Eine knappe Dreiviertelstunde nach dem offiziellen Beginn um 17.30 Uhr dauert es, dann präsentiert sich auf dem Muttenzer Dorfplatz ein Bild, wie man es aus den vergangenen Jahren kennt. Sämtliche Tische sind bis auf den letzten Platz besetzt, vor den Verpflegungsständen, die von 280 freiwilligen Helferinnen und Helfern aus den verschiedenen Abteilungen des lokalen Turnvereins betrieben werden, herrscht Grossandrang. Daran wird sich bis zum späten Abend auch nichts ändern. Denn das ist «Jazz uf em Platz».

Alle wippen mit den Füssen

Jürg Honegger ist seit der Gründungszeit, also seit 34 Jahren im Organisationskomitee des beliebten Anlasses der Agglogemeinde. Er muss an diesem Samstagabend seinen Blick nicht gross schweifen lassen, um die Besucherzahl zu bestimmen. «Es werden auch heuer wohl 4000 bis 5000 Leute gekommen sein», sagt der OK-Chef. Etwas länger braucht Honegger, als er nach dem Erfolgsgeheimnis des Events gefragt wird. «Die Menschen, die das ganze Jahr über Jazz hören, und diejenigen, die nur an einem Tag im Jahr Jazz hören, treffen sich hier und verbringen in schöner Atmosphäre eine gute Zeit.» Denn für die Letzteren ist das Datum von «Jazz uf em Platz» eben dieser eine Tag.

Scarlett Andrews von den Christian Christl’s Vintage Blues All Stars.

Scarlett Andrews von den Christian Christl’s Vintage Blues All Stars.

Dafür, dass die Gelegenheitshörer auf ihre Kosten kommen, sorgt das Programm: Man setzt auf mehrheitsfähige Stile wie Dixieland- und New-Orleans-Jazz sowie Swing. Dazu werden die Grenzen zu Blues, Boogie Woogie und Rock’n Roll von vielen der auftretenden Formationen überschritten. Experimentelles oder Avantgarde-Jazz gibt es in Muttenz nicht auf die Ohren. «Wir wollen ja, dass die Leute bleiben», meint Jürg Honegger lachend. Er ist es übrigens, der Bands, die auf den beiden Dorfplatz-Bühnen (auf dem Mittenza-Platz steht eine weitere) spielen, gebucht hat. «Ich bin kein Jazz-Musiker, deshalb treffe ich wohl den Geschmack der Besucher.»

Tatsächlich ist die Musik der gemeinsame Nenner, der die vielen Menschen ins Herz von Muttenz geführt hat. Es gibt keinen, der nicht (mindestens) mit den Füssen wippt und mit dem Kopf nickt, wenn Christian Christl’s Vintage Blues All Stars den Mardi-Gras-Standard «Tipitina» zum Besten geben. Und wenn sich das Silvan Zingg Trio gemeinsam mit dem belgischen Tenor-Saxophonisten Peter Verhas an Duke Ellingtons Klassiker «Caravan» versucht, herrscht Gänsehaut-Atmosphäre.

Alle Generationen zugegen

Dabei sind es keineswegs nur die älteren Generationen, die den Sound schätzen. «Jazz ufem Platz» ist zu einem generationenübergreifenden Ereignis geworden. Florian Metzger beispielsweise ist Mitte 20 und outet sich als Jazz-Fan. «Ich war sicher schon die letzten fünf Jahre hier», erzählt der Prattler. Sein Kumpel Joel Altwegg würde sich zwar nicht als Fan bezeichnen, «doch ich bin bestimmt näher am Jazz als viele in meinem Alter». Als Muttenzer ist er natürlich nicht zum ersten Mal bei «Jazz uf em Platz», im Gegensatz zu seiner Freundin Anna Wyss. Doch auch die junge Baslerin macht keineswegs den Eindruck, fehl am Platz zu sein – im Gegenteil. «Was ich bis jetzt gehört habe, gefällt mir», sagt sie.

Junge Stammgäste

Noch ein ganzes Stück jünger sind Simon Lüdi sowie Cyrill und Simon Pilotti. Die waschechten Muttenzer sind jedes Jahr bei «Jazz uf em Platz» anzutreffen. «Seit wir davon wissen, sind wir immer dabei», bestätigt der 13-jährige Cyrill.

Auf die Frage, was denn an diesem Anlass besonders toll sei, antwortet sein fünf Minuten älterer Zwillingsbruder Simon: «Die Verpflegung! Vor allem die Schnitzelbrote sind super, nur heissen sie hier anders.» Doch auch die Musik gefällt dem Trio, das normalerweise Pop hört. Dann sagt der zwölfjährige Simon Lüdi den Satz, der wohl den meisten Besuchern aus dem Herzen spricht: «Es ist eine schöne Abwechslung zu dem, was man sonst so zu hören bekommt!»