«Uns hat noch der Lehrer in der Schule die Geschichte von dem Brandunglück im Hauenstein-Tunnel erzählt», erinnert sich Hansjörg Rickenbacher alias Ricki. Seine Kunstinstallation aus Fichtenholz soll Läufelfingen das tragische Ereignis von 1857 in Erinnerung rufen, als beim Bau des Hauenstein-Scheiteltunnels 63 Menschen durch ein Feuer ums Leben kamen. Am 22. April wird die Skulptur an der alten Hauensteinerstrasse in Läufelfingen in einem Feuerspektakel in Brand gesetzt.

Ausweglose Katastrophe

Vor 160 Jahren ereignete sich die Tragödie. Ein mit Pech überzogenes Seil in einem Lüftungsschacht der Tunnelschmiede fing Feuer. Daraufhin entzündeten sich Stützbalken und Bretter. Der einstürzende Schacht schnitt allen Tunnelarbeitern den Ausweg ab. Acht Tage dauerte es, bis die Eingeschlossenen befreit werden konnten. 52 Arbeiter, die meisten italienische Gastarbeiter, und elf Rettungskräfte verloren im Feuer und durch Rauchvergiftungen ihr Leben. Weitere 500 Menschen wurden bewusstlos geborgen.

Zum Gedenken der Todesopfer will Rickenbacher auf der Wiese rund um die Skulptur auf 63 Quadratmetern ebenso viele Fackeln aufstellen. Er erklärt: «Das soll auch für Leute eine emotionale Verbindung schaffen, welche die Geschichte dahinter nicht kennen.»

Mutiger Weitblick

Mit seinem Werk will «Ricki» aber nicht nur der Opfern gedenken, sondern auch die beispiellose Pioniertat der damaligen Ingenieure und Entscheidungsträger würdigen. «Das war damals europaweit der erste Durchstoss eines ganzen Gebirges», erklärt Rickenbacher die Bedeutung des Tunnels, der ein Jahr nach dem Brand mit seinen 2495 Metern als längster Tunnel Europas eröffnet wurde. «Diese Menschen waren mutig und bewiesen Weitsicht. Heute geht alles nur noch nach Berechnung. Was nicht rentiert, muss weg», fügt Rickenbacher vielsagend hinzu.

«Als ich anfing mich mit der Geschichte dieses Tunnelbrands zu befassen, war die S 9-Diskussion noch weit weg», betont er. Dennoch lasse sich nicht leugnen, dass der geplante Anlass dadurch an Aktualität gewonnen habe. «Ich habe mich aber dagegen entschieden, dem Werk eine politische Aussage hinzuzufügen. Das würde Themen vermischen, die nicht zusammengehören.» In erster Linie gehe es um das Ereignis vor 160 Jahren, das wichtiger Teil der Geschichte von Läufelfingen wurde.

Feuerwerk und Festivitäten

«Erst das Feuer wird das Werk vollenden», sagt Künstler «Ricki» über seine Installation. Letzten Dezember haben er und der Läufelfinger Schreiner Züttel – «Schreiben Sie nicht Kurt Schaub, da weiss niemand, wer gemeint ist» – mit der Konstruktion begonnen. Mitgeholfen habe auch Bernhard Erne von der Erne Zimmerei AG. Seile zum Antrieb der beweglichen Teile und Feuerwerkskörper für weitere Effekte werden noch angebracht. «Der Gemeindepräsident wird eine Rede halten, die Rotstab-Clique tritt auf, und der Geist eines damaligen Tunnelarbeiters wird seine Geschichte erzählen», verrät Rickenbacher voller Vorfreude.