Die SP Baselland erwartete hohen Besuch: Doch die Tessiner Nationalratspräsidentin Marina Carobbio hatte Verspätung. Kantonalpräsident Adil Koller nahm dies geschickt in seine Begrüssungsansprache auf, als die höchste Schweizerin doch noch auftauchte. «Das lange Warten hat ein Ende. Einen langen Atem brauchen wir auch bis zum 31. März. Wir werden in diesen drei Monaten alles geben.» 

Und dann begrüsste Koller «die erste SP-Frau in der Baselbieter Regierung» Kathrin Schweizer auf der Bühne im Schulhaus Donnerbaum in Muttenz. Es war ein selbstbewusster Auftakt zum diesjährigen Dreikönigstreffen, das alljährlich das sozialdemokratische Jahr im Baselbiet einläutet. Die SP will raus aus der Opposition, zurück an den Regierungstisch. Wieder mitbestimmen und mitgestalten. 

«Wichtig, dass Rot-Grün zulegt» 

Während sich Adil Koller von seiner gewohnt offensiven Seite zeigte, trat Regierungsratskandidatin Kathrin Schweizer, die in Muttenz ein Heimspiel genoss – sie ist auch Gemeinderätin –, betont zurückhaltend auf, in manchen Situationen fast schon konziliant. Nur selten sandte sie während des Gesprächs mit Marina Carobbio und Parteisekretärin Lisa Mathys als Moderatorin Spitzen in Richtung politische Gegner. 

Beim Thema Frauen und Gleichstellung, ein Hauptanliegen der Tessinerin, wurde Schweizer aber deutlich. «Es ist wirklich beängstigend, wie borniert und einseitig gegen die Gleichstellung im Baselbieter Landrat gearbeitet wird.» Es brauche nun andere Mehrheiten im Parlament, schlussfolgerte sie und rief in den vollbesetzten Saal: «Es ist wichtig, dass Rot-Grün zulegt.» Das freute die Genossinnen und Genossen, angeführt von Nationalrätin Samira Marti und Nationalrat Eric Nussbaumer. Auch Grünen-Nationalrätin Maya Graf, eine Partnerin im Geiste, stimmte in den Jubel mit ein. Im Herbst kämpft sie wohl mit Nussbaumer um den Baselbieter Sitz im Ständerat. 

10'000 Gespräche 

Im Gespräch mit Lisa Mathys betonten Kathrin Schweizer und Marina Carobbio periphere Gemeinsamkeiten zwischen der Region Basel und dem Tessin. Der Service Public sei wichtig und ein Kernanliegen der SP, postulierte die Nationalratspräsidentin. Das gelte auch fürs Baselbiet, so Schweizer. Zum Beispiel beim öffentlichen Verkehr. Dabei gehe es darum, die Anliegen der Agglomeration und der ländlichen Randregionen zu berücksichtigen. 

Kathrin Schweizer denkt aber gar nicht ans Jammern, wenn es um die Anliegen der Region Basel in Bern geht. Sie sieht die Lage des Baselbiets positiv. «Wir liegen in der Mitte von Europa und nicht am Rand der Schweiz.» Mit dem «Herzstück» würde die Region noch enger zusammenrücken. Doch dafür brauche es Vertreter in Bern, die nicht nur parteipolitisch, sondern auch regional denken. 

Kathrin Schweizer als Staatsfrau, Adil Koller als Lautsprecher – die Rollen in der SP sind klar verteilt. Inhaltlich ticken sie gleich, betonen beide gegenüber der bz. Beide verbindet auch das gute Gefühl. «Wir spüren, dass viele Leute nicht zufrieden sind, wie es aktuell im Kanton läuft», sagt Schweizer. «Viele sind der Meinung, weiter wie bisher ist keine Lösung.» Die Forderungen im Wahlkampf seien die gleichen wie während der Legislatur in der Opposition. Nun gehe es darum, so Adil Koller, die Leute an die Urnen zu holen. Dafür will die SP 10 000 Gespräche führen. Am Telefon und auf der Strasse.