Hohe Bäume mit schnurgeraden, nackten Stämmen; hoch darüber Kronen, die ein gleichmässiges Dach bilden; und am Boden eine niedrige Gebüschschicht: So stellt man sich einen Wald in unseren Breitengraden vor. Und tatsächlich präsentiert sich heute der Grossteil der Wälder in der Region als sogenannter Hallen- oder Hochwald.

Doch das war nicht immer so. Bis tief in die Neuzeit hinein wurde der Wald fast hemmungslos ausgebeutet – Nachhaltigkeit war dabei kaum ein Thema. Es dominierten heute fast verschwundene Waldformen wie der Niederwald. Dieser hat eine kurze Umlaufzeit von rund zwanzig Jahren und liefert rasch viel Brennholz. Die Verjüngung geschieht, indem Sprossen aus Stümpfen gefällter Bäumen hervorgehen. Das ergibt einen niedrigen, buschartigen Wald.

In Mittelwäldern wuchsen dazwischen höhere Bäume, etwa Eichen. Deren Eicheln waren ideales Schweinefutter. Denn was heute unvorstellbar ist, war jahrhundertelang Alltag: dass Bauern ihre Tiere im Wald weiden lassen.

Wegen dieser intensiven Nutzung dominierten im 17. Jahrhundert die Niederwälder. Versuche der Stadt Basel, eine schonendere Bewirtschaftung zu verordnen, blieben weitgehend erfolglos. Und die Kantonstrennung 1833 tat dem Baselbieter Wald nicht gut. Denn er ging an die Gemeinden, die für die Loskaufsumme Kahlschläge durchführten. Zudem verschlang bald der Eisenbahnbau viel Schwellenholz. Zum Beispiel fielen dem ersten Juradurchstich in den 1850ern die Eichenwälder von Pratteln, Füllinsdorf und Bubendorf zum Opfer. Gleichzeitig war der Anschluss ans Bahnnetz Teil der Rettung der Wälder. Denn man konnte neu Steinkohle importieren. Der Brennholzbedarf sank stark, nicht zuletzt in der sich ausbreitenden Industrie.

Alternativen zum Hochwald

Erholung verschaffte dem Baselbieter Wald Ende des 19. Jahrhunderts zudem ein Wandel in der Landwirtschaft. Man ging dazu über, Tierfutter anzubauen. Die Tiere blieben vermehrt im Stall, der Wald diente seltener als Weide. Die bei Schweinen so beliebten Eichen ersetzte man mit Buchen und Föhren, die besseres Nutzholz lieferten.

Für Nachhaltigkeit in der Waldnutzung sorgte schliesslich das erste eidgenössische Waldgesetz von 1876 (nachdem das Baselbieter Stimmvolk zwei Mal ein eigenes Forstgesetz abgelehnt hatte). Die schweizweite Regelung unterstützte die Umwandlung der Nieder- und Mittelwälder in die wirtschaftlich nachhaltigeren Hochwälder, die seit dem 20. Jahrhundert und bis heute überwiegen, nicht nur in der Nordwestschweiz.

Inzwischen ist man bestrebt, die Monotonie des Hochwalds zu durchbrechen. Mittelwald gibt es zum Beispiel wieder im Allschwiler Wald – einem typischen Agglomerationswald, wo meist nicht mehr die Holzgewinnung, sondern die Erholung des Menschen und die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren im Mittelpunkt der Pflege stehen.

So bietet dichter Mittelwald den Wildtieren Schutz vor Spaziergängern, das viele Brennholz entspricht zudem der steigenden Nachfrage nach nachwachsender Energie. Und im Hardwald, jahrhundertelang Basels Schweineweide, werden wieder Eichen gepflanzt. Sie dienen aber nicht Nutztieren, sondern dem bedrohten Mittelspecht als Futterbaum.

Ein Sonderfall ist das Schloss Wildenstein. Dort ist unverändert ein Weidewald (Wytenwald) erhalten geblieben. Das hat mit besonderen Nutzungsrechten zu tun – und damit, dass die Besitzer sich immer bewusst waren, dass hier ein Relikt frühneuzeitlicher Kulturlandschaft zu sehen ist. Einige der Eichen sind über 500 Jahre alt – und haben den Wandel des Waldes in der Region schadlos überstanden.