Das Ja zu Harmos lässt die Kritiker nicht verstummen. Im Gegenteil: Der Lehrerverband Baselland (LVB), der sich gegen die Harmos- und die Sonderpädagogik-Vorlage gestellt hat, will bei der Umsetzung der Reformen ein Wörtchen mitreden.

Geschäftsführer und Vizepräsident des LVB, Christoph Straumann, deponiert seine Forderungen an Bildungsdirektor Urs Wüthrich bereits heute. Gewisse arbeitsrechtliche Fragen seien noch nicht geklärt, etwa beim Wechsel von Lehrern der Sekundar- an die Primarschule. «In der Harmos-Vorlage ist zwar bereits ein gewisser Betrag enthalten. Sollte sich allerdings herausstellen, dass dieser für eine faire Übergangsregelung nicht genügt, müsste der Kanton eine Erhöhung der Gelder ins Auge fassen.» Auch bei der Sonderpädagogik fordert Straumann eine Nachbesserung bei den Ressourcen.

Jetzt geht es an die Umsetzung

Roland Plattner, Generalsekretär des Bildungsdepartements, kann die voreiligen Ansprüche nicht nachvollziehen. «Bevor mehr Geld gefordert wird, ist jetzt zuerst einmal im Detail zu klären, wie viel von den Mitteln, die der Landrat gesprochen hat, tatsächlich beansprucht werden müssen.» Dass auch die Gewerkschaft bei der konkreten Umsetzung einbezogen wird, ist für Plattner klar. «Doch wir mussten abwarten, wie das Stimmvolk entscheidet. Jetzt können wir bei der detaillierten Umsetzungsplanung zeit- und stufengerecht die nötigen Entscheidungen herbeiführen.»

Weitere Ansprüche des LVB gehen über die Bildungsvorlagen hinaus. So fordert Straumann, dass die Pflichtstunden pro Lehrer reduziert werden. «Künftig werden die Schüler vermehrt durch ein Team von Lehrern unterrichtet. Absprachen zwischen den Lehrpersonen werden nötig. Dafür ist jetzt zu wenig Zeit vorgesehen.»

Grünen-Landrat und Sekundarlehrer Jürg Wiedemann sieht ebenfalls Handlungsbedarf. Neben weniger Pflichtstunden macht er sich für eine kleinere maximale Klassengrösse stark. Von ihm ist ein Vorstoss im Landrat hängig. Diese Forderung steht im Gegensatz zur Regierung, welche die maximal zugelassene Klassengrösse konsequenter ausnutzen will. Damit möchte das Bildungsdepartement kantonsweit rund zehn Sekundarschulklassen einsparen.

Zusätzlicher Effort von Lehrern gefordert

Für Plattner sind diese Forderungen nicht neu. «Die Frage ist, welche Mehrkosten dies zur Folge hat.» Erst letzte Woche hat die Regierung mit dem Budget 2011 klargemacht, dass auch im Bildungsbereich gespart werden muss. Für Wiedemann geht das nicht auf: «Von den Lehrern fordert der Kanton bei der Harmos-Umsetzung einen zusätzlichen Effort, gleichzeitig aber müssen sie mit Einbussen bei ihrem Lohn rechnen.»

Bildungsdirektor Urs Wüthrich, der seit gestern in den Ferien weilt, wünscht sich nach der gewonnenen Abstimmung, dass die Gräben in der Lehrerschaft zugeschüttet werden. In einem internen Schreiben an Kadermitarbeiter macht er deutlich, dass bei der Umsetzung der Bildungsvorlagen auf «minutiöse Organisation» und «umfassende Kommunikation» geachtet werden soll. Er will auch die im Vorfeld der Abstimmung geäusserten Bedenken «analysieren und diesen gebührend Rechnung tragen.» Der Kommentar von Wiedemann dazu: «Ich messe Wüthrich nicht an den Worten, sondern an den Taten.»