Der Aufmarsch im Gemeindehaus der Ortschaft im Thierstein war wie erwartet riesig. 91 stimmberechtigte Zullwilerinnen und Zullwiler stellten sich am Donnerstag die Frage, ob die Gemeindeverwaltung im 630-Seelen-Dorf bleiben soll. Oder ob man sie in den Bezirkshauptort Breitenbach und in die Dorneckberger Gemeinde Büren verschieben möchte. Dort würde sich künftig die Finanzverwaltung befinden, während die Einwohnerkontrolle neu in Breitenbach angesiedelt wäre. In Zullwil verbleibt ein Gemeindeschreiber mit reduziertem Pensum, der Schreibarbeiten für den Gemeinderat übernimmt und der Bevölkerung als Ansprechperson zur Verfügung steht.

 Durch eine Auslagerung könnten langfristig Kosten eingespart werden, sagte Gemeindepräsident Roger P. Hänggi. Sofern man das Katzenflühli, in dem heute die Gemeindeverwaltung untergebracht ist, vermieten könne, spare man ab 2017 pro Jahr rund 13 000 Franken. «Ausserdem reduzieren sich die Personalrisiken und der Führungsaufwand für den Gemeindepräsidenten», argumentierte er. Ein Wegzug der Verwaltung führe jedoch womöglich zu einem Identifikationsverlust, da Dienstleistungen der Gemeinde künftig ausserorts erbracht werden. Um beispielsweise eine Identitätskarte zu beantragen, müssten die Zullwiler nach Breitenbach gehen. «Was ist es uns wert?», fragte Hänggi in die Runde.

Eine Person pro Tag auf Verwaltung

Fakt ist, dass die Zullwiler Gemeindeverwaltung nur schwach frequentiert wird. Nur eine Person nehme durchschnittlich pro Tag ihre Dienste in Anspruch, erklärte die abtretende Gemeindeschreiberin Claudia Ackermann. Und dies, obwohl die Bevölkerungszahl in den letzten Jahren gestiegen ist.

Nichtsdestotrotz war bei vielen Stimmberechtigten die Angst vor einer Auslagerung zu spüren. Was unter anderem daran liegt, dass dem Dorf in den letzten Jahren zahlreiche Institutionen abhandengekommen sind. So schlossen die Post und die Raiffeisenbank ihre Filialen. «In Zullwil gibt es nur noch zwei Restaurants, einen Dorfladen und die Gemeindeverwaltung», bedauerte der frühere Gemeinderat Martin Altermatt.

Man senke mit dem Wegzug die Attraktivität des Dorfes und schade älteren Menschen, für welche die Wege nach Breitenbach oder Büren oftmals mit Strapazen verbunden wären, fand ein Anwesender. Viele Versammlungsteilnehmer wiesen überdies darauf hin, dass es alles andere als sicher sei, dass man das Katzenflühli dereinst vermieten könne.

Immer wieder wurde der Vorwurf laut, dass die ausserordentliche Gemeindeversammlung zu kurzfristig einberufen worden sei. Erst am Donnerstag vor einer Woche hatte die Gemeinde der Bevölkerung ihre genauen Pläne vorgestellt. Er stelle hiermit den Antrag, am kommenden eidgenössischen Abstimmungssonntag per Urnengang über die Auslagerung zu befinden, sagte Charles Rippert. Woraufhin sich 40 Stimmberechtigte für und 43 Stimmberechtigte gegen seinen Antrag entschieden. Da aber laut Gemeindeordnung für eine Volksabstimmung nur ein Drittel aller Stimmen notwendig sind, werden die Zullwiler an die Urne gebeten.

Am 28. Februar wird es dazu jedoch noch nicht kommen. Er habe sich bei der Staatskanzlei erkundigt, sagte Roger P. Hänggi am Tag nach dem Entscheid auf Anfrage. «Wir hätten nur bis heute Samstag gehabt, um die Abstimmung anzumelden. Das war zu kurzfristig.»

Wann immer es zur Volksabstimmung kommt – die Stimmung an der Gemeindeversammlung deutet darauf hin, dass sich die Zullwiler gegen eine Auslagerung entscheiden werden.