Sie nennen es Medizin für die Seele. Medizin soll dabei als Metapher für Musik verstanden werden. «Musik», sagt Veranstalter Valentin Schlachter, «ist unendlich und verbindet die Menschen.» Durch die Musik würden alle eins. «Egal welcher Religion sie angehören, egal welche Hautfarbe sie haben.»

Aus den Lautsprechern drückt der Beat. Techno-Beat. Das Open Air mit dem psychedelisch anmutenden Namen «Medizin für die Seele» ist in vollem Gang. Aus allen Himmelsrichtungen strömen die Besucher auf das Open-Air-Gelände an der Neuweilerstrasse oberhalb Allschwils. Die Stimmung ist ausgelassen. Jonas mag elektronische Musik, «aber mindestens genauso wichtig ist es, mit Kollegen eine gute Zeit zu haben und den Alltag hinter sich zu lassen.»

Es läuft die sechste Ausgabe von «Medizin für die Seele». Carla erinnert sich an die erste. «Es kamen nur wenige Leute», beschreibt sie, «solche eben, welche die Veranstalter kannten.» Cosimo Antonucci und Janis Birrer bestätigen das. Gemeinsam mit Valentin Schlachter haben sie das Open Air aus der Taufe gehoben. «Zu Anfang kamen 80 Bekannte von uns vorbei», erzählt Birrer, «letztes Jahr zählten wir 1700 Besucher.» Der Anlass hat sich etabliert. Antonucci nennt die Anfänge des Open Airs «ein Familienfest», während Schlachter inzwischen von einer «Community» spricht, deren Mitglieder er nicht mehr alle kenne.

Beine tätowiert, Oberkörper nackt

Der DJ heizt ein. Tätowierte Beine springen im Rhythmus. Die Nebelmaschine pumpt ihre Schwaden durch die Gassen zwischen den Tanzenden. Manchmal mischen sich diese mit einer Wolke Hanfdampf. Ein paar Herren der Schöpfung präsentieren stolz das Ergebnis seriöser Arbeit in der Muckibude, ihre gestählten Oberkörper. Damit nichts aus dem Ruder laufen kann, verfolgt die Security das Treiben. Ruhig, jedoch mit kritischem Blick. Je länger das Open Air dauert, desto schneller und härter pulst der Beat.

«Das Open Air haben wir ins Leben gerufen, um als junge Leute etwas für andere junge Leute und die Region zu machen», sagt der 26-jährige Cosimo Antonucci. Der grösste Teil der Open-Air-Gänger ist tatsächlich in seinem Alter. Ein paar wenige aber auch doppelt so alt. Manche suchen die Trance, die der Rhythmus auslöst. So wie das Hippie-Mädchen, das barfuss tanzt. Die Sonne legt ihr ihre warmen Strahlen auf die geschlossenen Augen. Saskia, eine Freundin von Carla, führt ganz andere Beweggründe an: «Das ist eigentlich nicht meine Musik, aber ich wollte nach fünf Jahren wieder einmal diese Atmosphäre erleben.»

Das liebe Geld

Ums Geldverdienen gehe es ihnen nicht, sagen Birrer, Schlachter und Antonucci. Was sie einnehmen, würden sie in die nächste Ausgabe von «Medizin für die Seele» stecken. Gelagert werden die Batzen auf dem Konto des gleichnamigen Vereins. Janis Birrer denkt zurück an die Anfänge: «Wir mussten uns von unseren Eltern Geld leihen, um das Ganze vorzufinanzieren.» Hinterher sei alles zurück ins elterliche Portemonnaie geflossen. Heute sei dieses Problem dank dem Vereinskonto Schnee von gestern.

Die drei Macher betonen, sie legten Wert darauf, dass der Event für alle erschwinglich bleibe. Mit einem Eintritt von zehn Franken und Menüs bis zu zwölf Franken sind die Preise tatsächlich moderat ausgefallen. Entgegen kommt ihnen eine Allschwiler Gartenbau-Firma, auf deren Gelände das Open Air stattfinden kann. Ein Open Air, das die Veranstalter auch als Sprungbrett verstehen wollen.

Für die DJs, Fotografen und Filmer, die ihre Open-Air-Werke auf der Facebook-Seite des Events verlinkt finden und somit ein grösseres Publikum erreichen. Und wenn sie Zeit haben, geniessen Birrer, Schlachter und Antonucci, was sie als «unsere Musik» bezeichnen. Medizin für ihre Seele.