Herr Lauber, was nehmen Sie aus dieser Monster-Debatte um die Uni-Finanzierung mit?

Anton Lauber: Ich fand sie gut. Demokratie bedeutet diskutieren. Sie bedeutet auch, Fragen zu stellen. Das haben wir ja an der Uni gelernt. Im Raum stand aber auch der Vorwurf, man wolle die Uni zu Tode sparen. Solche Polemiken bedaure ich sehr, denn sie sind schlichtweg falsch. Es ist aber wichtig, dass wir nach zehn Jahren beginnen, Fragen zum Staatsvertrag zu stellen.

Nüchtern muss man aber festhalten, dass das einzige Postulat, das finanziell ins Gewicht gefallen wäre – 40 Millionen sparen bei der Forschung – abgelehnt wurde. Da bleibt doch letztlich kaum mehr als ein ganz allgemeines Signal des Landrats.

Es ist nicht an mir, die Qualität der Postulate zu kommentieren. Mit der Überweisung von 6 der 7 Vorstösse hat der Landrat aber ein Zeichen gesetzt. Ausserdem ist es gar nicht Aufgabe des Parlaments, ins operative Geschäft einzugreifen und selber Sparmöglichkeiten zu definieren. Das Signal war heute also wohl tatsächlich das Wichtigste am Ganzen. Von der Uni wird nun ein Schritt erwartet. Dieses Signal ist für mich wichtig beim weiteren Verhandeln mit Basel-Stadt, insbesondere bei der Frage des Kostenteilers.

Während der Debatte fanden Sie dazu klare Worte: Was ist ihre
Erwartung?

Die paritätische Unifinanzierung ist heute nicht mehr gerechtfertigt. Der Kostenteiler besteht seit dem Staatsvertrag von 2007 und bedeutet, dass das Uni-Defizit je hälftig von beiden Basel bezahlt wird. Das wurde so fixiert, statisch, ohne Dynamik. Das ist falsch für Verträge, die partnerschaftlich organisiert sind und einen langfristigen Horizont haben.

An was sollte sich der Kostenteiler ihrer Meinung nach denn orientieren?

Da gibt es verschiedene Überlegungen. Eine Möglichkeit wäre die Wertschöpfung, doch eignet sie sich nur bedingt für ein Finanzierungsmodell, da sie nicht strikt nach Stadt/Land konkretisiert werden kann. Dann gäbe es noch die Steuerkraft. Hier reden wir vom Ressourcenpotenzial, wie es beim Finanzausgleich erhoben wird. Doch geht es hier ja nicht um eine Umverteilung von Finanzmitteln, sondern um die Finanzierung einer bestimmten Institution. Zu diskutieren wäre weiter, das Kosten/Nutzen-Verhältnis herbeizuziehen. All dies können aber nur Kriterien sein für die Verhandlungen auf der Suche nach einem neuen Schlüssel.

Würden Sie den Vorschlag von SVP-Landrat Hanspeter Weibel, einen Kostenschlüssel von 65 zu 35 Prozent zugunsten Basellands, als Wunschdenken abstempeln?

Jetzt schon in der Öffentlichkeit Zahlen zu nennen, ist ein bisschen heikel. Es wird sicher weniger sein müssen als Halbe/Halbe und kann schon in einem Bereich sein von einem Drittel zu zwei Dritteln. Aber hier möchte ich mich noch nicht festlegen.

Was sagen Sie dazu, dass bürgerliche Politiker in der bz eine Neubesetzung des Unirates und einen Baselbieter Präsidenten gefordert haben?

Governance ist ein ganz wichtiger Aspekt in dieser Diskussion. Da geht es tatsächlich um die Frage der Zusammensetzung des Unirates und um das Präsidium. Ein Landschäftler als Präsident wär schon schön. Ansonsten ist es aber falsch, wenn diese Fragen personalisiert werden. Es geht nicht darum, die amtierenden Mitglieder abzustrafen, sondern um einen Wechsel, der auch wegen der Public-Corporate-Governance-Gesetzgebung ansteht. Im Unirat gibt es ja zwei, drei Mitglieder, die das 70. Altersjahr erreicht haben.

Ein anderes Sorgenkind ist der interkantonale Hochschulrat. Hier erteilte die Nationalratskommission Basellands Wunsch nach einem Sitz erneut eine Abfuhr. Wie frustrierend ist das für Sie?

Dass wir nicht im Hochschulrat sind, ist schon ein bisschen peinlich. Wir investieren am Viertmeisten aller Kantone in eine Universität und fast ebenso viel in eine Fachhochschule. So viel übrigens zum Thema, wir würden Bildungsabbau betreiben. Von dem her schmerzt es schon, dass wir die Anerkennung als universitärer Hochschul- und als Fachhochschul-Standort nicht erhalten.

Gibt der Kanton hier langsam auf?

Nein, aufgeben werden wir nie. Es gäbe ja verschiedene Möglichkeiten, zum Beispiel könnte man die Sitzzahl im Hochschulrat erhöhen. Bis jetzt war ja immer das Problem, dass ein anderer Kanton aus dem Rat hinaus müsste, damit wir Platz hätten. Wir werden wohl einfach weiter lobbyieren und das Ziel verfolgen müssen.