Die Weihnachtstage sind eigentlich eine besinnliche Zeit. Nicht so für die Familie Thomann: Vor zehn Jahren, am 26. Dezember 2004, am selben Tag, an dem die Tsunami-Katastrophe Südostasien heimsuchte, brannte der Stall des Bauernhofs Gorisen in Reigoldswil nieder. Mitten in der Nacht wurde die siebenköpfige Patchworkfamilie vom Feuer des gegenüberliegenden Stalls aufgeschreckt.

Es war jedoch zu spät: Das Ökonomiegebäude, in dem sich die Tiere befanden, stand bereits lichterloh in Flammen. Heinz Thomann, Pächter des Hofs Gorisen, brachte zuerst seine Familie aus dem ebenfalls vom Brand gefährdeten Wohnhaus in Sicherheit. «Die Feuerwehr traf innerhalb von zehn Minuten ein», erzählt Isabelle Thomann. «Uns kam es jedoch vor wie Stunden.»

Das Feuer brannte aber zu stark, und der Stall war verloren. Zudem sass allen der Schock im Nacken durch den Brand von Gretzenbach SO, der sich wenige Monate zuvor ereignet hatte und bei dem sieben Feuerwehrmänner durch eine eingestürzte Decke getötet wurden.

Pferde, Hasen, Hühner gerettet

Die Thomanns versuchten, gemeinsam mit der Feuerwehr zu retten, was zu retten war. Rinder, Pferde, Hasen und Hühner konnten sie noch rechtzeitig vor den Flammen bewahren. 80 Tiere – darunter Schweine, Schafe, Ziegen und Katzen – fielen aber dem Feuer zum Opfer. «Wir waren völlig hilflos», sagt Heinz Thomann. «Es war schrecklich mitanzusehen und zu wissen, dass alle Tiere, die sich noch im Stall befinden, verbrennen würden.» Isabelle Thomann musste gar ihren damals 14-jährigen Sohn zurückhalten, da dieser in das brennende und einsturzgefährdete Gebäude rennen wollte, um seine von Hand aufgezogene Ziege zu retten.

Durch den Verlust der Tiere und den zerstörten Stall und Scheune samt Geräten entstand ein Schaden in Millionenhöhe. Glück im Unglück hatten die Thomanns, dass sie kurz zuvor ihre Versicherung erneuert hatten. Somit standen sie nicht vor dem finanziellen Ruin – trotzdem mussten sie noch etliche Eigeninvestitionen tätigen. Die Brandursache ist bis heute nicht mit Bestimmtheit geklärt. Man gehe davon aus, dass ein Funke der alten Stromleitungen übersprang und das Feuer auslöste, erklärt Heinz Thomann.

Grosse Solidarität

«Es herrschte eine unglaubliche Hitze», schildert das Ehepaar. Die Fenster des Wohngebäudes barsten unter den hohen Temperaturen, und die Feuerwehr musste das Haus mit Wasser kühlen, damit es nicht auch noch Feuer fing. Das Kühlen verursachte im Haus einen Wasserschaden – in der damaligen Ausnahmesituation war das jedoch nebensächlich.

«Die Zeit danach war sehr schlimm», meinen die beiden. Der Tod der Tiere ging allen sehr nahe. Ohne die nötigen Geräte konnte auch kaum die Arbeit fortgesetzt werden. Die Thomanns wurden mit ihrem Schicksal aber nicht im Stich gelassen: Regional als auch national bekamen sie Unterstützung und grosse Anteilnahme. «Es war schön zu sehen, wie gross die Solidarität in unserem Umfeld war.» Die Thomanns haben Spenden für den Wiederaufbau erhalten; ihnen wurden sogar Tiere überreicht. «Unserem Sohn schenkte man zum Trost eine kleine Ziege», sagt Isabelle Thomann.

Im Juni 2005 begannen die Bauarbeiten; den neuen Hauptstall errichteten sie etwas weiter weg vom Wohngebäude. Mit dem wiederaufgebauten Stall kam auch Freude auf. Dennoch ist der Familie jeweils am 26. Dezember unwohl zumute, und die Erinnerungen sind nach wie vor präsent. Auch Feuer hat für die Thomanns noch immer eine traumatisierende Wirkung. Trotzdem würden sie sich auf dem Hof Gorisen wieder wohlfühlen, und ein Wegzug sei nie eine Option gewesen.