Den Einzug in die Kirche, den Moment des Triumphes geniessen – Elke Kreiselmeyer sieht, wie dankbar ihre Kommunionskinder diesen Moment annehmen: «Sie strahlen richtig.» Deshalb verzichtet die Gemeindeleiterin der Pfarrei St. Stephan Therwil/Biel-Benken auch nicht auf die kurze Prozession der Kommunionskinder durchs Dorf, die am Weissen Sonntag vom Mühlebodenschulhaus zur Kirche zog: die Musikgesellschaft Concordia voraus, die neun- bis zehnjährigen Kommunionkinder im Gänsemarsch hinterher, jedes mit einer selbst ausgesuchten Begleitperson an der Hand: Götti, Mama, Opa.

Der zweite Aufnahmeritus

Die Erstkommunion ist in der Römisch-Katholischen Kirche der zweite von drei Aufnahmeriten in die Gemeinschaft der Gläubigen und steht zwischen der Taufe als Kleinkind und der Firmung, die in der Deutschschweiz heute überwiegend mit 18 Jahren, statt wie früher üblich mit 12 Jahren gefeiert wird. Prozessionen zur Erstkommunion sind selten geworden; auch Kreiselmeyer spricht von einen Anachronismus: «Früher, als noch das ganze Dorf katholisch war, stand die Gemeinde am Strassenrand und schaute sich an, wer dieses Jahr zur Erstkommunion geht.»

Vergangene Zeiten – doch weniger festlich soll es für die heurigen 28 Kommunionskinder aus Therwil und Biel-Benken nicht werden. Kreiselmeyer ist deshalb auch dem Kirchgemeinderat sehr dankbar, dass er ein Budget für festliche Musik zur Verfügung stellte: Organist Ralph Stelzenmüller und Cellistin Caroline Ritchie spielten eines der «Lieder ohne Worte» von Felix Mendelssohn Bartholdy und den ersten Satz der Cello-Sonate von Claude Debussy. In einer Zeit, die von digitaler Musik geprägt sei, findet Kreiselmeyer erlebte Livemusik «eminent wichtig».

Weisse Einheitsgewänder

Silvia Sahli, die die Kinder als Katechetin (Lehrerin) im Kommunionsunterricht begleitete, hebt die weissen Einheitsgewänder der Kommunionskinder hervor, von denen der Weisse Sonntag seinen Namen hat: «Man sieht nicht, welchen Stellenwert die Kommunion für die Familie hat, ob die Kinder aus armen oder reichen Familien kommen.» Dieser Gedanke war der rote Faden, der sich durch den Festgottesdienst zog. Die Kinder selbst versinnbildlichten im Wettstreit mit Pappschildern, die Fuss, Hand, Ohr, Auge, Nase und Haupt darstellten, dass alle Teile trotz ihrer Verschiedenheit wichtig für das Funktionieren des Körpers und aufeinander angewiesen sind.

Dieses Bild stammt aus dem Ersten Korintherbrief, in dem Paulus derart die verschiedenen menschlichen Geistesgaben in dem einen Geist Gottes erklärt. «Das Auge kann nicht zur Hand sagen: Ich brauche dich nicht», erklärte Kreiselmeyer kindgerecht die Vorstellung vom Leib Christi als Sinnbild für die lebendige Gemeinde: «Die Teile, die am schwächsten scheinen, sind oft die wichtigsten. Wenn ein Teil leidet, leiden alle Teile mit.» Die Freundlichkeit und die guten Worte Jesu seien auch in den Menschen: «Weil wir so sein können wie er.»

Ein Bild aus Puzzleteilen

Neben den lebenswichtigen, aber unterschiedlichen Teilen eines Körpers gab es noch das Bild der Puzzleteile, die «es alle braucht für das Gesamtbild», wie Sahli sagte: «Auch wenn man oft denkt, man selbst sei nicht so wichtig.» Die Kinder hatten dazu Puzzleteile aus Pappe ausgeschnitten, auf deren einen Seite der Name, auf der anderen ein Foto angebracht war. «Ihr sollt begreifen, wie wertvoll, kostbar und wichtig ihr seid», gab Kreiselmeyer den Kommunionskindern mit auf den Weg, bevor sie als Höhepunkt des Festgottesdienstes erstmals die Kommunion mit Hostie und Kelch von Priester Heinrich Eisenreich erhielten.