Über eine schmale Leiter klettert Anton Haller mit seinem Besuch aufs Dach seines Hauses. Oben angekommen blendet eine Photovoltaikanlage, heutzutage kein überraschender Anblick. Doch die Photovoltaikanlage auf seinem Dach montierte Haller bereits in den frühen 1990er-Jahren. Eine Pionierleistung. Und sie wurde Anschauungsunterricht: «Mehrere hundert Studenten waren schon hier oben und haben meine Anlage angeschaut.»

Der heute 84-Jährige hat 1990 eine erste Anlage zur Warmwasseraufbereitung installiert. Zwei Jahre später folgte die Photovoltaikanlage. Nunmehr 27 beziehungsweise 25 Jahre sind die Anlagen alt. Sie liefern heute mehr Strom als zu Anfangszeiten — ohne, dass er die Solarmodule durch modernere ersetzt hätte. Eigentlich dachte Haller, die Module würde über die Jahre weniger Strom produzieren. «Doch die verstärke Sonneneinstrahlung hat dies mehr als ausgeglichen. Das hat mich schon verblüfft.»

Daten sammeln als Leidenschaft

In Hallers Keller steht das technische Equipment für den Betrieb der Anlage. Auf einem Tischchen steht ein Laptop, darüber hängen Messinstrumente, alle neueren Datums. Haller hat seine Anlage immer wieder modernisiert. Die letzte Anschaffung hat er erst vor kurzem getätigt, um noch mehr Daten von der Anlage zu bekommen.

«Momentan funktionierts noch nicht ganz. Zwar liefert die Software 100 verschiedene technische Datensätze, aber nicht, was ich will», schmunzelt Haller. Er liebt es, Dinge zu messen: «Déformation professionelle.» Bis 2002 hat er sich verpflichtet, seine aufwendigen Messungen an den Kanton weiterzuleiten. Danach machte er es eine Zeit lang freiwillig. Und heute sammelt er die Daten für den Eigengebrauch.

Am Anfang seiner Bemühungen Energie effizient zu nutzen, stand jedoch nicht die Solaranlage auf dem Dach. Er isolierte zuerst einmal sein Haus: «Die Handwerker haben damals den Kopf geschüttelt. So eine Isolation bräuchte man in St. Moritz, aber nicht im Baselbiet.» Dreimal dicker als üblich war die Isolation: Minergie in Kinderschuhen sozusagen. Doch das war für Anton Haller nicht genug. Sonnenkollektoren mussten her.

Haller war ein Pionier. Weniger aus politischer Überzeugung, wie er sagt, sondern vielmehr aus Ingenieurstolz. «Ich konnte nicht akzeptieren, dass Energie einfach so verbrannt wird», so der Mess- und Regelingenieur. Pragmatik habe ihn dazu gebracht, als einer der ersten im Baselland eine Photovoltaikanlage zu bauen. «Wenn ich vom Kanton nicht subventioniert worden wäre, hätte ich die Anlage nicht gebaut», gibt Haller zu.

45 000 Franken musste Haller damals für Anlage zahlen. Eine ähnliche würde heute die Hälfte kosten, sagt er. Für die Warmwasseraufbereitung musste er 22 000 Franken aufwerfen. Und die hätten sich gelohnt, sagt Haller. 70 000 Kilowattstunden Strom habe die Anlage über die Jahre produziert. 25 Prozent brauche er selbst. Der Rest geht ins Stromnetz, bis vor sieben Jahren ohne wirkliche Vergütung. Einzig der Stromleser zählte rückwärts.

«Ein Volk von Einsprechern»

Haller ist überzeugt von der Photovoltaik. Das war vor allem in den 1990er-Jahren nicht selbstverständlich. «Man war nicht bereit, auch nur kleine Beträge für erneuerbare Energien auszugeben», fasst er die Stimmung damals in seinem Umfeld zusammen. Das sei etwas, was er bis heute nicht verstehen könne. «Vielleicht war ideologische Verblendung der Grund», winkt Haller ab und erzählt eine Anekdote: Auf einem Haus ganz in der Nähe habe keine Photovoltaikanlage gebaut werden dürfe.

Man wollte die Ortskernzone von Arlesheim erhalten. Keine 100 Meter entfernt steht seine eigene Anlage. Seit 25 Jahren. «Wir sind ein Volk von Einsprechern», sagt Anton Haller. Es brauche etwas sanften Druck, um in Sachen Energieentwicklung in der Schweiz vorwärtszumachen. Ein Ja bei der Energiegesetzabstimmung am Sonntag sei deshalb «absolut extrem wichtig».