Bei der Uni-Finanzierung harzt es bei den Verhandlungen zwischen den beiden Basel – einig sind sich die beiden Kantone jedoch darin, wie sie im Gesundheitswesen Kosten sparen wollen. Wie die «Schweiz am Wochenende» berichtete, ist eine interkantonale Vereinbarung in Arbeit, die eine Verlagerung der Leistungen vom stationären zum ambulanten Bereich zum Ziel hat.

Patienten sollen nach bestimmten Operationen – wenn immer möglich – noch am selben Tag wieder nach Hause entlassen werden. Keine gute Idee, findet der Präsident Medizinischen Gesellschaft Basel.

Felix Eymann, die Gesundheitsdirektoren beider Basel sind daran, eine Liste zu erarbeiten mit Eingriffen und Untersuchungen, die nur noch dann abgegolten werden sollen, wenn sie ambulant vorgenommen werden. Was halten Sie davon?

Felix Eymann: Das ist ein No-Go!

Weshalb?

Das geht auf den Druck der Krankenkassen zurück. Dort sind Numismatiker am Werk, die mit dem Rechenschieber als Grundlage solche neuen Regelungen forcieren. Die Krankenkassen sind daran, eines der besten Gesundheitssysteme der Welt zu zerstören. Sie verlangen etwas, wohinter ich in dieser Form nicht stehen kann, ich muss sogar davor warnen: Das führt zu einer Billig-Medizin.

Was spricht denn dagegen, wenn Patienten am Tag der Operation wieder nach Hause gehen können?

Eigentlich nichts – aber nur, wenn der Patient oder die Patientin die Voraussetzungen dafür erfüllt. Das Problem ist doch, dass man nicht alle über den gleichen Kamm scheren darf. Kein Mensch reagiert gleich wie der andere. Es kann zu Komplikationen kommen, auch die Lebensumstände sind zu beachten.

Ein Beispiel: Ich operiere einen Hallux, also eine Fehlstellung des grossen Zehs. Es handelt sich um eine alleinerziehende Mutter, die im 4. Stock eines Altbaus wohnt, also keinen Lift benutzen kann. Wenn ich sie am gleichen Tag wieder entlassen soll, dann weiss ich mit grosser Sicherheit: Das kommt nicht gut!

Aber man muss sich doch trotzdem Gedanken machen, wie die Kosten im Gesundheitswesen reduziert werden können – gerade in Basel-Stadt: Der Stadtkanton hat die höchsten Krankenkassen-Prämien der Schweiz.

Das ist so. Das hat aber auch, oder vor allem, mit der Bevölkerungszusammensetzung zu tun, Stichwort Überalterung. Auch hier wieder ein Beispiel: Wenn ich einen 25-jährigen sportlichen jungen Mann mit einem Leistenbruch operiere, dann kann der am gleichen Tag wieder nach Hause, und zwar ohne Stöcke.

Bei einem 78-Jährigen mit Diabetes und hohem Blutdruck ist die Ausgangslage komplett anders. Ein weiterer Grund, weshalb die Kosten in einer Kernstadt wie Basel zunehmen, ist die Zuwanderung. Das hört man nicht so gerne, aber es ist so: Viele Migranten haben grossen Nachholbedarf an medizinischen Leistungen. Ein dritter Grund ist, dass man die Ärzte, vor allem die Assistenzärzte, nicht mehr 70, 80 oder sogar 90 Stunden pro Woche schuften lässt. Das ist völlig in Ordnung, aber auch das kostet.

Der Kanton Luzern hat bereits eine Liste mit ambulant vorzunehmenden Eingriffen und Untersuchungen publiziert. Die genannten Beispiele würden dort nicht zutreffen.

Aber Mandeloperationen sind auf der Liste. Was ist, wenn das Kind in der Nacht eine Nachblutung erleidet? Als Assistenzarzt habe ich genügend Kinder operiert. Ich weiss, wovon ich spreche.

Wie wäre denn Ihr Vorschlag, bei Eingriffen und Untersuchungen zu sparen?

Es braucht eine Fallpauschale für Tageschirurgie. Die geltenden Tarmed-Tarife für ambulante Eingriffe genügen nicht, da legt man als Praxis sogar drauf.

Wie sollen die Gesundheitsdirektoren von Baselland und Basel-Stadt nun weiter vorgehen? Die Steigerung der ambulanten Eingriffe ist ja Teil ihrer Planungen für eine gemeinsame Spitalgruppe.

Die Hospitalisierungsdauer sinkt bereits seit Jahren. Das ist zu begrüssen, hat aber auch mit den schonenderen Eingriffen zu tun. Wenn man aber weiter auf eine Verschiebung von stationär zu ambulant hinarbeiten will, darf man das nicht nur am Rechentisch tun. Die Kantone sollten auf die hier niedergelassenen, erfahrenen Ärzte hören, denn in jedem Kanton ist die Ausgangslage anders.