Der 87-Jährige wehrt sich gegen die Kantonsfusion und riskiert bei den fusionsaffinen Sozialdemokraten gerade in diesen Tagen eine dicke Lippe. Der Baselbieter alt Regierungsrat Peter Schmid habe ihm nach seinen öffentlichen Äusserungen «eine gelangt», wie Epple in seiner saloppen Sprache sagt. Vergangene Woche trat er mit einer guten Idee an die bz: Er wolle am Treffen der alt Landratspräsidenten aus dem Baselbiet und den alt Grossratspräsidenten aus Basel-Stadt den Puls fühlen. Damit sollte seine Vermutung erhärtet werden: Bei der Kantonsfusion gibt es nicht nur Gräben zwischen dem Oberbaselbiet und den Städtern sowie zwischen Links und Rechts, sondern auch zwischen Alt und Jung. Dumm nur, dass er das Treffen vergass. «Das kann einem mit 87 Lenzen schon mal passieren», entschuldigte sich der Liestaler. Den Montag hatte der Fusionsgegner stattdessen vor dem Fernseher verbracht, wo er von Xherdan Shaqiris Toren bei den Bayern verzückt wurde. «Ein Klasse-Spieler, schade, dass er nicht mehr bei unserem FCB ist.»

Fritz Epple, beim FCB scheinen Sie die Kantonsgrenzen nicht zu kennen. Gleichzeitig sind Sie Fusionsgegner. Wie rechtfertigen Sie das?

Fritz Epple: Ich mag die Stadt, sie ist mein kulturelles Zentrum. Es ist eine Freundschaft, aber ich will keine Heirat. Ein Oberbaselbieter hat nun mal eine andere Identität als ein Städter.

Warum denken Sie, sind die Jüngeren eher dafür, die Älteren eher dagegen?

Zum einen ist da die zunehmende Mobilität der Jungen. Zudem haben sie das «Gschtürm» um die letzte Fusionsabstimmung 1969 nicht mitbekommen. Was mir sauer aufstösst ist deswegen das Verhalten der jüngeren Fusions-Befürworter, welche die Fusionsgegner als «konservativ» bezeichnen. Im Gegenteil würde ich mich als sehr weltoffen bezeichnen. Ich sass in der Kommission, die nach der gescheiterten Fusion den sogenannten Partnerschaftsartikel ausarbeitete. Wir boten damals den Baslern Hand und haben die Partnerschaft gut aufgestellt.

Die Zeiten haben sich geändert. Das Rad dreht sich heute viel schneller. Sei es in der Spitalpolitik, in der Bildung oder im öffentlichen Verkehr. Die Zahl der Staatsverträge droht aus dem Ruder zu laufen. Hätte man nur einen Kanton Basel, würde uns ein grosser administrativer Aufwand erspart bleiben.

Was den administrativen Aufwand angeht, gebe ich Ihnen recht. Eine Kantonsfusion ist allerdings keine Lösung. Nicht zuletzt, weil die Umsetzung viel zu lange dauern würde.

Welche Form von Zusammenarbeit schlagen Sie denn vor?

Eine Lösung kann man sich jenseits der Landesgrenze abschauen: Auch die beiden italienischen Provinzen Südtirol und Trentino haben viele Probleme gemeinsam zu lösen und müssen gleichzeitig stark zusammenarbeiten, damit man in Rom von ihnen Notiz nimmt. Die beiden Provinzen haben jeweils ein Parlament, den Landtag. Daraus werden Delegationen in den sogenannten Regionalrat geschickt. Dort werden jegliche Entscheide gefällt, die die Zusammenarbeit zwischen Trentino und dem Südtirol betreffen. Die beiden Landtage haben aber das letzte Wort und segnen die Entscheide des Regionalrats ab. Das schwebt auch mir vor, mit Beteiligung der Kantone Aargau und Solothurn. Ein Regionalrat sollte also aus Baselbieter Landräten, Basler Grossräten und Kantonsräten aus dem Fricktal und dem Schwarzbubenland bestehen.

Wie gross sollte ein solcher Regionalrat sein?

Ich schlage vor, dass die Kantone Basel-Stadt und Baselland je fünf Delegierte stellen dürften, Fricktal und Schwarzbubenland je zwei. Dazu kämen die Regierungsvertreter.

Schaffen wir da nicht einfach eine Instanz mehr, welche die Bürokratie aufbläht?

Einerseits müssen die Delegierten des Rats ja nicht eigens gewählt werden: Denn dieser konstituiert sich aus den Parlamenten. Andererseits wäre eine Kantonsfusion mit einem ungleich höheren Aufwand verbunden. Auch ein Regionalrat hätte keine Entscheidungsbefugnisse, denn diese würden immer noch bei den Parlamenten liegen. Die Gesetze aber, die er erarbeitet, kommen fast immer durch – er will ja keine Arbeit umsonst machen.

Was denken Sie: Wie gut stehen die Chancen, dass Ihr Anliegen von der Politik erhört wird?

Ich gestehe Ihnen: Mir fehlen die Kontakte innerhalb der Politik, um für mein Anliegen zu weibeln. Schliesslich bin ich seit 23 Jahren pensioniert. Nun liegt es an den Medien, meine Idee aufzugreifen. Aber ich gebe zu, ich bin skeptisch, habe fast ein bisschen Angst. Ich denke, die Fusionsinitiative hat dieses Mal tatsächlich eine Chance: Die Jungen messen den Kantonsgrenzen heute kaum eine Bedeutung bei.

Werden Sie dem Komitee gegen die Kantonsfusion beitreten?

Wenn es ein reines SVP-Komitee wird, dann gewiss nicht. Ich habe mit ihrer Politik nicht viel am Hut, die haben zu viel «vercheibt» in den letzten zehn Jahren. Aber ich nehme an, dass das Komitee überparteilich zusammengestellt wird – und dann werde ich natürlich nicht zögern beizutreten.