Eigentlich schien klar, dass Ende dieser Woche alle Parteien ihre Kandidaten für die Baselbieter Regierungsratswahlen vom 31. März 2019 offiziell nominiert haben werden: Neben den Bisherigen Isaac Reber (Grüne), Anton Lauber (CVP), Thomas Weber (SVP) und Monica Gschwind (FDP) versuchen Kathrin Schweizer (SP) und Thomas de Courten (SVP), neu in die Kantonsexekutive einzuziehen. Also sechs Kandidaten für fünf Sitze. Doch nun gibt es eine kleine Partei, die dabei nicht mitspielt: die EVP. Präsident Martin Geiser hatte schon Ende Juni in der bz erstmals angekündigt, dass eine eigene Regierungskandidatur «eine Option» sei. Mittlerweile macht die Partei ernst: «Ich kann bestätigen, dass wir mit mehr als einer Person Gespräche führen», sagt Geiser auf Anfrage.

EVP schiesst gegen die CVP

Doch weshalb glaubt die EVP, die an den letzten Landratswahlen 2015 einen Wähleranteil von lediglich gut fünf Prozent erreichte, Anspruch auf einen der begehrten Regierungssitze zu haben? Erstens seien Majorzwahlen Kopfwahlen, bei denen die Parteizugehörigkeit und die Wählerstärke eine untergeordnete Rolle spielten, sagt EVP-Vizepräsidentin und Landrätin Sara Fritz. Und: «Es wäre gut, auch einen Kandidaten aus der politischen Mitte zu haben, denn Anton Lauber von der CVP vertritt die Mitte sicher nicht.» Davon zeuge allein schon die Tatsache, dass sich Lauber im Wahlkampf Plakate mit den Kandidaten der SVP teile, so Fritz, die sich damit nahtlos in die CVP-Kritik einreiht, die bei der EVP mittlerweile fast schon zum guten Ton zu gehören scheint.

Keinesfalls sei die Kandidatur, so sie denn zustande kommt, ein Werbe-Gag, um für die gleichzeitigen Landrats- und im Herbst folgenden Nationalratswahlen an Bekanntheit zuzulegen, versichert Geiser: «Das wäre es nur, wenn wir mit einem von vornherein chancenlosen Kandidaten antreten würden.» Noch will sich die Parteispitze nicht in die Karten blicken lassen, doch da Geiser den Bekanntheitsgrad als wichtiges Kriterium nennt, ist der Kreis der Papabile bei der kleinen EVP überschaubar: «Unsere zwei bekanntesten Mitglieder sind zurzeit sicher Elisabeth Augstburger und Thomi Jourdan», sagt Geiser und nimmt etwa sich selbst sofort als «zu unbekannt» aus dem Rennen.

Zwar möchte Sara Fritz, die zwar erst 33 Jahre alt ist, aber bereits über neun Jahre Landratserfahrung verfügt, sich persönlich noch alles offenhalten und sagt immerhin: «Zeit hat man für das, was einem wichtig ist; und Politik ist mir wichtig.» Doch überstrahlen die jüngst abgelöste Landratspräsidentin Augstburger und Jourdan, der 2013 in der Ersatzwahl gegen Anton Lauber unterlag, aber beachtliche 42 Prozent der Stimmen erhielt, Fritz deutlich.

Jourdan hat Traumjob gefunden

Allerdings sagt Jourdan ab: «Ich werde in den kommenden Jahren für keine weiteren Wahlen zur Verfügung stehen.» Zu gut gefalle es ihm in seinem neuen Job als Geschäftsführer der Basler Immobilien-Firma Trimag. Und auch im Muttenzer Gemeinderat gebe es noch «Herzensangelegenheiten», die er weiterführen wolle. Geiser erfährt von der bz von Jourdans Absage und bezeichnet sie spontan als «sehr schade».

Bleibt Augstburger. «Sie ist wegen ihres Jahres als höchste Baselbieterin in allen Köpfen. Jetzt wäre der ideale Zeitpunkt für eine Kandidatur», sagt Geiser. Das weiss auch die Liestalerin: «Schon mehrfach sagten mir auch Leute ausserhalb der eigenen Partei, dass ich für den Regierungsrat kandidieren solle», sagt sie. Doch die 57-Jährige, die nach ihrem Präsidialjahr diesen Sommer vorzeitig aus dem Parlament zurücktrat, weil sie 2019 von der Amtszeitguillotine betroffen gewesen wäre, zögert: «Ich bin noch am Überlegen.»

Augstburger: «Ich brauche Coaching»

Sie sagt zwar, dass sie noch nicht mit der Politik abgeschlossen habe: «Das Landratspräsidium hat mir sehr gefallen, vor allem die vielen Begegnungen mit der Bevölkerung.» Doch Augstburger gibt auch offen zu: «Das Amt eines Regierungsrats ist ein deutlicher Unterschied, ich bin mir der grossen Verantwortung bewusst, etwa einen Stab von Hunderten Mitarbeitern zu führen.» Und sie trägt das Herz auf der Zunge, wenn sie anfügt: «In allen meinen bisherigen Ämtern nahm ich Hilfe an und holte mir auch Hilfe. Ich brauche Coaching und will begleitet werden, dann kann ich gute Arbeit leisten.»

Kommt hinzu, dass Augstburger bisher eine reine Legislativpolitikerin war. Neben dem Landrat sass sie lange im Liestaler Einwohnerrat und kandidierte mehrmals für den Nationalrat – was sie im Herbst 2019 übrigens erneut vorhat. Anfragen, für den Liestaler Stadtrat anzutreten, schlug sie jeweils aus. Und auch ihre Teilzeitstelle, bei der sie Deutschkurse für fremdsprachige Frauen organisiere oder ihre zahlreichen sozialen Engagements, gefallen Augstburger sehr. «Das Regierungsratsamt ist aber eine 100-Prozent-Stelle, da gibt es keinen Platz daneben», sagt sie.

Dass die EVP bis Oktober – diese Frist setzt sie sich selbst – also einen Kandidaten vorweisen kann, ist unsicher. Doch Thomi Jourdan macht Augstburger Mut: «Elisabeth gehört zu den meistunterschätzten Politikerinnen Basellands. Natürlich müsste sie als Regierungsrätin einiges dazulernen, doch das mussten andere auch. Und der Vorteil eines grossen Personalstabs ist ja, dass dieser auch gewisse Führungsaufgaben übernehmen kann. Elisabeth würde unserem Kanton guttun.»