Dank Thomas Webers furiosem Einzug in die Baselbieter Regierung herrscht unter den Parteien der bürgerlichen Wahlallianz zurzeit eitel Sonnenschein. Und es kommt noch besser: SVP, FDP, CVP und BDP können den Schwung gleich für den nächsten Wahlkampf mitnehmen. Mit dem Allschwiler Gemeinde- und CVP-Vizepräsidenten Anton Lauber haben sie für die Regierungsratsersatzwahl vom 9. Juni einen Trumpf im Ärmel, der kaum zu schlagen ist. Allerdings: Was auf kantonaler Ebene nach der idealen Konstellation klingt, sorgt in der grössten Baselbieter Gemeinde für Unruhe.

CVP gibt Präsidium frei

«Die Fussstapfen, die Anton Lauber in Allschwil hinterlassen wird, sind riesig», bringt es Felix Keller auf den Punkt. Der Landrat und Sektionspräsident der CVP Allschwil-Schönenbuch steht vor der grossen Herausforderung, für adäquaten Ersatz zu sorgen. Denn für die CVP ist klar: Sie will den Gemeinderatssitz behalten. Dies bestätigen sowohl Keller wie auch Lauber.

Die Ersatzwahl in die kommunale Exekutive wird am 22. September stattfinden. Erst danach folgt die Wiederbesetzung des Gemeindepräsidiums. Hier sieht Keller ein, dass «wir den Platz an der Sonne wohl abgeben müssen». Dies, weil kaum ein frisch gewählter CVP-Gemeinderat sogleich das Präsidium übernehmen dürfte und der Bisherige Arnold Julier genau das entgegengesetzte Problem hat: «Mein Alter ist sicher ein Hindernis, da ist das Präsidium schlicht nicht realistisch», sagt der 66-Jährige selbst.

SVP will auch in den Gemeinderat

Den Anspruch, den die Allschwiler Christdemokraten auf den – aller Voraussicht nach – frei werdenden Gemeinderatssitz erheben, anerkennen allerdings nicht alle Bündnispartner uneingeschränkt. «Wir hätten sehr gerne wieder eine eigene Vertreterin in der Exekutive», sagt Roman Klauser. Der Landrat und Sektions-Vizepräsident der SVP Allschwil-Schönenbuch denkt dabei vor allem an Einwohnerrätin Pascale Uccella, die bei den Gesamterneuerungswahlen vor einem Jahr gegen die sieben Bisherigen chancenlos geblieben war.

Klauser möchte nun erst einmal mit den Allianzparteien zusammensitzen und hofft, dass man sich am Ende auf einen gemeinsamen Kandidaten einigt. Dass dieser aus den Reihen der CVP kommen sollte, findet Nicole Nüssli, Vizegemeindepräsidentin und vorübergehende Co-Präsidentin der FDP Allschwil: «Ich verstehe schon, dass die SVP auch wieder in den Gemeinderat möchte, aber sie sollte sich bis zu den nächsten Gesamterneuerungswahlen 2016 gedulden. Der Sitz von Lauber gehört der CVP.»

Nüssli sieht sonst die noch junge Wahlallianz bereits wieder gefährdet. Dementsprechend habe der Vorstand der FDP entschieden, selbst nicht zu kandidieren. «Das eigene Hemd ist einem immer am nächsten», sieht auch Lauber die Schwierigkeit, Allianzen im lokalen aufrecht zu erhalten.

An keine Einigung der Bürgerlichen glaubt Jean-Jacques Winter. Der Sektionspräsident der SP Allschwil-Schönenbuch vergleicht die Lage mit dem Einwohnerrat: «Dort herrscht unter den Bürgerlichen reiner Futterneid.» SP, Grüne, EVP und GLP werden Mitte Mai entscheiden, wie sie zur Ersatzwahl antreten. Da die SP bereits drei Gemeinderäte stellt – Winter: «Vier wären fast frech» –, sei eher eine Kandidatur einer anderen Partei wahrscheinlich.

Fest steht bereits, dass der parteilose Heinz Giger antritt. Er sass früher für die CVP im Einwohnerrat und von 2005 bis 2010 dann für die SP im Gemeinderat. Gegenüber der «Basler Zeitung» betonte Giger sogar, gleich das Gemeindepräsidium erobern zu wollen.

FDP-Frau Nüssli in Pole Position

Das hat auch Nüssli vor. Die FDP-Frau, die schon seit 13 Jahren in Allschwils Exekutive sitzt, bestätigt auf Anfrage der bz: «Ich stelle mich zur Wahl ins Präsidium.» Und Nüssli ist in der Pole Position, denn als Laubers Vize wird sie ab Juli das Präsidium schon ad interim innehaben – je nach Verlauf der Ersatzwahl in den Gemeinderat bis ein halbes Jahr lang. «Nicole Nüssli könnte ich mir gut als Präsidentin vorstellen», sagt auch Keller. Skeptischer zeigen sich Klauser und Winter. Ersterer sieht «noch überhaupt keine geeigneten Kandidaten» und Letzterer attackiert Nüssli sogar direkt: «Ich setze ein Fragezeichen hinter ihre Kompetenz, etwa bei der Teamführung.» Nüssli nimmt den Angriff gelassen und verweist auf ihre 13-jährige Exekutiverfahrung.

Einig sind sich die Exponenten der CVP, FDP, SVP und SP, dass wohl kein Gemeindepräsident in Allschwil wieder so omnipräsent werden wird wie Lauber. Winter sieht dies als grosse Chance: «Ich hoffe, dass nie wieder jemand so dominant wird. Das Gesamtgremium soll endlich stärker werden.» Und Nüssli sagt wertfrei: «Allschwil hat es schon vor Anton Lauber gegeben und Allschwil wird es auch nach Anton Lauber noch geben.»