Farbenprächtig, unüberhörbar und gut gelaunt: So präsentierten sich die 77 Formationen, die sich mehr oder weniger geschickt durchs Törli und die Rathausstrasse hinab zwängten. Einmal im Jahr, eben am Fasnachts-Sonntag, wird ungehemmt, mit unterschiedlich bissiger Satire und mit viel Kreativität Ungereimtes auf dieser Welt an den Pranger gestellt. Da wurde alles verspottet, was einem so auf den Wecker geht. Und das alles ohne Maulkorb, denn an diesem Gipfeltreffen der Narren herrschte sozusagen amtlich sanktionierte Anarchie. So konnten die weit über 1000 aktiven Fasnächtler – für einen Tag befreit vom Leben nach Vorschrift – auch gestern sich selber sein und die verrücktesten Träume ausleben. Es wurde mit Inbrunst musiziert, geschränzt, intrigiert, aber auch gelobt. Mit einer Intensität, als ob die Fasnacht bald verboten würde.

Wenig Politik, viel Liestal

«Es wird eng» – das ist das diesjährige Sujet des Fasnachtskomitees. Dies vor dem Hintergrund der vielen Bauvorhaben und der bevorstehenden Sanierung der Rathausstrasse. Diese Prognose ist der Albtraum der Gewerbetreibenden im Stedtli. Der Bauwahn in Liestal wurde denn auch von einigen Cliquen mit unterschiedlicher Zustimmung ausgespielt. Allen voran von den einheimischen Rotstäblern, den Platzhirschen, die als pfeifende und trommelnde Bauarbeiter den Umzug musikalisch eröffneten. Viel Verständnis für die Bauerei aber dennoch am Schluss ihres kritischen Zeedels:

Mit Wyttsicht und e bitzli Muet,
chunt das mit däm Stedtli guet.

Derweil haben die Chlütteri, die alte Garde der Rotstab-Clique, einen Vorschlag zum Schwingfest, das in der Nordwestschweiz niemand haben will. Als Waggis in Schwingerhosen fordern sie nämlich ganz einfach: «Mir schwinge im Elsass!». Und verweisen am Schluss ihres Zeedels vorsorglich auf die neuste Variante Pratteln.

Mit Liestals Uni-Zukunftsplänen befassten sich sodann die Wadäbisser. Grossmundig verkünden sie vom kleinen Wagen herab: «Mir Bure gönn jetzt z Lieschtel go studiere.» Überhaupt scheinen die Geschehnisse in der Residenz die Cliquen heuer ganz besonders inspiriert zu haben. Nebst allmählich abgedroschenen und etwas fantasielosen Sticheleien über dieses angeblich so verschlafene Kaff wurde aber auch stilvoll an die Genusswoche erinnert. So hat die Pfeifer-Clique die Nasedröpfli, gekleidet als elegante Cuisiniers de la haute cuisine, ihr Motto auf den Punkt gebracht: «Mir gniesse s Ässe, s Trinke und natürlich d Fasnacht!»

Genauso sympathisch die Familiengruppe Diä Buntä mit ihrem Leiterwägeli: «En Guete – mir däfelä!» Für diese kulinarischen Highlights hat sich bekanntlich auch der Stadtpräsident ins Zeug gelegt. Dafür dankt ihm kurz und bündig die Familiengruppe d Leisebärger an der weissen Tafel im Stedtli: «Dr Lukas Ott isch euse Gott!»

Jedem sis Bier

Der Umzug 2017 gab sich thematisch eher zugeknöpft. Will heissen, man hat sich bei den Sujets mehrheitlich an regionalen Themen orientiert. Mit sich selber haben sich die über 100 Fränkeschränzer aus Bubendorf beschäftigt. Im Outfit als Gemüsebauern haben sie von einem Militär-Oldtimer herab mit ohrenbetäubendem Gugge-Sound auf ihr 50-Jahr-Jubiläum aufmerksam gemacht, so richtig nach dem Geschmack der Masse am Strassenrand.

Etwas leisere Töne haben die Chnoblauch-Frässer, die Schlümpfli und die Durschtige 44er angeschlagen. Sie haben den Bierbrauer-Boom im Baselbiet auf die Schippe genommen. «Jedem sis Bier», wurde da gelästert. Mit dem Sujet «Dampf-WB adee!» machten die Liestaler Nuggi Rugger einen auf Nostalgie und Wehmut. Als arbeitslose Zugführer marschierten sie hinter der prächtigen alten Dampfloki her und platzierten eine Last minute-Werbung:

Drum mached euch parat
und gniessed hüt die letschti Fahrt

Sozialkritisch gaben sich die Pfifferling. Auf ihrer schön gestalteten Laterne thematisiert die flott aufspielende Pfeifer-Clique die Situation auf dem Arbeitsmarkt ganz nüchtern mit «Biff, baff, buff und Du bisch duss!»

Zum vielsagenden Sujet des Fasnachtskomittees «Es wird eng» passten sodann sinngemäss auch die Bedenken der Guuge Waggis. Auf ihrem Wagen mit eingebautem Postschalter stand nämlich geschrieben: «PTT isch bald niene meh …»