André Dosé (56), Verwaltungsratspräsident der BLT Baselland Transport AG, ist enttäuscht. Er bedauert das Verhalten von Martin Gudenrath, Präsident der Basler Verkehrs Betriebe (BVB): «Ich habe noch immer keinen Gesprächstermin erhalten», klagt der Berner. Vor fünf Monaten hatte Dosé dem BVB-Präsidenten geschrieben und ihm eine Aussprache vorgeschlagen, um «einige Störfaktoren aufzuzeigen und zur Sprache zu bringen».

Einen Störfaktor hat die «Schweiz am Sonntag» mit dem Artikel «Streit um 250 Meter Schiene» Anfang Mai publik gemacht: Die BVB wollen nicht hinnehmen, dass die BLT den Zuschlag für die neu geplante Tramlinie vom Leimental über eine rund 20 Millionen Franken teure neue Strecke über den Margarethenstich zum Centralbahnhof bis zum Wettsteinplatz, zur Messe und zum Badischen Bahnhof erhält. Die BVB schlagen vor, die Linie gemeinsam zu führen.

BVB sei zu weit gegangen

Eine solche Lösung lehnt die BLT ab. Selbst Dosé, sonst als VR-Präsident diskret im Hintergrund, ging in die Offensive. Die BVB hätten «mit falschen Fakten» eine Linie überschritten, sagt Dosé. Der Streit dauert an. Zu einer Aussprache kommt es vorderhand nicht. BVB-Präsident Gudenrath betont zwar, dass für ihn «der Dialog mit der BLT sehr wichtig ist»: «Ein Gesprächstermin wird entsprechend den Gepflogenheiten in direktem Kontakt und zu gegebener Zeit vereinbart werden», wehrt sich Gudenrath.

Dosé muss sich weiter gedulden

Er bleibt cool, was nicht erstaunt. Der Berner hat als CEO bei der viel grösseren Swiss gelernt, wie er mit Problemen umgehen muss. Ihm hilft dabei sein Kommunikationstalent. Mit seiner sonoren, ruhigen Stimme legt er auch dar, warum eine Fusion von BLT und BVB derzeit nicht infrage komme: Solange es die Kantone Basel-Stadt und Baselland gebe, werde ein Zusammenschluss der beiden grundverschiedenen Verkehrsbetriebe wegen mangelnder Effizienz zu höheren Kosten führen.

Nach Rückschlägen wieder im Steigflug

Der gelernte Pilot, der sich als CEO der Crossair und der Swiss zum Manager weiterbildete, ist nach Rückschlägen heute wieder im Steigflug. «Als Manager liebe ich schwierige Themen. Diese machen viel mehr Spass», sagt Dosé. So hat er als neuer Präsident den Zürcher Fussballclub Grasshoppers (GC), der mit finanziellen Problemen kämpft, nach nur einem Jahr stabilisiert und mit dem Cupsieg ausgerechnet gegen den FC Basel zu neuen Höhen geführt.

Der Multi-Verwaltungsrat

Der Aviatik-Spezialist hat sich in den letzten Jahren zu einem Multi-Verwaltungsrat entwickelt: Neben seiner Beratungsfirma André Dosé Consulting GmbH (Baar) und seinen Mandaten bei der BLT und der IT-Firma Redtoo (Reinach) ist er im Gasgeschäft tätig. So ist er Präsident des Gasverbunds Mittelland und Vizepräsident der Swissgas, der Schweizerischen AG für Erdgas. Ab April 2014 ist er neuer Präsident des Garantiefonds der Schweizer Reisebranche. «Eine gute Wahl für uns», sagt Walter Kunz, Geschäftsführer des Schweizer Reisebüro- Verbands.

Swiss war seine schwierigste Aufgabe

Extrem schwierig war Dosés Aufgabe als CEO der neuen Airline Swiss, die er auf den Trümmern der Pleite-Swissair aufbauen musste. Eine grosse Herausforderung für den Piloten, der über keine ökonomische Ausbildung verfügt. Dosé stiess hier an seine Grenzen, was auch darauf zurückzuführen war, dass er sich stets gegen Kritik von besserwissenden ehemaligen Swissair-Leuten zu wehren hatte.

Er brachte die Swiss ab dem 31. März 2002 zwar zum Fliegen. Seine Vergangenheit als Crossair-CEO holte ihn aber ein, als er sich wegen des Absturzes einer Crossair-Maschine 2001 in Bassersdorf mit 24 Toten verantworten musste. Das Bundesstrafgericht sprach ihn 2008 zwar frei. Wegen des Verfahrens legte ihm der Swiss-Verwaltungsrat aber bereits 2004 nahe, zurückzutreten.

Breit abgestützt

In dieser Zeit der persönlichen Niederlage kam das Angebot der BLT für einen Sitz im Verwaltungsrat im richtigen Moment. Die Idee dazu hatte BLT-CEO Andreas Büttiker: «Mir haben die Frische des Auftritts und die Kosteneffizienz der Regionalfluggesellschaft Crossair stets gefallen», sagt Büttiker. Also schlug er 2004 Dosé der damaligen BLT-Präsidentin und Regierungsrätin Elsbeth Schneider-Kenel als VR-Mitglied vor. Schneider sei hell begeistert gewesen. Seit drei Jahren ist Dosé BLT-Präsident.

Der Pilot bei der BLTlässt Basler Verkehrspolitiker witzeln. Dosé bringe die BLT-Trämli wohl noch zum Fliegen, spöttelt SP-Grossrat Jörg Vitelli. Und Basta-Grossrat Urs Müller sieht Dosé als Erfüllungsgehilfen von BLT-CEO Büttiker, der dort das grosse Sagen habe.

Ein ehemaliger Pilot der Crossair doppelt nach: Auch bei der Regionalfluggesellschaft habe der ehrgeizige Dosé bereitwillig alles gemacht, was ihm Crossair-Chef Moritz Suter aufgetragen habe. Büttiker ist des Lobes voll über den «bodenständigen» Dosé. Er habe ein totales Vertrauensverhältnis und bespreche alles mit ihm. Dosé, «ein absoluter Profi», unterstütze ihn, wo er nur könne, bestätigt Büttiker.

Erfahrungen im Coaching

Der ehemalige Swiss-CEO konzentriert sich nicht nur auf strategische Fragen. Laut Büttiker wirkt er auch als Coach der gesamten Geschäftsleitung. So habe Dosé der Geschäftsleitung Weiterbildungen und Assessments verpasst, um das Potenzial zu klären. So musste sich gemäss Büttiker jedes BLT-Geschäftsleitungsmitglied einer zweitägigen Bewertung durch einen externen Coach unterziehen: Zuerst ging es mit dem Coach auf eine Wanderung zum Beispiel im Toggenburg, auf der in Gesprächen Ziele und Vorstellungen besprochen wurden.

Danach ging es in eine Berghütte, in der jeder mittels spezieller Testfragen bewertet wurde. In diesem Bereich kann Dosé auf seine langjährigen Erfahrungen in der Selektion von Piloten zurückgreifen.

Tram- und Flugverkehr durchaus ähnlich

Grundsätzlich glaubt Grossrat Müller aber, dass Trämli mit dem Flugverkehr nicht zu vergleichen seien. Diese Kritik lässt Michael Wette, Aviatik-Spezialist bei der deutschen Unternehmensberatung Roland Berger, nicht gelten. Tram- und Flugverkehr seien als Teile des Transports mit ihren Netzen und den hohen Infrastrukturkosten durchaus ähnlich.

Wette, der Dosé seit langem kennt, bezeichnet ihn als Teamplayer. Er wisse sehr genau, was er könne – für das, was er nicht könne, hole er einen Experten als Gegenpart, sagt Wette.

Einzig Dosés Mandat beim Zürcher Fussballclub GC passt nicht zur BLT, die ihren Verkehrsraum in der Fussballhochburg des FC Basel hat. Büttiker freut sich dennoch, wenn Chef Dosé mit GC Erfolg hat.