Herr Lauber, Sie bezeichnen die Prognosen der Nein-Kampagne als fragwürdig. Ist Ihrer Meinung nach der Abstimmungskampf bisher unfair verlaufen?

Anton Lauber: Nein, damit haben wir schon gerechnet. Deshalb haben wir bereits letztes Jahr den Gemeinden angekündigt, dass wir dieses Berechnungstool zur Verfügung stellen werden. Damit haben die Gemeinden ein Instrument, um möglichst nah an das künftige finanzielle Szenario heranzukommen. Aber alle Schätzungen sind immer Prognosen, und die sind über einen Zeitraum von vier bis acht Jahren schwierig aufzustellen.

Sie werfen den USR-III-Gegnern Schwarzmalerei vor.

Das Gesamtbild ist gefragt. Es ist wichtig, die Berechnungen dynamisch zu gestalten. Man kann nicht einfach linear durchrechnen. Ein minimales Wachstum bei den Gewinnsteuern darf man den Berechnungen zugrunde legen. Dieses Steuerwachstum ist nicht zu verwechseln mit dem Bruttoinlandprodukt. Wir weisen nebst den möglichen Negativeinflüssen auch auf die positiven Einflüsse hin. Insgesamt sind unsere Schätzungen durchaus realistisch.

Wird da nicht etwas schöngefärbt?

Nein, überhaupt nicht. Unser Ziel ist, objektiv zu informieren. Und letztlich können sich die Gemeinden mit diesem Tool ein eigenes Bild machen. Das Berechnungstool wurde von der Steuerverwaltung erarbeitet und ist nicht politisch motiviert. Ich hatte darauf keinen Einfluss.

Politisch gesehen gab es einige Misstöne. Muttenz hatte eine Ausfall-Prognose aufgestellt, die sogar noch schlechter ausfällt als die der USR-III-Gegner.

Diese Prognose wird anders aussehen, wenn sie mit unserem Berechnungstool durchgeführt wird, das den kantonalen Finanzausgleich sowie die Ausgleichszahlungen des Bundes mitberücksichtigt. Die Gemeinde Muttenz ist mit ihrer guten Erschliessung so attraktiv, dass sie langfristig für Statusgesellschaften zu einem noch interessanteren Standort wird, als das heute schon der Fall ist. Aber in jeder Gemeinde kann es zwischenzeitliche Engpässe geben. Ich bleibe bei der Überzeugung, dass die USR lll eine Investition ist, die am Anfang kostet, in Zukunft aber dank erhöhter Wettbewerbsfähigkeit höhere Steuererträge ermöglichen wird.

Werden Sie ihren Parteifreund Peter Vogt ins Gebet nehmen?

Nein, das wird nicht notwendig sein. Er darf seine Bedenken frei äussern. lch hoffe, unser Berechnungstool wird diese dann etwas lindern. Zudem bin ich überzeugt, dass die Gemeinde mit ihren Firmen vor Ort vertiefende Gespräche suchen wird.

Das neue Berechnungstool berücksichtigt den Finanzausgleich. Das war zuvor nicht der Fall. Sie haben Liestal als Modellgemeinde neu berechnet. Aus einem Verlust wird so für die Stadt ein Plus im ersten «richtigen» USR-III-Jahr 2024.

Wir zeigen damit vor allem auf, dass der Einfluss des kantonalen Finanzausgleichs sehr gross ist. Man sollte aber die Diskussion nicht anhand einzelner Gemeinden führen. Denn zum Beispiel Allschwil ist mit seinen vielen Statusgesellschaften stark betroffen wie auch Reinach oder Pratteln, das im Finanzausgleich in den vergangenen Jahren von einer Empfänger- zu einer Gebergemeinde mutiert ist. In allen drei Orten befürworten die Gemeindepräsidien die USR lll ausdrücklich.

Was gäbe es überhaupt für Alternativen?

Bei all diesen Prognosen - von ganz schlecht, bis sehr optimistisch - frage ich: Muss man mehr an Prognosen glauben oder das System verifizieren? Die Frage lautet: lst das zugrundeliegende System richtig? Und da kann ich im Fall der USR lll ganz klar sagen: Ja. Wir brauchen die Reform. Viele Firmen, die bisher sonderbesteuert wurden, geraten mit dem internationalen lnformationsaustausch unter Druck. Einige wollen ihren Status sogar freiwillig abgeben, damit sie nicht auf eine schwarze oder graue Liste geraten. Wir sehen: Wir müssen reagieren, wir müssen mit unserem Steuersystem konkurrenzfähig bleiben.

Aber für die Grosskonzerne nimmt die Belastung mit dem neuen Steuersatz tendenziell zu.

Das ist richtig. Es ist in diesem Sinn auch keine Reform für die Grosskonzerne. Aber lnstrumente wie Patentbox, lnputförderung und zinsbereinigte Gewinnsteuer beansprucht auch Europa für sich. Und wir erheben für die Schweiz genau dieselben Ansprüche.