelöst, oder aber die Drohne kehrt von sich aus zurück, wenn sie an eine unsichtbare Wand geprallt ist. Weiter sind Stimmen laut geworden, die einen Drohnen-Führerausweis fordern.

Feldstecher verbieten?

Bei der Einwohnerrats-Debatte in Allschwil standen neben der Flugsicherheit auch weitere Aspekte zur Diskussion. Bei der ersten Lesung des Reglements im Januar war vom Lärmschutz die Rede, ebenso vom Schutz der Privatsphäre. Die Einschränkung der Emissionen kommt insofern zum Tragen, als dass Drohnen nur Wochentags und am Samstag betrieben werden dürfen, jedoch nicht in der Nacht und über die Mittagszeit. Das sind also dieselben Benutzungszeiten wie fürs Rasenmähen.

Zum Schutz der Privatsphäre sagte Einwohnerrat Matthias Häuptli von der GLP, es sei bereits heute verboten, den Privatbereich anderer durch Aufnahmegeräte zu beobachten, deshalb brauche es auch keine ergänzenden Bestimmungen. Es könne zwar sein, dass jemand mit einer Kameradrohne fremde Wohnungen ausspähe. Das sei jedoch auch mit einem simplen Feldstecher möglich, gab Häuptli zu Bedenken: «Wir haben deswegen aber in Allschwil bisher kein Feldstecherverbot.»