Erstmals hat die Nordwestschweizer Alphornvereinigung ihr jährliches Wettblasen auf dem Langenbrucker Helfenberg durchgeführt. Umgeben von einer passend herrlichen Landschaft, trafen sich gegen 80 Bläserinnen und Bläser des archaischen Horns zu Vorträgen, die von einer Fachjury bewertet wurden. Abschluss und Höhepunkt war der Gesamtchorvortrag aller Bläserinnen und Bläser, untermalt von Fahnenschwingern.

Verwandtschaft hat es rund um den Globus, das Alphorn. In manchen Kulturen gehören Instrumente aus einfachen Holzrohren zu den allerältesten musikalischen Manifestationen. Es war eine Kommunikationsmöglichkeit über Berge, Hügel und Täler hinweg. Hirten haben ihr Vieh vor dem Einnachten zusammen gerufen, und heute erlebt das urchige Horn eine Renaissance.

Wer am Horn bloss gestandene Mannsbilder erwartet, wurde am Wettblasen in Langenbruck eines Besseren belehrt. Die Bescheidenheit, sich bloss auf die Naturtöne einzulassen, die das simple Rohr aus Holz zu bieten hat, findet zunehmend Liebhaber, auch bei einer jüngeren Generation. Das Alphorn ist weder mit Klappen noch mit Ventilen ausgestattet. Der Ton wird mit den Lippen am Mundstück erzeugt, das verlangt Übung und Erfahrung.

Weniger ist mehr

Ein Gericht mit wenigen Gewürzen oder ein Bild mit beschränkter Farbwahl regt die Fantasie an. Exakt so ist es beim Alphorn und den Naturtönen: Die Auswahl ist beschränkt, und das löst Gefühle aus und sorgt für Freiräume. Diese Freiheiten schätzt die jüngste Bläserin, die auf dem Helfenberg aufgetreten ist. Seit ihrem fünften Lebensjahr habe Anna Rudolf von Rohr von einem Alphorn geschwärmt, erzählte ihre Mutter. «Wir sind oft in den Bergen gewandert, Anna hat das Alphorn so kennen gelernt.»

Die Fünftklässlerin aus dem solothurnischen Selzach spielt nun seit einem knappen Jahr Alphorn. Immer donnerstags hat sie Stunde bei Ruedi Bauriedl aus Bettlach. «Sie ist absolut talentiert», schwärmt der Lehrer, «sie beherrscht, was andere in sechs Jahren nicht können.» Anna übt täglich im Freien, «die Nachbarn stört es nicht, im Gegenteil» sagte die junge Schülerin. «Am Steinsee» heisst die Komposition, die sie am Wettblasen ganz allein vorgetragen hat, und danach noch im Duett mit ihrem Lehrer das Stück «Akelei».

Am schönsten bei Regen

Das Trio Fröschental spielte am Wettblasen den «Geisshübeler». Hans Hunziker, Kurt Nützi und Walter Ruf leben in Rothrist. Der «Geisshübel» ist eine Dorfbeiz – hinter mancher Komposition steckt bei den Alphornbläsern eben eine Geschichte. Hans Hunziker kam mit 50 Jahren zum Alphorn. «Meine Frau hat mir damals zum runden Geburtstag ein Alphorn geschenkt, seither bin ich davon einfach infiziert», sagte er lachend. «Wir üben zweimal die Woche, vor wichtigen Anlässen sind es dreimal, sonst geht der Ansatz verloren.»

Die ersten Stunden hat er bei Hugo Tschumi in Murgental genommen. Tschumi bläst mit Frau Ursula zusammen im Murgentaler «Alphornensemble 2000». In Langenbruck machte das Paar die Ansage der Interpreten, der Kompositionen sowie der Komponisten. Die Jury war versteckt hinter Zeltplanen, die Namen der Bläserinnen und Bläser wurde nie angesagt.

«Wir üben in der warmen Jahreszeit immer im Murgentaler Wald», sagte Ursula Tschumi. «Am schönsten tönt es nach einem Regen, wenn die Blätter noch regennass sind», ergänzte Hugo Tschumi. In Langenbruck waren die fast tropischen Temperaturen etwas zu hoch. Dennoch waren die angereisten Bläserinnen und Bläser und das Publikum vom Anlass begeistert.